10.05.2021

Abgelaufene Ware nicht automatisch ungenießbar

Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) steht schon lange in der Kritik und wird vielfach für überbordende Verschwendung von Lebensmitteln verantwortlich gemacht, weil viel weggeschmissen wird, obwohl es noch genießbar wäre.

Rund ein Drittel der produzierten Lebensmittel landet weltweit im Müll. Österreich ist verantwortlich für knapp eine Million Tonnen vermeidbarer Lebensmittelabfälle im Jahr. Mit einem Anteil von 57,4 Prozent ist der Privathaushalt der größte Verschwender. Oft liegt das an fehlendem Wissen über die Haltbarkeit von Lebensmitteln.

Der VereinLand schafft Leben“hat sich nun dieses Themas angenommen und untersucht, wie lange über das MHD hinaus Lebensmittel noch genießbar sind.Das Mindesthaltbarkeitsdatum wird umgangssprachlich oft Ablaufdatum genannt. Der Begriff suggeriert, dass das Lebensmittel zu dem angegebenen Zeitpunkt entsorgt werden muss, weil es „abgelaufen“ ist. Das Überschreiten des Mindesthaltbarkeitsdatums heißt aber nicht, dass das Produkt nicht mehr genießbar ist. Vielmehr garantiert der Hersteller damit, dass es bei ordnungsgemäßer Lagerung mindestens bis zu diesem Zeitpunkt alle vorgegebenen Eigenschaften behält. Überprüft man das Produkt mit allen Sinnen auf seine Beschaffenheit, sein Aussehen und seinen Geruch und bemerkt keine Auffälligkeiten, kann es somit auch nach Überschreiten des MHD noch problemlos verzehrt werden.

Produktwissen aneignen und auf die eigenen Sinne vertrauen

Bei leicht verderblichen Waren wie z.B. rohem Fleisch, Faschiertem und Fisch muss das Verbrauchsdatum („zu verbrauchen bis“) angegeben werden. Im Gegensatz zum Mindesthaltbarkeitsdatum gelten Produkte, die dieses Datum überschritten haben, nicht mehr als sicher und genießbar. Konsumentinnen und Konsumenten würden oft nicht zwischen dem Verbrauchs- und dem Mindesthaltbarkeitsdatum unterscheiden und Lebensmittel sofort als „abgelaufen“ bezeichnen, ist „Land schafft Leben“-Gründer Hannes Royer überzeugt und plädiert für mehr Bewusstsein: „Es ist noch immer fest in unseren Köpfen, dass ‚abgelaufen‘ ungenießbar bedeutet. Dabei ist das Produkt ja mindestens bis zu diesem Zeitpunkt haltbar. Kenne ich mich aus, was der Unterschied zwischen den Begriffen bedeutet, kann ich auf meine eigenen Sinne vertrauen und somit wertvolle Lebensmittel vor der Mülltonne bewahren.“

In Zusammenarbeit mit der Wiener Tafel hat Land schafft Leben untersucht, welche Lebensmittel über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus noch ohne weiteres genießbar sind. Die Zeitspannen können dabei von zwei Tagen (bei Frischmilch z. B.) bis zu über einem Jahr betragen (Zucker, Tee, Honig).

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