24.09.2020

Auszittern, neu besinnen

Ein Wintergeschäft wie wir es kennen, wird es vorläufig nicht geben. Das zwingt zum Umdenken. Gut so. Ein Kommentar von Axel Schimmel.

Es ist keine Frage: Wenn zwischen 16.00 und 19.00 Uhr die Schnapstabletts turmweise und im Minutentakt über den Tresen wandern, dann lacht das Herz des Gastronomen. Der Umsatz stimmt und die Rendite noch mehr. Doch darauf wird die heimische Après-Ski-Gastronomie in weiten Teilen verzichten müssen. In Skischuhen tanzende Massen von Skitouristen wird und soll es diesen Winter nicht geben. Böse Zungen behaupten ja, das Skigebiet sei für viele Gäste zweitrangig, sofern es tolle, will heißen „erlebnisorientierte“, Après-Ski-Lokale gibt.

Natürlich sind es zahlreiche Betriebe gewohnt, die Williams-Birne Hektoliter-weise zu verkaufen. Aber heuer eben nicht. Bei den Landeshauptleuten des Westens schrillen die Alarmglocken. Salzburgs Wilfried Haslauer meinte unverblümt: Es geht schlicht um die Rettung der Wintersaison. Deshalb wurde die Sperrstunde auf 22.00 Uhr vorverlegt und Après-Ski darf nur im gezügelten Rahmen von zugewiesenen Sitzplätzen stattfinden.

Das heißt, bezüglich der Geschäftsideen wird es zu einer Neubesinnung kommen müssen. Für viele Betreiber von Berggastronomie ist das nicht neu. Ob die Hospiz-Alm in St. Christoph, ob die Bergbahnen in St. Anton, auf dem Stubaier Gletscher oder die Kapruner Gletscherbahnen – hier wird seit Jahren der Schwenk zu hochwertiger Gastronomie gelebt. Ob nun Haubenküche auf 3000 Metern Seehöhe oder eine Weindegustation mit Blick auf die Valluga. In den Gourmethütten auf dem Arlberg wird im Winter mehr Trüffel verkauft als im ganzen Wiener ersten Bezirk. In diesen Betrieben spielt Après-Ski wenn überhaupt nur eine Nebenrolle – im Gegenteil, man distanziert sich von grölenden Massenbesäufnissen.

Was aber keineswegs die Abkehr vom Genuss bedeutet. Ein gepflegtes Glas steirischen Sauvignon oder Wachauer Riesling, dagegen spricht doch gar nichts. Vielleicht ist es gar nicht so schlecht, sich von Ballermann-ähnlichen Winterorgien zu verabschieden oder diesbezüglich mal inne zu halten.

Und gemütlich in einer Skihütte zu sitzen ist allemal besser. Überhaupt dann, wenn man nicht mehr stehen kann.

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