23.03.2022

2 Mio. Euro Förderung für die Filmstadt Wien

Die Stadt Wien ruft eine internationale Filmförderung ins Leben, die auch Produktionen der boomenden Streaming-Plattformen miteinschließt. „Vienna Film Incentive“ hilft auch der Tourismusdestination effektiv, ist man im WienTourismus überzeugt. 

Internationale Filmproduktionen finden nur mehr dort statt, wo man ihnen etwas Gutes tut. Dieses Feedback haben die Vienna Film Commission und WienTourismus zuletzt immer häufiger erhalten. Mit dem „Vienna Film Incentive“ gibt es nun ein zielgerichtetes Fördermodell, das diese Herausforderung bewältigt. Sie steht nicht nur klassischen Filmproduktionen offen, sondern auch Serien und dezidiert Produktionen für Streaming-Anbieter. Die werden im internationalen Geschäft immer wichtiger und die Plattformen müssen einen Anteil von 30 Prozent europäischer Produktionen im Programm haben. So das EU-Recht.

Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke: „Die neue Förderschiene ist explizit als Filmförderung zu verstehen, die auf die Tourismuswirtschaft Bezug nimmt. Sie soll der Wiener Visitor Economy zugutekommen – den Wirtschaftstreibenden und dem Tourismusstandort.“ Bis Ende 2023 stellt die Stadt Wien zwei Millionen Euro zur Verfügung, um internationale Filmemacher für Wien zu begeistern. Gefördert werden Produktionen, die zur Gänze oder teilweise in Wien gedreht werden, Wien auch als einen der „Hauptdarsteller“ verstehen und mindestens zwei Tage dauern. Mit dem Geld werden somit Herstellungskosten, Gagen, Studio, Schnitt, Hotelkosten etc. der Produktion unterstützt. „Vienna Film Incentive“ ist zudem eine Komplementärförderung, der Bund kann und wird ebenfalls Produktionen unterstützen.

Neben den wirtschaftlichen Primäreffekten, etwa der Wertschöpfung, die im Rahmen einer Produktion durch Ausgaben vor Ort entsteht, und damit verbundenen Beschäftigungseffekten zielt man insbesondere auf die touristische Imagebildung ab. „Wien als Drehort bedeutet nicht nur Aufträge für die lokale Wirtschaft, standortwirksame Aufwendungen für Nächtigungen oder die Verpflegung der Filmteams, sondern zahlt langfristig auch in die touristische Attraktivität der Stadt ein. Daher ist das neue Vienna Film Incentive operativ auch im WienTourismus angesiedelt“, erklärt Hanke.

Wiener Wettbewerbsvorteil

Der WienTourismus ist Anlauf- und Abwicklungsstelle des „Vienna Film Incentive“. Tourismusdirektor Norbert Kettner betont, „Wien ist schon seit 1895 Filmstar. Filme und Serien sind Cookies im Langzeitgedächtnis der Reisenden.“ Das heißt, die bewegten Bilder sorgen für Emotionen und Verknüpfung mit einer Destination – bewusst und unbewusst. Dem „Travelsat-Index“ des in Brüssel ansässigen, global tätigen Online-Marktforschungsunternehmens TCI-Research zufolge hat Wien einen Wettbewerbsvorteil im europäischen Vergleich. Dies zeigt die Frage nach dem Einfluss von Filmen auf die Reiseentscheidung, dem sogenannten „filminduzierten Attraktivitätsindex“ über die Zugkraft eine Destination bei Film-Fans. Die europäische Norm liegt bei 100, Wien ist mit einem Wert von 170 signifikant darüber, London steht bei 200. „Das ist unsere Benchmark“, gibt Kettner die Richtung vor. Einer von zehn Besuchern entschließt sich hauptsächlich aufgrund eines Filmes für Wien. Erfolge wie Der dritte Mann oder Before Sunrise befeuern heute noch das Interesse für die Destination. 

Generell sind Filmtouristen laut TCI auch um etwa 10 Prozent empfänglicher für Destinationswerbung als der Durchschnitt aller Besucher und reisen auch außerhalb der Hochsaison häufiger. Zugleich teilen sie ihre Reiseerfahrungen aktiver in sozialen Netzwerken (+27%) und weisen höhere Weiterempfehlungsraten auf als der Durchschnitt (+6%). Besonders ausgeprägt ist dieser Trend in der Zielgruppe der Millennials und auf ausgabefreudigen Märkten wie China oder den Golfstaaten (GCC). „Filme und Tourismusmarketing ergänzen sich ideal“, fasst Kettner zusammen. „Filmtourismus kann sich im Idealfall langfristig positiv auf die Visitor Economy und die Markenbildung auswirken.“ 

Trumpfkarte für Filmstandort 

Maßgeblich an der Erstellung der Richtline beteiligt war die Vienna Film Commission, die zusammen mit dem WienTourismus im Vienna Film Incentive einen starken Hebel sieht, international leuchtstarke Produktionen nach Wien zu holen. „Angebote wie das Vienna Film Incentive sind ein enormer Motivationsfaktor für Filmschaffende, eine Trumpfkarte in der Akquise und damit exakt jener Schritt, den es braucht, um den Filmstandort Wien international noch stärker zu positionieren“, erklärt Marijana Stoisits, Geschäftsführerin der Vienna Film Commission.

Sie berichtet, dass Wien schon bisher als überaus attraktiver Drehort galt, in der Vergangenheit aber nicht selten aufgrund eines fehlenden Incentives dann doch keinen Zuschlag erhielt. Mit dem Vienna Film Incentive habe sich die Ausgangssituation nun grundlegend verändert. „Wir können es kaum erwarten, diese Neuigkeit auf den internationalen Filmmärkten und bei Branchenevents der Filmindustrie zu verkünden“, so Stoisits.

Förderkriterien nach Punktesystem 

Voraussetzung für die Förderung ist außerdem, dass eine österreichische Serviceproduktionsfirma mit an Bord ist. Zudem ist darzulegen, ob die Produktion für Kino, TV oder einen Video-on-Demand-Dienst durchgeführt wird. Die Gesamtherstellungskosten müssen bei Spielfilmen mindestens vier Millionen Euro betragen, bei Dokumentarfilmen bei mindestens 500.000 Euro liegen. Ein Kosten-, Zeit- und Finanzierungsplan ist ebenfalls vorzulegen. Die Förderquote beträgt maximal 30 Prozent der förderungsfähigen Herstellungskosten. Die maximale Obergrenze der Fördersumme beträgt je Projekt 400.000 Euro. Industrie-, Werbe-, oder Imagefilme, Show-Programme, Magazine, Reportagen oder reine Theater-, Opern- und Konzertaufnahmen können nicht gefördert werden. 

Entschieden wird anhand einer Checkliste. Die Förderung wird nur gewährt, wenn das Vorhaben die erforderliche Anzahl an Kriterien erfüllt bzw. eine jeweils geforderte Mindestanzahl an Punkten erreicht. Nach Prüfung aller erforderlichen Unterlagen gilt das Prinzip „first-come, first-served“.

Einreichung sind online über die Website https://filmincentive.vienna.info möglich.

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