27.09.2020

300 Millionen Euro für angeschlagene Veranstaltungsbranche

Wird etwa eine Messe oder eine Kulturveranstaltung Corona-bedingt abgesagt oder kann sie nur eingeschränkt stattfinden, sollen jene Ausgaben, die nicht stornierbar sind, ersetzt werden.

Der "Schutzschirm", der noch vom Nationalrat beschlossen und von der EU-Kommission abgesegnet werden muss, soll Veranstaltern von Kongressen, Tagungen, Konzerten, aber auch Theatern Planungssicherheit geben. "Wir gehen davon aus, dass der Schutzschirm mit Beginn November in Kraft treten kann", sagte Tourismusministerin Elisabeth Köstinger. "Ein großer, internationaler Kongress kann ebenso profitieren wie ein Kulturfestival oder ein Theater am Land", sagte Kulturstaatssekretärin Mayer. Im Kulturbereich soll er etwa für Rock- oder klassische Konzerte ebenso Sicherheit bieten wie für eine Kabarettreihe. "Der Schutzschirm soll ein Anreiz sein, soll Sicherheit geben, damit die Veranstalter wieder beginnen zu planen", sagte sie.

Fest stehe, dass für den Fall, dass die Veranstaltung, obwohl sie coronakonform geplant wurde, wegen steigender Infektionszahlen und entsprechender Maßnahmen abgesagt werden muss, werden nicht stornierbare Kosten etwa für die Raummiete, Personalkosten oder die Konferenztechnik vom Staat übernommen. Auch wenn die Veranstaltung nicht ganz abgesagt wird, aber nur mit reduzierter Gästezahl stattfinden kann, soll der Schutzschirm greifen, so Köstinger.

ÖHT übernimmt Abwicklung

Die Veranstaltungswirtschaft trägt mit 8,9 Mrd. Euro 3,4 Prozent zur Wirtschaftsleistung Österreichs bei und sichert 144.000 Arbeitsplätze. Mit Zulieferern seien es 250.000 mit dem Sektor verknüpfte Jobs. Die österreichische Event-Wirtschaft fühle sich mit dem zum ersten Mal als eigene Branche behandelt und sieht einen keinen Lichtblick am Ende des Tunnels, heißt es in einer Presseaussendung des Austria Eventpool, ein interdisziplinäres Sprachrohr für die gesamte Veranstaltungsbranche.

Die Abwicklung wird über die ÖHT (Österreichische Hotel und Touristik Bank) abgewickelt. „Die Klärung aller Details wird bei einer so heterogenen Branche eine große Herausforderung sein“, , so Erik Kastner, Gründer des Austria Event Pools und Agenturchef von OPUS Marketing GmbH. „Es wurde auch die Breite des Schutzschirms angesprochen, welche nicht nur Großveranstaltungen schützen soll, sondern auch die vielen kleineren Veranstaltungen. Das zurzeit keine Veranstaltungen möglich sind, ist allen klar. Jedoch der Kampf ums Überleben einer ganzen Branche hängt vom Zusammenspiel des Fixkostenzuschusses Phase II und dem Schutzschirm ab. Ebenso die flexible Handhabung von Corona-Kurzarbeitsmodellen für die Branche, die auch von der WKO mit den Sozialpartnern vereinbart (Einzelfallprüfungen) wurde, wird dabei helfen, die Event-Branche wieder aufzurichten.“

Lob und Kritik der Opposition

Die Reaktionen von Seiten der politischen Opposition fielen gemischt aus. "Grundsätzlich begrüßt" wurde die Maßnahme von den NEOS, jedoch sei es "absurd, einen Schutzschirm zu präsentieren, ohne gleichzeitig auch nur irgendetwas Konkretes dazu zu sagen", ärgerte sich Kultursprecher Sepp Schellhorn. Es sei unklar, wer unter welchen Umständen den Schutzschirm in Anspruch nehmen kann.

SPÖ-Kultursprecher Thomas Drozda freute sich, dass "der Protest der Kultur- und Veranstaltungsszene und auch der Druck der Opposition erfolgreich" gewesen sei. "Wesentlich ist nun, dass es nicht nur bei vollmundigen Ankündigungen bleibt, sondern die Hilfen auch ankommen."

(APA/Red)

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