07.11.2019

Austrian in einer "Schlacht" gegen Billigflieger

Sehr kämpferisch gibt sich die Führung von Austrian Airlines im Kampf gegen die, wie sie es formuliert, "Billigflieger-Schwemme in Wien". Nun sollen 90 Millionen Euro jährlich eingespart und bis zu 800 Jobs abgebaut werden.

Ryanair-Chef Michael O'Leary dürfte ordentlich Schluckauf bekommen haben an diesem Donnerstagvormittag, so oft wurde er in der Pressekonferenz der Austrian Airlines am Flughafen Wien erwähnt. Die heimische Fluglinie hat am Standort nämlich mit Mitbewerb zu hadern, „der nicht immer mit fairen Mitteln kämpft“, so Alexis von Hoensbroech (CEO), Andreas Otto (CCO) und Wolfgang Jani (CFO).

Es drohen wieder rote Zahlen

Im Geschäftsjahr 2019 wird im besten Fall mit einem ausgeglichenen Ergebnis gerechnet, ein Minus wäre keine Überraschung. Denn nach sechs gewinnträchtigen Jahren droht die Airline wegen der Billig-Angebote in Wien und hohen Kerosinpreisen wieder in die Verlustzone zu fliegen. Der Ausbau des Billigfliegerangebots in Wien – 2017 waren es elf Maschinen mit 1,9 Millionen Sitzplatzkapazität, 2020 werden es 35 mit rund 7 Millionen Sitzplatzkapazität sein – macht es auch zukünftig nicht leichter. Im Gegenteil. 

Ehrgeizige Sparmaßnahmen

Das Unternehmen will die internen Kosten über Effizienz- und Produktivitätsverbesserungen ab 2021 um 90 Millionen Euro pro Jahr senken. 700 bis 800 Stellen sind voraussichtlich vom sogenannten Programm „PE20“ betroffen. Bis zu 500 Stellen jährlich können über natürliche Fluktuation abgefedert werden, dazu kommen 170 Nachwuchsflugzeugführer (NFF), die nach ihrem temporären Einsatz in Österreich wieder zurück nach Deutschland sollen. Über die restlichen Posten wird nach Abschluss der Planungen Anfang des kommenden Jahres auch mit dem Betriebsrat beraten werden.

Austrian Airlines CEO Alexis von Hoensbroech: „Wir müssen uns neu aufstellen, um im brutalen Wettbewerb gegen die Billig-Flieger zu bestehen. Die Maßnahmen sind zum Teil schmerzhaft, weil sie uns Substanz nehmen, die wir in den vergangenen Jahren mühsam aufgebaut haben. Sie sind aber gleichzeitig notwendig, um die Zukunft von Austrian Airlines als führende Fluggesellschaft in Österreich zu sichern.“

In diesem Zusammenhang hofft der Vorstand die Sozialpartner und die heimische Politik als Verbündete zu gewinnen: „Es müssen bei uns hochqualifizierte Arbeitsplätze wegfallen, weil über die Billigflieger deutlich schlechtere Lohn- und Sozialstandards geboten werden. Fairer Wettbewerb ist ok, aber bitte ohne Sozial-Fouls.“

„Wir weichen keinen Millimeter zurück“

Wie bekannt ist, wird die Austrian ihre Flottenstärke in Wien zu bündeln, indem sie alle in Österreich verfügbaren Flugzeuge in der Hauptstadt stationiert. Deutschland-Flüge aus den Bundesländerflughäfen werden sukzessive von Lufthansa geflogen, die dezentralen Crewbasen in den Bundesländern werden geschlossen. Betroffene Mitarbeiter erhalten Wechselangebote nach Wien.

Zur Verteidigung des Standorts Wien baut Austrian Airlines gleichzeitig ihre Flotte um: 18 kleine Turboprops sollen gegen zehn größere Mittelstrecken-Jets des Typs Airbus A320 ausgetauscht. Größere Flugzeuge bedeuten geringere Stückkosten, weil vereinfacht gesagt, mit weniger Crews mehr Passagiere befördert werden können. Auch Kosten wie zum Beispiel die zusätzliche Ausbildung der Piloten an den alten Maschinen fallen weg. CFO Wolfgang Jani: „Alleine durch die Flottenharmonisierung können wir einen signifikanten Beitrag zur Ergebnisverbesserung leisten.“

„Durch den Tausch der Flugzeuge und der engeren Zusammenarbeit mit unserer Konzernschwester Eurowings bündeln wir in Wien unsere Flottenstärke“, sagt CCO Andreas Otto. „Wir weichen keinen Millimeter zurück und halten an unserer Premium-Strategie fest.“

Flug nach Miami wird gestrichen

Ab Jänner 2020 wird die Konzernschwester Eurowings aus ihrer Wiener Basis heraus mit vier Flugzeugen im „Wet Lease“ für Austrian Airlines fliegen. Damit wird eine deutlich engere Abstimmung des Streckenangebots möglich und erlaubt neue Direktflüge im Austrian Airlines Flugplan nach Barcelona, Birmingham, Nürnberg, Rom oder Zadar.

Auf der Langstrecke wird Austrian Airlines im kommenden Sommerflugplan 2020 die Urlaubsdestination Miami aus dem Programm nehmen. Die Strecke, welche bisher ausschließlich saisonal im Sommer bedient wurde, war trotz aller Bemühungen nicht mehr wirtschaftlich. Die letzte Austrian Airlines Maschine aus Miami landet am 8. November 2019 in Wien.

Die Strecke Wien-Los Angeles, welche ebenfalls nur im Sommer bedient wird, wird im kommenden Sommerflugplan 2020 fünf statt wie bisher sieben Mal angeboten. Was mit der gewonnenen Kapazität auf der Langstrecke passiert, ist derzeit noch offen. Der Erfolg auf der Langstrecke ist notwendig, um mittelfristig jene 8 Prozent Rendite oder 150 Millionen Euro jährlich im Ergebnis zu erzielen, das die notwendige Investitionsfähigkeit für die Zukunft des Unternehmens erst ermöglicht.

 

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