14.04.2020

"2020 ist ein verlorenes Jahr"

Im Interview berichtet Otmar Michaeler, CEO der Falkensteiner Michaeler Tourism Group, über die Auswirkungen der Krise, die geplante Wiedereröffnung, seine Meinung über Preissenkungen und Stornobedingungen und den Urlaub daheim.

Hotel & Touristik / Traveller: Herr Michaeler, durch die Corona Pandemie ist der Tourismus nahezu weltweit zum Erliegen gekommen - was bedeutet dies für die Falkensteiner Michaeler Tourism Group AG?

Otmar Michaeler: Das kann man aktuell noch gar nicht sagen, weil nicht sicher ist, wann und in welcher Form Reisen wieder unternommen werden können. Aber auf jeden Fall ist der Schaden für unser Unternehmen sehr groß.
Wir haben aber die Entwicklung von Anfang an sehr ernst genommen und schon früh wurde intern ein Krisenstab gebildet, um schnell, vorbereitet und vor allem besonnen reagieren zu können. Gleichzeitig schöpfen wir im Rahmen der behördlichen Regelungen alle Möglichkeiten aus, um möglichst viele Arbeitsplätze zu sichern. In Österreich in Form von Kurzarbeit, in Italien mit Hilfe der Lohnausgleichkasse.
Abgesehen von einem finanziellen Schaden bin ich jedoch fest davon überzeugt, dass es ein großes Vertrauen in unsere Marke gibt. Wir haben viele loyale Kunden, Partner und Mitarbeiter mit denen wir gemeinsam diese Krise überstehen werden.

Lässt sich der Verlust für die FMTG bereits beziffern – sehen Sie noch reelle Chancen diesen Verlust wettzumachen bzw. zu kompensieren?

2020 ist auf jeden Fall ein „verlorenes Jahr“, aber wir arbeiten natürlich bereits daran, das nächste Jahr wieder zu einem erfolgreichen zu machen.

Sehen Sie das Portfolio von 27 Hotels und drei Appartement Anlagen je nachdem wie lange die Krise und die damit verbundenen Reiseeinschränkungen gefährdet? Könnte das Portfolio schrumpfen?

Ich sehe in einer Krise immer auch eine Chance. Wer schnell und geschickt in der Krise reagiert, kann auch gestärkt daraus hervorgehen. Ich denke also nicht, dass die Krise Auswirkungen auf unser Portfolio haben wird. Im Gegenteil, wir sind nach wie vor überzeugt dieses Jahr noch zwei zusätzliche neue Betriebe in Kalabrien und in Südtirol zu eröffnen.

Welche Erwartungen/Hoffnungen haben Sie noch in die Sommersaison 2020 bzw. wo glauben Sie wird/kann die FMTG am Ende des Jahres 2020 landen?

Wir betreiben in 7 Ländern Hotels und verfolgen täglich die Entwicklungen in den einzelnen Regionen. Aktuell planen wir die Wiedereröffnung einzelner Hotels im Laufe vom Juni, spätestens ab 1. Juli. Das wird allerdings nur möglich sein, wenn uns zukünftige Reisebeschränkungen in unseren wichtigsten Zielmärkten (DACH und CEE-Regionen) nicht daran hindern.

Leider könnten Reisebeschränkungen dazu führen, dass der diesjährige Sommerurlaub gänzlich zum Erliegen kommt; darauf hat der österreichische Bundeskanzler Kurz am vergangenen Wochenende auch hingewiesen. Somit müssen wir abwarten, um wirklich finale Entscheidungen für Wiedereröffnungen treffen zu können.

Sind preisliche Sonderarrangements für die Sommersaison bzw. fürs restliche Jahr 2020 angedacht?

Ich denke nicht, dass Preissenkungen der richtige Weg sind, um den Tourismus aus dieser Krise herauszuführen. Allerdings bedarf es mehr Flexibilität. In diesem Sommer werden die Gäste wahrscheinlich kürzer und spontaner verreisen. Deshalb macht es keinen Sinn, nur Wochenurlaube anzubieten.

Das heurige Jahr wäre für den Tourismus im Sommer als auch im Winter sicherlich wieder ein erfolgreiches Jahr geworden. Das haben uns die vielen Vorbuchungen gezeigt. Aktuell liegen unsere Buchungsstände im Juli und August noch über dem Vorjahr. Und das bedeutet wiederum, dass unsere Gäste noch an den Sommerurlaub glauben. Dennoch können wir im Moment nicht sagen, wie sich die Situation weiter entwickeln wird, weil es einfach zu viele Unbekannte und Risiken gibt. Um unseren Gästen mehr Sicherheit und Flexibilität für ihre Urlaubsplanung zu geben, haben wir uns dazu entschlossen gelockerte Stornobedingungen anzubieten.

Kann Österreich aufgrund der vielen Reiseeinschränkungen im internationalen Reiseverkehr und dem damit verbundenen wohl erst spät erfolgenden Restarts des Outgoing-Tourismus noch mit einem „blauen Auge“ im Touristikjahr 2020 davonkommen? Glauben Sie, dass der Österreicher heuer, so er überhaupt auf Urlaub geht, eher im Inland bleibt?

Es wird leider viele Menschen geben, die heuer keinen Urlaub machen können. Unsicherheiten im Job oder sogar ein Jobverlust, nicht genügend Budget für einen Sommerurlaub und keine Urlaubstage mehr sind einige Gründe für „Urlaub daheim“.

Es gibt aber sicher auch Menschen, die gerade nach der Krise Urlaub machen wollen. Viele Österreicher werden es bevorzugen – Reiserestriktion hin oder her – im eigenen Land Urlaub zu machen. Aber das wird die Zahl der fehlenden ausländischen Touristen sicher nicht wettmachen können. Es hängt also sehr viel davon ab, wie streng die Reiserestriktionen sind und wie lange sie für einzelne Länder aufrechterhalten werden.

Sind alle der 27 Hotels bzw. der drei Appartement Anlagen geschlossen oder gibt es noch Häuser, in denen Betrieb möglich ist?

Wir haben in Österreich alle unsere Hotels seit dem 17. März basierend auf den behördlichen Vorgaben oder auch vorsorglich geschlossen. Dasselbe gilt auch für die Hotels in Südtirol, dem restlichen Italien, Tschechien, der Slowakei, Montenegro und Kroatien. Einzig in Belgrad haben wir noch ein Hotel geöffnet.
 
Wir bekommen sehr große Unterstützung und Verständnis von unseren Gästen, was die Maßnahmen betrifft und freuen uns, wenn wir unsere Häuser bald alle wieder für unsere Gäste öffnen werden.

Sind Sie mit den unterstützenden Maßnahmen auf politischer Ebene zufrieden – werden diese ausreichen? Wo sollte/müsste nachgeschärft werden?

Die österreichische Bundesregierung hat sehr rasch und sehr weitläufig Maßnahmen gesetzt. Gerade die Kurzarbeitsregelung ist ein positives Beispiel. Wichtig ist aber auch, dass stark betroffene Branchen wie der Tourismus auch mit weiteren Maßnahmen unterstützt werden. Sonst sehe ich die Vielfalt der österreichischen Tourismuslandschaft in Gefahr.

Erich Falkensteiner, FMTG Aufsichtsratsvorsitzender, sagt, dass man sich an Veränderungen und unerwartete Situationen rasch anpassen muss – nun, mit einer derartigen Pandemie mit weltweiten Reiseeinschränkungen bzw. Reisestopps hat wohl niemand gerechnet. Wie kann man sich auf derartig große und weltumspannende Ereignisse einstellen? Kann man als einzelner hier überhaupt entgegenwirkende Maßnahmen setzen?

Die Corona-Krise hat uns alle überrollt und hier sind wir zu einem Teil natürlich auch nur Passagier. Aber wir müssen jetzt bereits an die Zeit danach denken und verstehen, dass Corona unser Reiseverhalten und damit den Tourismus und die Hotellerie nachhaltig verändern wird. Es geht darum, sich möglichst schnell und gut auf die neuen Erwartungen und Wünsche der Gäste einzustellen und unsere Hotels dementsprechend weiterzuentwickeln.

Sicherheit, Hygiene und Sauberkeit werden in Zusammenhang mit Covid-19 sicher an Bedeutung gewinnen und wir arbeiten bereits an einem mehrstufigen Plan, wie wir nach der Wiedereröffnung unserer Hotels unsere Gäste sowie unsere Mitarbeiter bestmöglich schützen können. „Social Distancing“ in der Hotellerie kann zB. bedeuten, dass die Tische in den Restaurants weiter auseinander stehen müssen oder aber beim Check-In Abstandsmarkierungen angebracht werden.

Die Menschen werden aber zukünftig noch mehr Wert auf Regionalität und Nachhaltigkeit legen. Das schafft Vertrauen und dies ist zur Bewältigung des jetzigen Traumas wichtig. Und durch ihre momentan beschränkte Bewegungsfreiheit wird die Nähe zur Natur noch mehr an Bedeutung gewinnen. Daher sehe ich Österreich mittelfristig auch als „Winner“ dieser Krise.

Mit der von der Falkensteiner Hotelgruppe gesetzten Initiative „Wir sind Urlaubsfreunde“ rufen Sie zum Zusammenrücken der gesamten Tourismusbranche in Österreich auf.

Nicht nur wir als Falkensteiner Gruppe sind von der aktuellen Situation betroffen, sondern die gesamte Branche. Gerade in Österreich gibt es eine Vielzahl an kleinen, familiengeführten Betrieben, die in dieser Situation nicht die Strukturen und Möglichkeiten einer Gruppe haben, diese Zeit zu überbrücken. Daher haben wir die Initiative Urlaubsfreunde.at ins Leben gerufen. Auf dieser Plattform haben österreichische Beherbergungsbetriebe die Möglichkeit, ihren Betrieb zu präsentieren und Hotelgutscheine anzubieten.

Dieses Zeichen der Solidarität zeigt, dass die gesamte Branche derzeit an einen Strang zieht. Gäste können sich hier einfach einen Überblick verschaffen und helfen so die Zeit zu überbrücken. Die Vorfreude auf den nächsten Urlaub ist da wohl der schönste Nebeneffekt.

Dies bestärkt uns darin, die Zukunft fest im Fokus zu halten und die Zeit bis dahin zu nutzen, um uns auf die Kernwerte der Marke Falkensteiner zu konzentrieren. Wir freuen uns schon auf den Moment, wenn wir unsere Gäste mit gewohntem WELCOME HOME Spirit wieder in unseren Häusern begrüßen dürfen und werden bis dahin nicht müde, für die europäische Hotellerie zu kämpfen, denn gemeinsam schaffen wir das!

Wie groß ist der Zusammenhalt in der heimischen Tourismusbranche und wie groß wünschen Sie sich, dass die Gemeinschaft wird? Wäre ein Schulterschluss der touristischen Community über die Zeit der Krise hinaus nicht weiter sinnvoll und wünschenswert? Nach dem Motto: Gemeinsam sind wir stärker?

Dieser Zusammenhalt ist sicher langfristig notwendig, um diese Krise, die eben auch nicht nur Österreich, sondern in Wahrheit die ganze Welt betrifft zu meistern. Für uns in der Hotellerie bzw. dem Tourismus sind sicher ein gewisses Umdenken und ein rasche Anpassung an die neue Situation notwendig. Wir sehen auch unsere Initiative urlaubsfreunde.at als klares Zeichen an die ganze Branche, zusammenzuhalten und jegliches Konkurrenzdenken beiseite zu lassen. Dafür ist jetzt kein Platz und auch wenn wir das Gröbste überstanden haben, sind wir gemeinsam stärker, als jeder für sich.

Die Initiative erhält durch Armin Assinger ein prominentes Gesicht – welche Funktion kommt ihm dabei zu?

Armin Assinger ist ein langjähriger Partner und Freund von uns und hat sich sofort bereit erklärt, kostenlos wohlgemerkt, uns bei unserer Initiative zu unterstützen. Wir freuen uns sehr über seine wertvolle Unterstützung für urlaubsfreunde.at.

(Brigitte Charwat)

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