30.04.2021

Alles hängt von Deutschland ab

Viele knüpfen ihre Hoffnungen an einen erfolgreichen touristischen Sommer. Wenn unser Nachbarland aber die Reisbeschränkungen nicht lockert, wird das nichts.

Barbara Winkler, Herrin über 444 top-ausgestattete Fremdenbetten in Scheffau am Wilden Kaiser, erinnert sich noch genau an den Frühherbst letzten Jahres. Es war Freitag, der 25. September, als Deutschland auch das Bundesland Tirol als Risikogebiet einstufte und eine damit verbundene Reisewarnung vollzog: „Am Freitag hatten wir noch über 400 Gäste und am Samstag vielleicht noch 50.“ Über Nacht reisten 90 Prozent der Hotels „Kaiser“ und „Kaiserlodge“ in ihr Heimatland Deutschland ab. Seit Ende Oktober ist der Betrieb geschlossen.

In Tirol spielt die Musik

Nun gibt es mit 19. Mai ein konkretes Öffnungsdatum und in ganz Österreich verknüpfen tausende Hotel- und Gastronomie-Unternehmer die Hoffnung mit einem florierenden Sommergeschäft. Eine Hoffnung, die nicht ganz unberechtigt ist. Barbara Winkler zu Stammgast.Online: „Also der vergangene Sommer war der pure Wahnsinn. Von Mai bis zum 25. September hatten wir eine durchgehende Auslastung von über 90 Prozent.“ Darunter befand sich natürlich auch ein Gutteil „geliehener“ Gäste, die in Ermangelung von Flugmöglichkeiten eben Tirol und nicht Teneriffa buchten. Auch in anderen Destinationen brummte der Tourismusmotor. Rund um Österreichs beliebteste Badewanne, den Wörthersee, war kaum ein freies Bett zu bekommen. Ein ähnliches Szenario lässt sich an und um den Seen des Salzkammerguts zeichnen. Wobei das mit Tirol nur bedingt vergleichbar ist, zumal die heimischen Binnengewässer stärker von einheimischer Klientel frequentiert werden und auch das Angebot an Urlaubsbetten geringer ist. Wandern, Berge, Genuss zählen zur ureigenen Domäne Tirols, wo nach wie vor noch 45 Prozent der heimischen Tourismuseinnahmen erwirtschaftet werden. Anders ausgedrückt: In Tirol spielt die Musik.

„Ist Deutschland offen sind wir voll“

So bringt es Barbara Winkler in ihrer Prognose über den Sommer 2021 herrlich knapp auf den Punkt: „Ist Deutschland offen sind wir voll.“ Und setzt nach: „Es ist fix: wir sperren am 21. Mai auf.“ Umso dringender sind diesbezüglich die Bemühungen für die Grundlagen des EU-weit gültigen Grünen Passes, der so niederschwellig wie möglich angelegt werden sollte. Und vor allem zeitgerecht. Das Wohl und Wehe vieler Hotel-Bilanzen wird zu einem Gutteil von möglichst „bürokratiearmen“ Reisemöglichkeiten abhängen.

Davon lässt sich auch das Gastronomiegeschäft nicht ausnehmen. Gegenstand einer gerade sehr heißen Diskussion ist die Akzeptanz der sogenannten „Wohnzimmer- bzw. „Nasenbohrertests“. Würde man nur ins Wirtshaus mit einem Test aus einer offiziellen Teststraße dürfen, können die Lokale gleich zu bleiben. Das ist einfach bar jeder praktizierbaren Realität. Bleiben also nur die Selbsttests (die im Übrigen auch in den Teststraßen zur Anwendung kommen). Das Problem ist die Möglichkeit der Manipulation. Aktuell arbeitet man daran, die Tests mit einem QR-Code für die einmalige Nutzung und Zuordnung zu einer Person zu versehen. Sicherer wäre hingegen die Anbringung eines Hologramms, was aber aufwändiger (und teurer) ist. Mit beiden Methoden werden die jeweiligen Tests auf einer Plattform registriert und sind so nachvollziehbar. Geregelt ist hingegen noch nicht, ob es eine bundeseinheitliche Regelung gibt oder wieder jedes Land sein eigenes Süppchen kocht. Oberösterreich hat bereits eine Gratis-App entwickeln lassen, in Salzburg tüftelt man an einer QR- bzw. Hologrammlösung. Sieht also nicht nach einer einheitlichen Lösung aus. Auch wer die ganze Chose zahlt, steht noch in den Sternen.

Es gibt also Licht am Ende des Tunnels, der Weg dahin ist aber noch beschwerlich.

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