12.04.2022

AGÖ in Tagungssaison gestartet

Nach mehreren pandemiebedingten Absagen hat es Anfang April endlich geklappt. Die erste Küchenleitertagung fand in der Wiener Marokkanerkaserne statt.

Über 20 Teilnehmer genossen die erste Präsenzveranstaltung seit langem. Wobei das Zittern, ob die Küchenleitertagung am 7. April auch tatsächlich über die Bühne gehen könne, bis unmittelbar vor Tagungsbeginn anhielt. Immer wieder durchkreuzte das Pandemiegeschehen das Vorhaben von Zusammenkünften mehrerer Menschen, nicht nur die Küchenleiter-Kollegen der AGÖ.

Davon konnte Gastgeber Andreas Gaigg bereits ein Lied singen. Gaigg ist Küchenleiter in der Marokkanerkaserne im dritten Bezirk Wiens und verpflegt sämtliche Teilnehmer von Polizeischulen, -ausbildungen und -schulungen. Durch die Pandemie – vor allem in den vergangenen Wochen – war größtmögliche Flexibilität in der Küche der Kantine angesagt. Gaigg im Gespräch mit HGV PRAXIS: „Die Zahlen schwankten manchmal zwischen 500 und 25 Essensteilnehmer. Es war wirklich vollkommen unübersichtlich. Dazu kam noch, dass Gaigg auch die Exekutive in ganz Wien zu versorgen hatte, die für die Sondereinsätze bei Demonstrationen eingesetzt waren. Das waren im Höchstfall bis zu 5000 Exekutivbeamte, die entweder in der Marokkanerkaserne oder extern mit Essen versorgt werden mussten.

GV verlor ein Drittel des Marktvolumens

Das war bereits eine gute Einleitung für den Vortrag von HGV PRAXIS-Chefredakteur Axel Schimmel, der in seinen Ausführungen auf die „Lehren durch Corona“ verwies. Mit über 300 Tagen Lockdown verlor die GV nicht nur ein Drittel ihres Marktvolumens (600.000 Mahlzeiten von bislang 1,8 Millionen verabreichten Essen täglich), sondern sieht sich auch einem großen Veränderungsdruck ausgesetzt. Besonders im Finanz- und Versicherungssektor wird Homeoffice ein weiten Teilen bleiben und so die Essensteilnehmer dauerhaft reduzieren. Das bedeutet, dass Take-away, Lieferdienste und Abholservice in Zukunft noch stärker an Bedeutung gewinnen werden.

Mit großem Interesse wurden die von Schimmel vorgetragenen Zahlen zum Arbeitsmarkt aufgenommen. Von 2019 auf 2020 verlor alleine der Tourismus mehr als 50.000 Mitarbeiter. Diese sind einerseits in andere Branchen gewechselt, weiter in die Schweiz zum Arbeiten gefahren, wo die Corona-Beschränkungen nicht so streng umgesetzt wurden. Andererseits sind die so wichtigen Saisonkräfte vor allem aus Balkanländern oder Südosteuropa verstärkt in ihren Heimatländern geblieben, weil sich die Lohnniveaus jenen aus EU-Ländern bereits angeglichen haben und somit der Vorteil des höheren Verdienstes entfällt.

Dramatisch sieht auch die Lehrlingssituation aus. Von über 12.000 Tourismuslehrlingen im Jahr 2014 wurde 2021 ein trauriger Minusrekord von unter 7000 Lehrlingen verzeichnet. Dabei hätte hier vor allem die GV eklatante Vorteile gegenüber der Gastronomie, zumal alleine schon wegen der regelmäßigen und planbaren Arbeitszeiten wesentlich attraktivere Bedingungen geboten werden können. Hier wird auf die GV noch viel Entwicklungsarbeit zukommen.

AGÖ-Generalversammlung am 11. Mai

Die Präsentation Schimmels führte nahtlos in eine rege Diskussion, was die Tagung gleich zu einem Erfolg werden ließ. Zum Abschluss verwies AGÖ-Präsident Werner Pannagl noch auf die weiteren Termine: als nächster und wichtigster Punkt gilt die Generalversammlung, die am 11. Mai am Campus der Erste Bank beim Wiener Hauptbahnhof über die Bühne geht und Pannagl um zahlreiches Erscheinen ersucht.

Fast schon traditionell kann man den Abschluss der ersten Küchenleitertagung bei Andreas Gaigg in der Marokkanerkaserne nennen: bei einem ausgesucht köstlichen Szegediner-Gulasch (oder auch Krautfleisch genannt) delektierten sich die Teilnehmer und genossen den ausklingenden Tag, der im Gespräch von Angesicht zu Angesicht mit den Kollegen für eine sehnlich erwartete Premiere sorgte.
(red)

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