27.06.2022

Altkellnerkalender

Also, ich finde, es sollte als Pendant zum Jungbauernkalender auch einen mit wunderschön gestylten Bildern von Altkellnern geben, findet Willy Zwerger in seinem Willys Gastro-Wochenrückblick. 

Ein Altkellnerkalender jetzt nicht unbedingt deswegen, weil man aussterbende Rassen entsprechend würdigen und der Nachwelt erhalten sollte, sondern weil sich‘s die Kellnersenioren redlich verdient haben. Denn ohne sie hätte sich die heimische Gastro, allen voran die klassischen Kaffeehäuser, nie dorthin entwickeln können, wo sie jetzt sind. Es ist zwar momentan ein bisserl schwierig, diese seltene Rasse der Altkellner zu Gesicht zu bekommen, weil sie coronabedingt bereits in die Pension oder die Branche gewechselt haben, aber es gibt sie noch, die alten Haudegen und Haudeginnen der gastronomischen Zunft. Sie sind für mich die wahren Helden in einem keineswegs einfachen, ja vielfach sogar extremst herausfordernden Alltag, den diese Überdrüber-Vertreter der modernen Dienerschaft da tagtäglich zu bewältigen hatten und sehr wohl noch immer haben.

Sie sind Ruhepole, Streitschlichter, Tischtetrisprofis, Nachwuchseinteiler, Motivatoren, Qualitätskontrolleure, Marathonläufer, Auskunftsgeber, Wegweiser, Kritikenabfänger und persönlicher Butler in einem. Sie sind definitiv Alleskönner, Psychologen und Seelentröster und in Wahrheit unersetzbar. Es wird also höchste Zeit, diesen aussergewöhnlichen Menschen ein Denkmal zu setzen. Auf immer und ewig, denn wer weiß, wie lange es diese nunmehr leider sehr selten gewordene Rasse noch gibt. Richtet Museen ein, widmet ihnen Ausstellungen, benennt Straßen und Plätze nach ihnen, meißelt sie in Stein, schafft Gemälde und Street Art Sujets, komponiert Hymnen, dichtet Oden, schreibt Bücher oder fotografiert Kalender. Die in die Jahre gekommenen Altkellner haben es sich ehrlich verdient.

redaktion(at)hotelundtouristik.at

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