02.02.2018

Amsterdam schließt Touristen-Shops

Bewohner beklagen ein Leben „wie auf einem Volksfest“. Von elf Millionen Amsterdam-Besuchern im Jahr 2005 stieg die Zahl bis 2016 auf 18 Millionen.

 

Die Stadtverwaltung meint es ernst. Anfang Oktober wurde bekanntgegeben, im Herzen Amsterdams keine neuen Geschäfte mehr zu genehmigen, die sich ausschließlich an Touristen richten. Der Streit gipfelte nun in einem Prozess, den ein Unternehmer verlor, der sich auf touristische Käseshops spezialisiert hat. Es handelt sich dabei um keine Nahversorgung, sondern ausschließlich darum, Touristen anzulocken.

Die Lage im Zentrum mache harte Maßnahmen notwendig, sind sich nicht nur Politiker, sondern auch viele Bewohner einig. Die Innenstadt verarme, wenn es nur noch Geschäfte mit einseitigem, auf internationale Gäste ausgerichtetem Angebot gebe. Gemeint waren all die Schnellrestaurants, Kartenverkaufsstellen, Souvenir- oder Themenläden à la „Nutella-Shop“, die sich in den Einkaufsstraßen vieler Städte breitmachen, besonders in Amsterdam.

Amsterdam droht an seiner Attraktivität und den daraus resultierenden Touristenmassen zu ersticken. Von elf Millionen Besuchern 2005 stieg die Zahl bis 2016 auf 18 Millionen, die Zahl der Hotelzimmer um 60 Prozent auf 30 000. Daraus ergibt sich ein jährlicher Gewinn zwischen zwei und 2,7 Milliarden Euro. Die Einwohner klagen über die Besucherhorden und fühlen sich, als seien sie Teil eines immerwährenden Volksfestes.

Die Stadtverwaltung ergriff die Initiative: Sie verbannte Kreuzfahrtschiffe und Touristen-Busse, verbot den Bau neuer Hotels, schloss illegale Pensionen, begrenzte die Vermietung von Innenstadtwohnungen über Airbnb auf 60 und bald nur noch 30 Tage im Jahr, begrenzte das Angebot an Leihfahrzeugen im öffentlichen Raum, setzt seither Crowdmanager in den besonders überfüllten Hotspots ein, bekämpft den Abfall, stellte das Marketing komplett ein und lenkt nun auch das Ladenangebot in dirigistischer Manier.

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