03.06.2019

Aus für Venedigs Kreuzfahrtschiffe?

Nachdem ein außer Kontrolle geratenes Kreuzfahrtschiff beim Anlegen in Venedig ein Ausflugsschiff gerammt hat, gehen die Wogen um den Kreuzfahrttourismus wieder hoch.

Der Unfall mit einem Kreuzfahrtschiff und einem Ausflugsboot in Venedig hat eine alte Diskussion wieder aufflammen lassen. Ein außer Kontrolle geratener Kreuzfahrtriese rammte am Sonntag beim Anlegen in Venedig ein Ausflugsschiff. Vier Insassen des kleineren Bootes wurden leicht verletzt. Der Bürgermeister der Lagunenstadt, Luigi Brugnaro, beschuldigte die Regierung in Rom, keine Lösung für eine alternative Route außerhalb des Giudecca-Kanals finden zu wollen, der zum berühmten Markusplatz führt.

"Wir haben jetzt gesehen, was geschieht, wenn niemand handeln will. Niemand will in Venedig, dass die Schiffe weiterhin den Giudecca-Kanal durchqueren. Es gibt eine Lösung, über die sich alle einig sind: Der Verkehrsminister soll sich entscheiden", so Brugnaro im Interview mit der Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera" (Montagsausgabe).

Für Alternative fehle grünes Licht

Der Bürgermeister drängt, dass Kreuzfahrtschiffe in Marghera anlegen und über den tiefer auszubaggernden Kanal Vittorio Emanuele und den Canale dei Petroli fahren. Mit diesem Vorschlag seien Bürger, Gemeinde, Hafenbehörde und die Region Venetien einverstanden. Jetzt fehle noch das Grüne Licht der Regierung. Auch die Verantwortung für den Unfall am Sonntag liege bei der Staatsführung. "Wir brauchen sofort eine Lösung", sagte der Bürgermeister.

Der ins Kreuzfeuer der Kritik geratene Verkehrsminister Danilo Toninelli erklärte, die Regierung werde bis Juni ein definitives Projekt vorlegen, um die Kreuzfahrtschiffe aus dem Giudecca-Kanal zu bringen."Wir sind für den Bann der Kreuzfahrtschiffe. Wir wollen aber zugleich nicht den Kreuzfahrttourismus verlieren", sagte Toinelli im Interview mit der Tageszeitung "La Stampa" (Montagsausgabe).Für Samstag, den 8. Juni 2019 ist eine Demonstration des Komitees "No Grandi Navi" geplant. Dieses setzt sich für eine Verbannung von Kreuzfahrtsschiffen aus Venedig ein. Mehr als zwei Millionen Kreuzfahrttouristen kommen jedes Jahr in die Lagunenstadt, das bringe 430 Millionen Euro in die Stadtkasse und erhalte mindestens 5.000 Arbeitsplätze, so die Hafenbehörde. Seit der Havarie der Costa Concordia vor der Insel Giglio 2012 ist jedoch in Venedig die Sorge groß, dass eine ähnliche Katastrophe auch hier passieren könnte. "Kreuzfahrtschiffe raus aus der Lagune", lautet der Slogan von "No Grandi Navi"gegen die Kreuzfahrtgiganten.

(apa/red)

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