Nachhaltigkeitsmagazin 2022

Kerosin zum Fliegen, wobei Start und Landung die energieintensivsten Prozesse sind. Zudem kann das Flugzeug, im Gegensatz zum Zug, die Strecke an die Auslastung – durch den Einsatz von größerem oder kleinerem Fluggerät – anpassen und damit umwelt- und kosteneffizienter operieren. Ideologiefreie Verkehrspolitik Politisch gewollte finanzielle Anreize zur Reduzierung der CO2-Emissionen im Verkehrswesen können nur Wirkung entfalten, wenn sie einerseits alle relevanten CO2-Emissionen einschließen und darüber hinaus international und global ausgerichtet sind. CO2-Moleküle, die bei der Stahlherstellung in Indien oder China oder bei der Zementproduktion in Indonesien entstehen, haben genau die gleiche Klimawirkung wie CO2-Moleküle, die bei der Verbrennung von Benzin und Kerosin oder bei der Erzeugung von Strom entstehen. Hauptursache für die hohen CO2-Belastungen des Verkehrssektors insgesamt ist weniger der steigende Mobilitätsbedarf der Gesellschaft, sondern vielmehr die Ineffizienz der Nutzung der Verkehrssysteme, deren Inkompatibilität sowie das Ignorieren physikalischer Sachverhalte. Die Subventionierung von Elektromobilität in der jetzigen Form hat einen deutlich geringeren Effekt auf die CO2-Emissionen, als gemeinhin angenommen. Gleiches gilt weitgehend für den Aus- und Neubau von Bahninfrastruktur. Eine sehr viel deutlichere Reduzierung von CO2 ließe sich hingegen durch signifikante strukturelle Veränderungen von Mobilität und Transport erreichen. Im Verkehrssektor lassen sich jährlich zig Millionen Tonnen CO2 einsparen, ohne dass dies Einschränkungen der Mobilität zur Folge haben muss. Politische Entscheidungen zur Verkehrspolitik müssen dazu allerdings ideologiefrei, unvoreingenommen und konsequent am erwarteten Mobilitäts- und Transportbedarf, an naturwissenschaftlichen Fakten und am ingenieurtechnisch Machbaren ausgerichtet werden. Auch die europäische Flugsicherungorganisation Eurocontrol kommt in ihrer Studie und in einem Vergleich der externen Kosten sowie der Kosten für Infrastruktur zu einem ähnliches Resultat: Die Hochgeschwindigkeitsbahn (HSR) kostet doppelt so viel wie der Luftverkehr, wenn man externe Kosten sowie Infrastruktur miteinbezieht. Die Infrastruktur für die HSR ist fünfmal teurer und hinsichtlich Bodenverbrauch zehnmal umweltschädlicher. Besonders effizient und klimaschonend ist der Ausbau des Bahnverkehrs allerdings dort, wo er an intermodale Knotenpunkte wie eben zum Beispiel die Flughäfen angeschlossen wird. Das Flugzeug ist also nicht zwingend das umweltunverträglichste Verkehrsmittel und mit nicht ganz drei Prozent der weltweiten CO2-Emissionen ist die Rechnung eine einfache: Für die „restlichen“ 97 Prozent ist die Luftfahrt nicht verantwortlich. Der Schwarze Peter ist kein Seefahrer Bei den Kreuzfahrtschiffen ist es zwar nicht ganz so „easy“, weil im Kohlendioxid-Gesamtausstoß der weltweiten Schifffahrt auch die Container-Schiffe inbegriffen sind. Und diese Schweröl-Dreckschleudern sind von einem klimaneutralen Transportmittel noch immer seemeilenweit entfernt und „spucken“ damit der auf Umwelt- und Klimaschutz bedachten Passagierschifffahrt ordentlich in die Suppe. Dabei ist, bei aller übertriebenen Gigantomanie, auch in diesem Segment der Schwarze Peter kein das Klima und die Natur ignorierender Seefahrer. Alle Kreuzfahrtunternehmen sind sich ihrer Verantwortung – die eng mit demWachstum dieses Reisesegments verbunden ist – gegenüber Umwelt, Mensch, Tier und Natur bewusst und haben, wie Fluglinien, das Ziel der Klimaneutralität durch Einsparung von CO2-Emissionen in ihren Nachhaltigkeitsstrategien festgeschrieben – durch Nutzung alternativer Treibstoffen mittels Umstieg auf LNG (Flüssiggas) sowie auf Landstrom. Man investiert auch hier Unsummen in die Entwicklung moderner Technologien, um Kreuzfahrten zum UmweltMusterschüler zu machen. Wertschöpfung und Wertschätzung Eine weltweit vernetzte Wirtschaft ist ohne Luftfahrt undenkbar, wie der globale Tourismus überhaupt ein Wertschöpfungsfaktor und Arbeitsplatzgeber höchsten Ranges ist. Kein Land, nicht in der EU wie weltweit, kann heute und schon gar nicht nach Corona, auf diese Millionen und Milliarden verzichten. Alleine Österreich erwirtschaftet 60 Prozent seiner Wertschöpfung im Export, die Folgen für Wirtschaft und Arbeitsmarkt, wenn die Mobilität und besonders das Fliegen nicht funktioniert, hat die Pandemie eindrucksvoll gezeigt. Letztlich aber haben wir, die wir gerne verreisen, ob mit Auto, Bahn, Flugzeug oder Schiff, die Zukunft unserer Welt in der Hand. Und zwar nicht nur der touristischen. Ach ja, das mit dem Bäume pflanzen zur CO2-Kompensation ist an sich eine nachhaltig kluge Sache, die der Natur guttut. Halt nur dann, wenn der Baum 100 Jahre und älter wird und nicht, bevor er ordentlich in den Himmel gewachsen ist, längst abgeholzt wird. Womit sich dann die Katze in den sprichwörtlichen Schwanz zu beißen beginnt. Shutterstock tourismus 40 Nachhaltig 2022

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