09.12.2020

Alleine, das grüne Mascherl ist zu wenig

Die Natur zeigt uns gerade die lange Nase, Denn irgendwie passt der viele Schneefall, der seit Tagen in Oberkärnten und Osttirol wie man so schön sagt auf Teufel komm raus vom Himmel fällt, nicht in diese „andere“ Zeit.

Und wär’s gerade dort nicht so prekär, weil die Lawinengefahr ob der enormen schweren weißen Pracht für die eingeschneiten Gemeinden und Berggehöfte im Kärntner Lesachtal eine bedrohliche ist und man mit dem Schaufeln und Räumen nicht nachkommt, dann wär’s fast ein Winter wie er sein soll: Natürlich und echt. Aber was ist in diesem „anderen“ Jahr, was ist heute schon normal?

Statt Schneekanonen, Schneefräsen und schweres Gerät im Dauereinsatz. Statt einer Kunst-Schneespur, die sich bereits in den ersten Novembertagen wie ein endlos langer Bandwurm über braune Hänge zieht, ein echtes Winter-Wonderland wie aus dem Bilderbuch. Der Winter im Coronajahr 2020 scheint kein künstlicher zu werden, zumindest nicht in der heimischen Bergwelt, und dort gehört die echte weiße Pracht auch hin. Nur, was Frau Holle gerade im Akkord aus ihren Inletts schüttelt, und den vielen Skigebieten – österreichweit 253 an der Zahl – damit die notwendige natürliche Grundlage verschafft, schmerzt doppelt. Weil man nicht viel davon hat, weil dieser Winter auf den rd. 23.700 Pistenkilometern eben keiner ist.

Zugegeben, das klingt jetzt ein bisserl nach Hohn, aber die Wintersaison ist halt nun mal für die heimische Tourismuswirtschaft, für die vielen Klein- und Mittelbetriebe, der Motor im unternehmerischen Getriebe. In dem heuer sowieso schon ordentlichen Sand drinnen ist und jetzt mit der Schließung über die stärksten Wochen im Jahr, über Weihnachten und Neujahr, noch reichlich Schnee draufgepackt wird. Dass einem das den letzten Nipf, das letzte Quäntchen Motivation und Durchhaltekraft rauben kann, ist verständlich.
Warum also hält sich das Wetter, das vermaledeite Klima, gerade heuer nicht an die „Spielregeln“ und tut das, was es in den letzten Jahren konsequent getan hat: Nichts, was leider nicht gesund und die traurige Kehrseite der Klima-Medaille ist.

Dennoch, warum ausgerechnet heuer, warum ausgerechnet jetzt, da die Corona Pandemie dem heimischen Tourismus sowieso schon einen ordentlichen Strich durch die Rechnung gemacht hat, noch dieser linke Haken für die Hotellerie, für die Seil- und Bergbahnen, Liftbetreiber, für Skilehrer, Gastronomen und Hüttenwirte und den Wintersporthandel. Kurzum für alle, die in dieser sehr langen Leistungskette ihre Existenzgrundlage haben!

Vielleicht, weil einfach Winter ist, die Natur eine unberechenbar bleibt, sich nicht austricksen und sich eben nicht in ein künstliches Korsett zwingen lässt! Nicht durch Menschenhand und schon gar nicht von einem winzig kleinen Virus. Denn auch wenn es gerade der Jahreszeit entsprechend richtig Winter ist, die Prognose der Klimaforscher ist mit einer immer kürzer werdenden Wintersaison und immer weniger Schnee unverändert keine gute. So sagt etwa das Institut für Schnee- und Lawinenforschung voraus, dass die Schneemengen bis ins Jahr 2100 um 30 Prozent sinken werden. Wenn man – wir alle – es schafft, die Erderwärmung zu begrenzen. Um läppisch zwei Grad, was nicht viel klingt, aber bei all dem, was der Mensch, die Industrie, der Verkehr alles so an „Feinheiten“ verursacht und ausstößt, ein scheinbar zu hohes Ziel ist. Sonst wird’s nämlich Ebbe mit dem natürlichen Schneefall und damit die Speicherbecken, Schneekanonen und die grauslichen „Bandelwürmer“ auf den Hängen inflationär. 

Das können wir nicht wirklich wollen, noch haben wir eine kleine Chance zur Kurskorrektur, zur Richtigstellung. Weil die Natur ist ein weißer Elefant und vergisst und verzeiht keinen Fehler. Reden wir also nicht bloß über nachhaltige Konzepte, weil’s eben gut klingt, sondern denken wir kluge Ökologie in der gesamten Reisekette mit.

„Ein gesundes Verständnis und Miteinander von Natur, Lebewesen und Umwelt ist gerade im Tourismus eine Notwendigkeit. Unser natürlicher Lebensraum, unsere Umwelt stehen massiv unter Bedrohung, der Klimawandel ist nicht mehr zu verhindern, nur noch zu begrenzen. Ob Winter- oder Sommertourismus, alle müssen das zur Kenntnis nehmen. Sich nur das grüne Mascherl umzubinden und nichts verändern, ist zu wenig. Man verdrängt oder noch schlimmer, ignoriert das Thema und verlässt sich auf die Politik. Nun, das wird nicht reichen,“ sagt der renommierte Tourismusökonom Oliver Fritz im Interview mit dem traveller und damit ist eigentlich alles gesagt. 
 
Das ganze Interview lesen Sie in der traveller Ausgabe am 11.12.2020 – als E-Paper zum Download auf traveller-online.at

Autorin: Brigitte Charwat, Chefredakteurin traveller

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