31.01.2022

Alkoholfrei

Willy Zwerger ist und war schon immer Chauffeur. Auch zu Studentenzeiten. Und genau davon handelt der neue Willys Gastro-Wochenrückblick.

Ihnen kann ich es ja verraten, aber ich war seinerzeit wahrlich kein gewöhnlicher Student. Und weil jetzt wieder so mancher über die Studenten herzieht und ihr angebliches Lotterleben anprangert, dem sei gesagt, nein, als Student hast du es heute wahrlich nicht leicht. Echt nicht. Wir hatten damals an der WU klare Vorgaben, da gab es Proseminare, Tutorials und Vorlesungen zu einem semersterweise fix vorgeplanten Termin an einem fix reservierten Ort mit zumeist anschließenden Prüfungsterminen je nach Anfangsbuchstabe unserer Nachnamen. Heute haben die Studenten keine Ahnung, ob sie morgen in die Uni oder eines der unzähligen Ausweichquartiere dürfen respektive daheim bleiben und alles via Bildschirm erledigen müssen. Wenn überhaupt. Dazu kommt Abstand halten, Maske tragen und ja keine zwischenmenschlichen Annäherungen.

Wir hingegen konnten diesbezüglich wie im Paradies aus dem Vollen schöpfen. Nicht zuletzt entstanden damals tiefe Freundschaften, großartige Beziehungen und lebensentscheidende Begegnungen. Nicht zuletzt kam dabei auch das Feiern nicht zu kurz. Sei es nun im Studentenheim, in einem der vielen angesagten Lokale – wohlgemerkt ohne 2G und vertrottelter Sperrstunde – oder in der WG, der Alkohol floß in Strömen, das sich gegenseitige Schönsaufen funktionierte perfekt, auch wenn das morgendliche Erwachen oftmals mit Überraschungen nicht sparte. Um all das zu vermeiden war ich stets mit meinem Auto – einem beigen Renault 6 TL mit braunen Rallyestreifen – unterwegs. Und zwar überallhin, auch zu ganz nahen Destinationen gleich ums Eck.

Der Grund dafür ist schnell erklärt: Ich mag weder Bier noch Spritzwein, war Alkohol gegenüber extrem abgeneigt, versandelte lieber beim Apfelsaft gspritzt als mit unfassbarem Schädelweh den nächsten Tag aus meinem Kalender streichen zu müssen. Dazu kam, dass ich zum Lustigsein definitiv nicht von der getrunkenen Alkoholmenge abhängig war wie viele meiner Freunde. Und um das Nichttrinken zu argumentieren, gab ich mich überall als Chauffeur aus, was ich auch tatsächlich war, denn meine Freunde und Freundinnen genossen es sehr von mir persönlich gesund und sicher heimgeführt zu werden. Und mir war es gelinde gesagt wurscht, dass ich oft die ganze Restnacht bis zum Morgengrauen den Taxidriver gab. Mit einem ehrlichen und guten Gewissen, dass alle friedlich schlummerten und wir uns morgen, naja, sagen wir übermorgen, in alter Frische wiedersehen konnten.

redaktion(at)hotelundtouristik.at

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