Nachhaltigkeitsmagazin 2022

für Fast Fashion? Die Bemühungen der Modeindustrie der letzten Jahre waren nett, haben der Umwelt bisher aber kaum geholfen. Was es braucht, sind regulatorische Vorgaben und eine massive Reduktion des Konsums. von Manuel Friedl D ie Großen stehen unter Zugzwang – und sie liefern. H&M schießt eine nachhaltige Kollektion nach der anderen hinaus: Für die aktuelle „Cherish Waste“-Kapsel etwa werden Kleider aus recyceltem Polyester, Seidenabfällen oder Lederimitat auf Pflanzenbasis hergestellt. Bei C&A stammten bereits im Jahr 2020 96 Prozent der verwendeten Baumwolle aus nachhaltigen Quellen. Und selbst der berüchtigte Diskonter Primark verpasste sich jüngst eine Nachhaltigkeitsstrategie mit dem Ziel, bis 2027 nur noch nachhaltige Baumwolle zu beziehen. In den letzten fünf Jahren hat sich die globale Produktion von Bio-Baumwolle von 107.000 auf 249.000 Tonnen mehr als verdoppelt. Klingt beeindruckend, ist aber nicht viel mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Zum Vergleich: Die konventionelle Baumwoll-Ernte eines Jahres liegt bei 26 Millionen Tonnen – der Bio-Anteil beträgt somit aktuell noch weniger als ein Prozent (Quelle: Organic Cotton Market Report 2021). Das Zeugnis von Experten fällt denn auch verheerend aus. „Die Öko-Bilanz der Modebranche hat sich weiter verschlechtert – trotz aller Bemühungen der letzten Jahre“, sagt etwa der deutsche Trendexperte, Autor und Designer Carl Tillessen. Dem Konsumenten „das Gleiche in Grün“ zu verkaufen nutze lediglich dem Image der Modemarken. Ohnehin ist der Switch zu Bio-Baumwolle in der Branche höchst umstritten. Wie der Bericht „The Great Green Washing Machine“ zeigt, verbraucht Bio-Cotton um zehn Prozent mehr Wasser pro Tonne Saatgut als die konventionelle Produktion. Gleichzeitig liefert die ökologische Landwirtschaft geringere Erträge bei höheren Preisen. Für den gleichen Output wird also mehr Land gebraucht – was wiederum zulasten von Nahrungsmittelproduktion und Artenvielfalt geht. 44 Nachhaltig 2022 Game over Das Outdoor-Label Canada Goose will in der Produktion bis 2025 zu 90 Prozent umweltfreundliche Rohstoffe einsetzen.

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