25.12.2020

"Back to the future" für den Tourismus

Der Travel Industry Club hat sich zum Abschluss dieses Jahres vor allem der Post-Covid-Perspektive gewidmet. Beim Start-up-Finale 2020 wurde das Start-up des Jahres gekürt. 

Acht Gründerinnen und Gründer präsentierten beim Start-up-Finale ihre Innovationen, wobei sich Nachhaltigkeit wie ein roter Faden durch die Pitches zog. Jan Starcke (Travel Industry Lead bei Facebook) präsentierte in seiner Keynote die beobachteten Reisetrends. Ergänzt wurde dieser Ausblick in einer Präsentation der Fjord-Trends in einem Networking am 10. Dezember. Back to the future ist das übergeordnete Thema. Zurück zu ursprünglichen und authentischen Tourismuserlebnissen ist das Gebot der Stunde, wobei die Sicherheit auf Reisen eine Bedingung ist.

Nachhaltigkeit First!

Das Start-up des Jahres 2020 MyCabin überzeugte Jury und Zuschauer mit Übernachtung im Freien, die den sanften Tourismus und die Kooperation mit der lokalen Landwirtschaft fördert. Auf dem zweiten Platz landete mit Socialbnb eine Online-Plattform, die Reisende mit lokalen Hilfsorganisationen aus der ganzen Welt verbindet und Übernachtungsmöglichkeiten zur Verfügung stellt. Mit seinem ebenfalls sehr zukunftsorientierten Konzept landete Green Tiny Houses auf Platz drei. Die Gründer bieten komplett ökologische, wohngesunde und regionale Übernachtungsmöglichkeiten für naturverbundene Urlauber an, die dabei auf Komfort nicht verzichten müssen.

Weitere Finalteilnehmer waren die All-in-One Warenwirtschaftsplattform AVISIO für Hotels, der Vermittler von Zelt- und Stellplätzen auf Privatgrundstücken zeltzuhause, der Nachhaltigkeits-Marktplatz für die Hotellerie und Gastgewerbe tutaka, die Event-Reiseplattform My Gap Week und Expipoint, eine Plattform, die die Reisebranche vernetzt.

Die Fundamente neu ausrichten

Simone Straub (Studio Lead & Design Director, Fjord Frankfurt) präsentierte jene Fjord Trends aus dem Bericht, die eine hohe Relevanz für die Tourismusindustrie haben werden. Dabei ist „Realigning the Fundamentals“ der Meta-Trend. Für den Tourismus bedeutet das Grundsätzliches zu hinterfragen. Es sind die Fundamente, die einer neuen Ausrichtung bedürfen. Konkret wurden die folgenden Trends für die Travel Industry diskutiert. 

  • Walking Barcodes: Biometrische bzw. körpersprachliche Erkennung wird zukünftig eine hohe Bedeutung beim Reisen einnehmen. Die Biometrie als Signatur ermöglicht personalisiertes und friktionsfreies Reisen.  Datensicherheit und Privacy müssen gewährleistet sein.
  • Liquid People: Dieser Trend beschreibt ein unstetiges Käuferverhalten und den fließenden Übergang von einer Konsumnorm zur anderen. Sicherheit und Nachhaltigkeit haben an Bedeutung beim Reisen stark zugelegt. Die Herausforderung für die Travel Industry ist das Vertrauen zurück zu gewinnen.
  • Designing Intelligence: Der nächste Schritt in der AI zielt auf Kollaboration von Menschen und Maschine ab. Bessere Reiseempfehlungen und vereinfachte Interaktion werden von Nachfragern geschätzt. Anbieter überzeugt eine bessere Kapazitätsnutzung sowie Kosteneinsparungen durch Automatisierung. 

Glaubwürdigkeit zurückgewinnen

Jan Starcke (Travel Industry Lead bei Facebook Deutschland) fasste in einer Keynote anlässlich des „Start-up Night“-Finales seine Beobachtungen zusammen. Jan und sein Team haben nicht nur die Sozialen Medien durchforstet, sondern, wo notwendig, Nachbefragungen durchgeführt. Die Erkenntnisse zusammengefasst sind:

  • Reiselust: „Menschen möchten wieder reisen!“ ist eine erste zentrale Aussage. Dabei gilt es vor allem die Reisemotivation zu ergründen, um attraktive Angebote zu machen. Die Erfahrung, dass sich die Märkte in der Reihenfolge regional, national, international entwickeln werden wurde bestätigt.
  • Glaubwürdigkeit: Marken müssen sich in diesem Sinne neu erfinden. Wie man in der Krise wahrgenommen wurde, ist dabei genauso wichtig als der Umstand, dass man zum Ausdruck bringt, verstanden zu haben. Die Travel Industry muss vermitteln, dass sie alles tut, um Reisen wieder zu ermöglichen. Sicherheit und Flexibilität spielen dabei eine zentrale Rolle.
  • Early Explorers: Hier handelt es sich um jene Zielgruppen, die am ehesten bereit sind, wieder zu reisen und die man entsprechend bewerben sollte. Facebook unterscheidet dabei, je nach Beweggrund, zwischen Visitors (Empathie), Deal Seeker (Rabatte), Bucket Lister (…da wollte ich immer schon hin) und Rescheduler (Flexibilität).

Auch das kommende Jahr wird eine Reihe von Herausforderungen bereithalten. Innovationskraft und Zuversicht sind gefordert, um diesen gerecht zu werden. Disruption ist, wie sie uns jetzt begegnet eine Chance, die man ergreifen sollte, um Tourismus neu zu denken. Die Events des Travel Industry Clubs am Ende dieses Jahres sollten dies verdeutlichen.

Eine Nachlese zum „Start-up Night“-Finale und zu den Fjord Trends finden Sie auf der Website des Travel Industry Clubs:
travelindustryclub.at/

(Autor: Harald Hafner)
 

Branchen-News, die Sie wirklich brauchen!

Partner

Mediadaten