Nachhaltigkeitsmagazin 2022

Die nüchternen Fakten Im März 2022 veröffentlichte der Verband der deutschen Modeindustrie eine Studie namens „German Fashion Footprint“, mit der versucht wird, die globalen Auswirkungen der deutschen Modeindustrie zu quantifizieren. Für den österreichischen Markt liegt nichts Vergleichbares vor – die heimische Modebranche ist im Vergleich zur deutschen mit Weltmarken wie Adidas, Hugo Boss, Puma und C&A aber auch vernachlässigbar. Die Kernerkenntnisse: Nur fünf Prozent der in Deutschland gekauften Bekleidung (inklusive Schuhe) werden in deutschen Produktionsstätten gefertigt – die Umweltauswirkungen werden also nahezu zur Gänze exportiert. Die deutsche Modeindustrie verursachte im Jahr 2019 38 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen. Dies entspricht ungefähr den gesamten Emissionen der Slowakei im selben Jahr (42 Millionen Tonnen). Der Wasserverbrauch der Modeindustrie beträgt geschätzte 6,5 Milliarden Kubikmeter. Jeder Deutsche verursacht also durch Modeprodukte im Durchschnitt einen Wasserverbrauch von schätzungsweise 50.000 Litern pro Jahr – etwa ein großer Tankwagen voll. Der landwirtschaftliche Flächenbedarf nur für die Baumwolle, die in der deutschen Modeindustrie verarbeitet wird, wird auf 2,5 Millionen Hektar geschätzt – in etwa die gesamte Landfläche von Belgien (3,0 Millionen Hektar). Oder, wiederum umgerechnet auf die Einwohnerzahl: Pro Person braucht es im Durchschnitt circa 300 Quadratmeter Agrarfläche für den Modekonsum. Wenn Bio also keine Lösung ist: Was dann? Letztlich sei es für die Modeindustrie alternativlos, weniger, aber dafür hochwertiger zu verkaufen, so Trendexperte Tillessen. „Natürlich macht dieser Gedanke der Branche Angst und er macht sie auch ratlos. Kein Trendforscher, kein Unternehmensberater kann eine Garantie geben, dass man mit ,buy less, but better‘ am Ende den selben Umsatz machen wird wie bisher. Sicher ist jedoch, dass es mit den bisherigen Mengen erst recht nicht funktionieren wird.“ Die Fast-Fashion-Industrie kurbelte den Verbrauch von Mode in den letzten Jahrzehnten fleißig an. Zwischen 1990 und 2018 sind die Bekleidungspreise in der EU inflationsbereinigt um über 30 Prozent gesunken – gleichzeitig sind die Ausgaben für Bekleidung weiter gewachsen. Durchschnittlich werden in Europa jedes Jahr elf Kilogramm Textilien pro Person weggeworfen. Neue Kleidungsstücke werden immer kürzer getragen, bis sie wieder als „out“ empfunden werden – im Schnitt weit unter zehnmal. Die weltweite Textilproduktion hat sich so zwischen 2000 und 2015 fast verdoppelt. Die Kluft vergrößert sich. Weiteres Wachstum bei mehr Nachhaltigkeit – das geht sich unterm Strich nicht aus. Wie zuletzt etwa der Guardian berichtete, konnte Nike seinen CO2-Ausstoß in der Produktion im Jahr 2020 um fünf Prozent senken. Bloß: Da der Umsatz des Sportartikelriesen im gleichen Jahr um sieben Prozent wuchs, stieg der tatsächliche CO2-Ausstoß unterm Strich um zwei Prozent. Offen eingestehen will sich das in der Branche bisher aber kaum jemand. Canada Goose, Marc O‘Polo Nachhaltig 2022 45 modeindustrie Die Premium-Marke Marc O’Polo setzt seit einigen Jahren konsequent auf Nachhaltigkeit.

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