Nachhaltigkeitsmagazin 2022

Eine Ausnahme ist die schwedische Outdoor-Marke Haglöfs. Auch sie hat sich das Ziel gesetzt, ihre Kohlenstoffemissionen bis 2030 auf null zu reduzieren. Doch dann kam Corona – und damit ein wahrer Outdoor-Boom, der dem Unternehmen einen Rekordumsatz bescherte. Der im April veröffentlichte Nachhaltigkeitsbericht von Haglöfs „deckt einen Interessenskonflikt auf, der für die gesamte Branche relevant ist: Das Umsatzwachstum und die damit einhergehende steigende Produktion erschwert das Erreichen der gesetzten Klimaziele“, bekennt CEO Fredrik Ohlsson. „In der Fertigungsphase gingen zwar die Emissionen pro hergestelltem Produkt zurück, auch die Umweltauswirkungen der einzelnen Materialien sanken pro produziertem Kilogramm. All diese Verbesserungen wurden durch das steigende Volumen jedoch ausgeglichen, sodass der Gesamtfußabdruck zunahm. Wir werden an unseren Zielen festhalten. Die Kluft zwischen dem, wo wir heute stehen, und dem, wo wir hinwollen, hat sich jedoch vergrößert.“ Ist die Menschheit bereit für die große Konsumwende? Noch sieht es nicht danach aus. Im „Sustainable Commerce Report“ von EY aus dem Vorjahr stellten die Österreicher der Fashion-Branche ein schlechtes Zeugnis aus: Während der Lebensmittelhandel von jedem zweiten Konsumenten (mehr als 1.000 Befragte über 18 Jahren) beim Thema Nachhaltigkeit ein „Gut“ oder „Sehr gut“ erhielt, kann der Fashion-Handel nur jeden Achten (13 Prozent) von seinen Bemühungen überzeugen. Das Überraschende war aber: Offenbar ist das den Konsumenten ziemlich egal. Halten bei Lebensmitteln acht von zehn Kunden das Thema Nachhaltigkeit für wichtig oder sehr wichtig, ist das bei Fashion nur für 43 Prozent der Fall. Zwar boomen bei vielen Meinungsführern Themen wie Vintage, Second Hand und Recycling-Mode. Die „Glamour Greens“, die ihren nachhaltigen Lebensstil nach außen vor sich hertragen, sind jedoch global gesehen eine kleine Minderheit. „Bei einem großen Teil der Gesellschaft spielen diese Bewegungen keine Rolle“, weiß auch Experte Tillessen. Billigformate wie Shein würden beweisen, dass sich viele „noch immer auf alles stürzen, was schnell und billig ist“. Druck von oben Ohne mehr oder weniger sanften Druck von oben wird es also vermutlich kaum gelingen, die Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Die EU hat sich dazu verpflichtet, bis 2050 netto keine Treibhausgase mehr auszustoßen. Als erstes Teilziel sollen die Emissionen bis 2030 um mindestens 55 Produzent reduziert werden (gegenüber dem Niveau von 1990). Welchen Beitrag die Textilindustrie als einer der größten Sünder dazu leisten muss, wurde im März in der „EU-Strategie für nachhaltige und kreislauffähige Textilien“ konkretisiert. Darin heißt es: „Bis 2030 sind Textilprodukte, die in der EU in Verkehr gebracht werden, langlebig und recycelbar, bestehen zu einem großen Teil aus recycelten Fasern, sind frei von gefährlichen Stoffen und werden im Hinblick auf soziale Rechte und die Umwelt hergestellt.“ Gemeinsam mit Branchenverbänden wird nun an einem Fahrplan zur Umsetzung dieser Ziele gearbeitet. Die Branche trifft die anstehende Neuaufstellung nicht in der besten Verfassung. Viele Unternehmen sind durch die Coronakrise und Umsatzeinbrüche in der Größenordnung von 25 Prozent geschwächt, dazu kommen die extrem gestiegenen Energie- und Transportkosten. Brancheninsider kritisieren, dass noch viele Fragen offen blieben – etwa, wie mit Importen umgegangen wird. Immerhin werden fast drei Viertel der Textilien, die in Europa verbraucht werden, außerhalb der EU hergestellt. Die EU selbst fasst den normativen Druck des Faktischen einstweilen eher lakonisch zusammen: „Der Sektor wird die Grundsätze der Kreislaufwirtschaft in seine Geschäftsmodelle integrieren und seinen ökologischen Fußabdruck minimieren müssen.“ Lanius, H&M modeindustrie Wer auf nachhaltige und faire Mode abseits jedes Greenwashing-Verdachts Wert legt, ist bei Lanius gut aufgehoben. Die aktuelle „Cherish Waste“-Kollektion von H&M ist aus RecycleMaterialien hergestellt. 46 Nachhaltig 2022

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