13.06.2019

Bedürfnisse sind unterschiedlich

Die Tourismusbranche in Tirol ist so erfolgreich, weil man die Gästebedürfnisse - vor allem auch im Familientourismus - ganz genau versteht und man mit einmaligen Erlebnissen lockt. Das Qualitätsversprechen muss auf allen Ebenen der Dienstleistungskette eingehalten werden, sagt der Chef der Tirol Werbung Florian Phleps.

Welche Entwicklung ist hinsichtlich des Familientourismus bzw. Urlaubsreisen mit Kindern zu beobachten? Wie haben sich die Marktanteile verschoben bzw. hat sich die Relevanz verändert und welche Bedeutung hat heute diese Gruppe?
Florian Phleps: Familien mit Kindern unter 14 Jahren bilden sommers wie winters rund ein Viertel unserer Urlaubsgäste in Tirol, wobei dieser Anteil seit Jahren relativ stabil ist. Und auch wenn sich beispielsweise auf unserem wichtigsten Quellmarkt Deutschland weiterhin ein Rückgang der Haushalte mit Kindern abzeichnet, erwarten wir in den kommenden Jahren keine nennenswerte Abnahme im Volumen der Familienreisen. Diese bleiben in absehbarer Zeit ein bedeutendes Segment für den Tourismus in unserem Land.

Klassisch, Patchwork, Alleinerzieher – das familiäre Spektrum hat sich definitiv erweitert. Was bedeutet das für die Ansprache im Marketing?
Sowohl in Angebotsentwicklung als auch Kommunikation gilt es, den vielfältigen Ansprüchen der einzelnen Familienmitglieder und Reisekonstellationen Rechnung zu tragen. Die Region Serfaus-Fiss-Ladis zeigt bereits seit langem vor, wie eine konsequente Ausrichtung auf das Thema Familie mit einem qualitätsvollen Programm zu großer Nachfrage und hoher Wertschöpfung führt.

Welches sind die Hauptmärkte für Familientourismus?
Der Familienanteil an den Tirol-Urlaubern beträgt beim Inlandsmarkt rund 30 Prozent. Große Unterschiede bei der Bedeutung des Familientourismus gibt es bei Betrachtung der ausländischen Märkte. Gleich ein Drittel unserer Wintergäste aus der Schweiz sind Familien, während deren Anteil bei den britischen Gästen lediglich neun Prozent beträgt. Im Sommer sind die Gäste aus Tschechien Spitzenreiter: 36 Prozent kommen mit der Familie nach Tirol. Am anderen Ende des Spektrums rangieren ebenfalls die Briten mit 17 Prozent Familienanteil. Für eine Einschätzung der Fernmärkte fehlt uns eine verlässliche Datengrundlage.

Was müssen die Gastgeber bieten?
Grundvoraussetzung bilden familienfreundliche Ausstattung und Service. Dazu zählen beispielsweise Unterkünfte, die sich speziell auf die Bedürfnisse von Reisenden mit Kindern einstellen: Kinderprogramm mit qualifizierten Kräften, Kindermenüs bei der Halbpension oder Steckdosen mit Kindersicherungen in den Zimmern. Ebenfalls wichtig ist, dass sich die gesamte Dienstleistungskette in der Region entsprechend kinderfreundlich präsentiert. Das umfasst beispielsweise bei einem Skiurlaub neben dem Hotel unter anderem auch den Skiverleih, die Skischule oder das Skigebiet mit speziellen Familienangeboten. Thematische Schwerpunkte müssen jedenfalls zur Positionierung der Region passen, wie es unter anderem Serfaus-Fiss-Ladis mit seinem Bikeparkangebot speziell für Familien vorgezeigt hat.

Welche Bedürfnisse haben die Gäste?
Was die Bedürfnisse im Urlaub betrifft, so beobachten wir zwei unterschiedliche Strömungen: Einerseits wollen Eltern die Zeit im Urlaub für sich selbst nutzen und erwarten daher entsprechende Kinderbetreuungsangebote. Andererseits wollen viele Familien im Urlaub die Zeit möglichst gemeinsam verbringen, da dieses Zusammensein im Alltag oft zu kurz kommt. Urlaubsdestination müssen daher für beide Ansprüche entsprechende Angebote bieten – hier lautet die Devise: „sowohl als auch“.

Wie gelingt die generationenübergreifende Ansprache?
Bedürfnisse und Erwartungen an einen Familienurlaub sind je nach Familienmitglied unterschiedlich. Dargestellt anhand eines Beispiels: Während die Kinder beim Skikurs sind, können die begleitenden Großeltern den Kleinen von der Sonnenterrasse aus zuschauen oder währenddessen selbst eine Winterwanderung in unmittelbarer Nähe unternehmen. Derartige Vorzüge gilt es in der Kommunikation zielgruppengerecht herauszustreichen. Kinder von heute sind die Gäste von morgen. Bereits ab dem dritten Lebensjahr beginnt der Prozess der Markenbindung. Dementsprechend positiv soll den Kindern das Urlaubserlebnis in Erinnerung bleiben. Oft sind es dabei die vermeintlich „einfachen“ Dinge wie eine Hüttenübernachtung, die sich beim Nachwuchs positiv einprägen.

Das Organisieren eines Urlaubs ist für Eltern schon schwierig genung. Wie können Buchungsprozesse erleichtert werden?
Hinsichtlich Buchbarkeit gibt es unterschiedliche Möglichkeiten: Mittels One-Stop-Shopping lassen sich Leistungen zentral bündeln, um den Buchungsprozess für Familien möglichst einfach zu gestalten. Ebenfalls gut eignen sich Gästekarten mit inkludierten Leistungen wie Familienprogramm, Bergbahnen, Schwimmbäder und Erlebniswelten. Das ermöglicht ein Gesamterlebnis der Region mit gut kalkulierbaren Kosten bei gleichzeitiger Flexibilität.

 

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