08.01.2020

Bewegung im Streit um Gastro-Projekte beim Donaukanal

Im Zuge von Lokal-Neuausschreibungen am Wiener Donaukanal sind auch einige neue Gastro-Betreiber zum Zug gekommen. Durch Rechtsstreitigkeiten mit dem früheren Pächter hingen deren Vorhaben allerdings lange in der Warteschleife, nun sollen zwei Projekte im Frühsommer starten.

Sechs Flächen wurden 2017 infolge eines kritischen Rechnungshofberichts von der DHK (Donauhochwasserschutz-Konkurrenz), die sich aus Bund, Wien und Niederösterreich zusammensetzt und den Donaukanal verwaltet, neu ausgeschrieben. Bei drei davon ändert sich nichts, da die bisherigen Betreiber sich erneut erfolgreich bewerben konnten: Central Garden und Hafenkneipe – beide bei der Franzensbrücke auf der Seite der Leopoldstadt gelegen –bleiben somit ebenso bestehen wie das im Winter mit Grillerei in Holzhütten lockende Feuerdorf auf der Innenstadtseite zwischen Schottenring und Schwedenplatz.

Ecker verliert Verfahren

Anders sieht es bei jenen Flächen aus, die einer der bisherigen Platzhirsche am Donaukanal bespielt bzw. weiterverpachtet hat: Badeschiff-Betreiber Gerold Ecker. Das sind die Vorkaifläche beim Badeschiff, die Adria Wien und der Tel Aviv Beach. Ecker war gerichtlich gegen die Neuvergaben vorgegangen und hat sich zudem geweigert, seine gepachteten Flächen trotz ausgelaufener Verträge zurückzugeben.

Zumindest was den Streifen "Festland" vor dem Badeschiff anbelangt, hat Ecker nun gegen die DHK endgültig den Kürzeren gezogen, "nachdem er letztinstanzlich wie erwartet alle Verfahren verloren hat", wie die zuständige Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) der APA mitteilte. Ecker bestätigte auf APA-Anfrage, das Verfahren verloren zu haben. Bis Ende Jänner will er alle noch bestehenden Gastro-Aufbauten auf der 1.500 Quadratmeter großen Fläche entfernen lassen, der Abbau läuft bereits. Damit kommt der Donaukanal-Pionier einer gerichtlich angeordneten Räumung zuvor.

Neues Grillangebot

Übernommen wird das Areal von Stephanie Edtstadtler, die in der Lerchenfelder Straße bereits das Cafe Fräulein's betreibt. Nun wird am Kanal "Fräulein's fabelhafter Sommergarten" folgen. Das Konzept sieht eine Art urbanen Grillplatz vor. Die Idee: Gäste können entweder ihr selbst mitgebrachtes Fleisch oder Gemüse auf dortigen Grillern zubereiten (lassen). Wer nichts mithat, soll sich bei einem Stand vor Ort mit Grillgut eindecken können.

Da die langen Rechtsstreitigkeiten zu Verzögerungen geführt haben, wird heuer wohl mit einer abgespeckten Version im Mai gestartet. "Ein Vollbetrieb diesen Sommer wird sich auch wegen der nötigen behördlichen Genehmigungen nicht ausgehen", meint Edtstadtler. Ab 2021 soll der Sommergarten dann wie eingereicht aufsperren.

Urbanes Streetfood am Donaukanal

Ein bisschen komplizierter – im rechtlichen Sinn – ist es im Fall der Adria. Dort soll mit der "Vienna Waterfront" das größte der neuen Projekte realisiert werden. Mit Container-Elementen ist eine Mischung aus sommerlicher Out- und ganzjähriger Indoor-Bespielung geplant. Junge Gastronomen sollen "urbanes Streetfood" kredenzen, wie Clemens Hromatka vom Betreiber Boxircus, der bereits den Copa-Cagrana-Nachfolger "Copa Beach" ausgestattet hat, der APA erklärte.

Bei der Adria ist der rechtliche Aspekt allerdings noch nicht ganz geklärt. Laut Martin Jank, Geschäftsführer der Wiener Gewässer Management GmbH, sind die Flächen rund um das markante Glashaus – hier gehört auch die Fläche des Tel Aviv Beachs dazu, die Ecker nicht selbst betrieb, sondern weiter verpachtete – bereits zugunsten der DHK entschieden worden. Ecker muss demnach auch hier den Rückzug antreten, "die Verpflichtung zu räumen ist längst rechtskräftig". Anders ist das bei der Glaskonstruktion, die ein eigener Fall ist. Denn dafür gab es keinen Vertrag mit der DHK, sondern mit der Stadt selbst. Dieser Streit ist noch nicht entschieden.

"Das betrifft uns aber Gott sei Dank nicht", sagt Hromatka. Denn das Glashaus spielt im Konzept der "Vienna Waterfront" keine Rolle. Dennoch wird sich auch bei diesem Vorhaben kein Vollbetrieb mehr im heurigen Jahr ausgehen. Eine Schmalspurversion ist somit auch hier für die erste Saison geplant, wenn möglich ab Mai. "Wir können noch nicht abschätzen, wann Ecker räumt", man stehe aber "Gewehr bei Fuß", gleich danach mit den Arbeiten zu beginnen. Sollte der Rückzug des Badeschiff-Machers allerdings nicht noch im ersten Quartal erfolgen, werde es knapp mit einer Bespielung 2020.

Keine Eile beim bisherigen Pächter

Ecker selbst ließ hier gegenüber der APA keine Eile erkennen. Denn die noch offenen rechtlichen Aspekte bei der Adria beträfen auch die Frage, "was eigentlich alles zur Glashaus-Fläche gehört und was nicht". Solange das nicht endgültig geklärt sei, werde er nicht räumen, weil eben gar nicht klar sei, was genau geräumt werden muss. Gleichzeitig betonte der Gastronom: An letztinstanzliche Entscheidungen werde er sich selbstverständlich halten. Diese lägen aber noch nicht für das gesamte Adria-Areal vor.

Für alle neu ausgeschriebenen Flächen gibt es einen Zehn-Jahres-Vertrag. Unterverpachtet werden darf nicht mehr. Jeder Pächter darf außerdem nur noch eine Fläche bespielen.

 

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