Nachhaltigkeitsmagazin 2022

keine Wärme selbst, sondern beziehen sie von der Raffinerie, wo die OMW technische Innovationen vorgenommen hat, dass die Wärme, die bisher an die Umgebung abgestrahlt hat, eingefangen und zu uns geschickt wird. Es klingt widersprüchlich, wenn ein Flughafenbetreiber sagt, das zentrale Unternehmensziel sei die Nachhaltigkeit, Immerhin ist Fliegen wohl nicht die nachhaltigste Art zu reisen. Auch nicht schlechter als andere, wenn man einen seriösen Vergleich anwendet, der die gesamte Infrastruktur, die dahintersteht, mitbetrachtet. Es geht darum, eine bedarfsgerechte Kombination der verschiedenen Verkehrsträger zu finden. Als die Westbahn ausgebaut wurde, sind die Leute gerne von Linz mit der Bahn zum Flughafen Wien gefahren. Jetzt, wo es keinen Flug von Salzburg nach Wien gibt, setzen sich die Menschen aber nicht in die Bahn und fahren nach Wien, sondern mit dem Pkw nach München, weil es keine sinnvolle Bahnverbindung nach München gibt. Dennoch steht der Flugverkehr stark in der Kritik. Der Flugverkehr ist zu Unrecht der Prügelknabe in der öffentlichen Diskussion, denn er ist global nur für 2,7 Prozent des CO2-Ausstoßes verantwortlich. Man muss aber davon ausgehen, dass sich der weltweite Flugverkehr bis 2050 verdreifacht, da bisher weniger als 20 Prozent der heute auf der Welt lebenden Menschen jemals in einem Flugzeug gesessen sind. Daher muss der Flugverkehr CO2-neutral werden. Wie soll das umgesetzt werden? Indem man das erdölbasierte Kerosin durch synthetisches Kerosin ersetzt. Dieses ist in der Verbrennung völlig gleichwertig. Man benötigt dafür Luft, Wasser und CO2 und Gunstlagen zur alternativen Stromerzeugung, zum Beispiel in der Wüste, mit 4.000 bis 5.000 Sonnenstunden. Man muss es nur wollen, einen Plan aufstellen und es machen. Ein wichtiger Schritt wäre, die Abgaben, die auf dem Flugverkehr lasten, für die Stützung des synthetischen Kerosins zweckzubinden. Eine Besteuerung des Kerosins spart hingegen kein einziges Gramm CO2 ein und fördert den internationalen Tanktourismus. Die Politik sollte sich darauf beschränken, Ziele und Rahmenbedingungen zu definieren, die dann der Industrie die entsprechenden Anreize geben, in die richtige Richtung zu arbeiten. Haben Sie durch die Investitionen für CO2-Neutralität auch das Bewusstsein Ihrer Mitarbeiter:innen schärfen können? Ich glaube, wir konnten das Bewusstsein schärfen, dass man mit Ressourcen sorgsam umgehen muss. Es gibt auch Maßnahmen, welche die Mitarbeiter:innen direkt betreffen, zum Beispiel Fahrgemeinschaften oder der CAT als schnellste Verbindung zum Flughafen aus der Stadt. Durch den Anschluss des Flughafens an die Westbahnstrecke kommen nur noch 30 Prozent mit dem Pkw. Sie haben in der jüngsten Vergangenheit mehrfach gesagt, dass wir unsere Ziele beim Ausbau der erneuerbaren Energie nicht erreichen werden, weil die Verfahren zu lange dauern. Die Politik erklärt ständig, welche Klimaziele man 2030, 2040 erreichen sollte, es gibt aber keinen Plan zur Umsetzung. Zahlreiche Projekte sind in überlangen Verfahren blockiert, übergreifende Raumordnungskonzepte und Netzausbaupläne fehlen. Das Ziel, Österreich bis 2030 zu hundert Prozent mit erneuerbarer Energie zu versorgen, ist unter den jetzigen Umständen unerreichbar. In Niederösterreich etwa gibt es kein einziges Windkraftprojekt, gegen das es keinen Einspruch gibt. Die Verhinderungsverfahren dauern bis zu zehn Jahre. Ich begrüße daher den Vorschlag des deutschen grünen Umweltministers, die Verfahren auf ein Jahr zu begrenzen. Das wäre auch in Österreich der einzig sinnvolle Weg. Andreas Hofer, flughafen wien Nachhaltig 2022 43 MaSSnahmen des Flughafens im Überblick Im Frühjahr 2022 ist die größte Photovoltaik-Anlage Österreichs mit einer Leistung von rund 24 Megawatt Peak auf einer Fläche von 24 Hektar (entspricht rund 48 Fußballfeldern) in Betrieb gegangen. Die Anlage soll mit den bereits sieben bestehenden Photovoltaik-Anlagen jährlich rund 30 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen – das entspricht rund einem Drittel des Stromverbrauchs am Airport. Schon 2023 wird der Flughafen Wien durch seine Maßnahmen seinen Betrieb CO2-neutral führen und einer der ersten Green Airports Europas werden. Zusätzlich sorgt die Umstellung der Fernwärmeversorgung der OMV auf CO2-Neutralität ab 2022 für eine deutliche Reduzierung der CO2-Emissionen am Flughafen Wien. Bereits in den vergangenen Jahren konnte der Airport seinen CO2-Ausstoß pro Verkehrseinheit um 70 Prozent und den Energieverbrauch um mehr als 40 % senken. Umstellung auf Elektromobilität: Derzeit sind bereits mehr als 380 Fahrzeuge am Vorfeld im Einsatz. Nutzung des Schwungmassenspeichers: Flughafen Wien und Wien Energie nahmen den weltweit ersten Schwungmassenspeicher in Betrieb, der das Schnellladen von E-Autos ermöglicht. Zudem verfügt der Flughafen Wien über 51 E-Ladeplätze für Pkw. Nachhaltige Immobilienentwicklung mit Fokus auf eine energieeffiziente Errichtung und Instandhaltung der Gebäude am Standort. Der neue Office Park 4 hat das ÖGNI-Vorzertifikat in Platin für umfangreiche Integration von Nachhaltigkeit und Energieeffizienz erhalten. Er verbraucht um rund ein Drittel weniger Energie als herkömmliche Büroneubauten.

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