21.11.2018

Arbeitsklima-Index:Viel Luft nach oben

Bei der Präsentation des alljährlichen Arbeitsklima-Index stellte sich Michaela Reitterer der Diskussion auf Einladung der Gewerkschaft. Ein gemeinsamer Weg wäre gut, Bereitschaft ist da, Taten sollen folgen.

Die Ausgangssituation ist bekannt, die Standpunkte von Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter auch. Der Tourismus in Österreich ist eine beeindruckende Erfolgsgeschichte. In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Touristen um über 40 Prozent auf 43 Millionen gewachsen, die Zahl der Nächtigungen liegt mittlerweile jenseits der 144 Millionen, ein Plus von über 20 Prozent gegenüber 2006. Während jährlich neue Rekorde aufgestellt werden und die Branche jubelt, hält sich die Begeisterung bei den Beschäftigten im Hotel- und Gastgewerbe in Grenzen.

Der von IFES präsentierte Arbeitsklimaindex stellt den Tourismusbranchen teils trübe Zeugnisse aus. Es ist von belastenden Arbeitsbedingungen, wenig Flexibilität und kaum Karrierechancen im Betrieb die Rede. Hier geht die Schere jedoch bei den verschiedenen Berufssparten auseinander, die Hotellerie steigt erwartungsgemäß positiver aus, als die Gastronomie. Michaela Reitterer, Präsidentin der ÖHV: „Das Thema Mitarbeiteraus- und Weiterbildung hat bei uns höchste Priorität“, Mitarbeiter sollten am Erfolg des Unternehmens beteiligt werden. 

Gewerkschaft warnt vor Gesundheitsschädigung

Verglichen mit anderen Branchen würden den Beschäftigten im Tourismus vor allem hohe körperliche Belastungen und Stress zusetzen. In beiden Kategorien sind die Werte wieder nach oben geklettert. „Dieser Anstieg muss in allen Betrieben die Alarmglocken schrillen lassen. Es bedeutet nämlich, dass die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer weit über dem Limit arbeiten. Das geht auf Dauer einfach nicht“, so Berend Tusch, Vorsitzender der Gewerkschaft vida. Die körperlich sehr anstrengende Arbeit braucht Ruhephasen und Entspannung. „Kaum eine andere Branche als der Tourismus hat jetzt bereits eine so hohe Zahl an gesundheitsschädlichen Beeinflussungen, mit der per Gesetz verordneten Kürzung der Ruhezeiten bei geteilten Diensten kommt noch eine weitere hinzu“, ist der Gewerkschafter überzeugt.

ÖHT-Generaldirektor Wolfgang Kleemann dirigierte die Diskussion fair und aufmerksam, er betonte, dass das Problem vieler Unternehmen nicht die hohen Personalkosten seien, sondern die niedrigen Umsätze: „Es fehlt oft der Mut zu einem gerechteren Preis“, betont er. 

Beide Seiten sind jedoch überzeugt, dass man mit gutem Willen und wohlwollenden Worten alleine nicht weit kommt, für einen gemeinsamen Weg sei die Bereitschaft da, auch konkrete Arbeitsprojekte gäbe es auf beiden Seiten. Man darf gespannt sein.

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