04.06.2018

Bio-Anteil wäre leicht zu verdoppeln

Das Forschungsinstitut für Biologischen Landbau und der Verein Bio Austria verweisen in einer Studie auf das hohe Potenzial von Bio-Produkten und die wichtige Verteilfunktion der GV.

 

Bis zu 1,8 Millionen Gerichte (Gastronomie nicht mitgerechnet) gehen täglich mehrheitlich von der öffentlichen Hand bereitgestellt über die Kantinen- und sonstigen Essenstische - Tendenz steigend. Dazu zählen Schulen, Kindergärten, Krankenhäuser, Altersheime, Haftanstalten oder Kasernen.Angesichts des riesigen Lebensmittelbedarfs ist die Bedeutung für die heimische Landwirtschaft immens groß.

Die Nahrungsmittel dafür müssen nach gesetzlichen Regeln erstanden werden: Die Beschaffung unterliegt genauen Kriterien und Prinzipien - eine Rolle spielt dabei aber auch, wer die Entscheidungen zur Auswahl trifft. Entsprechend unterschiedlich sind die Qualitätsanforderungen. Per Definition muss die Verpflegung „preislimitiert“ sein, circa 3,50 Euro müssen täglich vielfach für fünf Mahlzeiten reichen, das soll aber den teils hohen Qualitätsvorgaben nicht zuwiderlaufen.

Mit einer neuen Studie des Forschungsinstituts für Biologischen Landbau (FiBL) machen nun Greenpeace und der Branchenverband Bio Austria den Bioanteil in der öffentlichen Beschaffung zum Thema und fordern fixe Bioquoten für öffentliche Einrichtungen: Laut Greenpeace kam es in den letzten Jahren kaum zu einem Mehreinsatz von Lebensmitteln aus biologischer Landwirtschaft. Zugleich versucht man, der „Annahme“ entgegenzutreten, dass die Anschaffung von mehr Biolebensmitteln viel teurer wäre.

Derzeit liegt der Anteil an Bioprodukten in den Kantinen öffentlicher Einrichtungen im Schnitt bei 30 Prozent. Auch in diesem Zusammenhang verweisen Greenpeace und Bio Austria auf die Bedeutung der biologischen Landwirtschaft in Österreich: Im Vorjahr wurden laut offiziellen Zahlen 23,9 Prozent der gesamten Nutzfläche biologisch bewirtschaftet – von insgesamt 23.117 Betrieben.

Auch eine Umstellung auf 60 Prozent Bioessen in der Gemeinschaftsverpflegung wurde in der Studie durchgespielt. Bei diesem realistischen Szenario würde die Bioanbaufläche stark steigen – um rund ein Viertel mehr Fläche, als Wien einnimmt.

Eine Umstellung würde eine „starke Steigerung der österreichischen Bioflächen“ bedeuten, so Studienautorin Isabella Gusenbauer bei der Vorstellung der Studie. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Gemeinschaftsverpflegung als Motor für die Biolandwirtschaft in Österreich dient“, erklärt die Expertin. Zur Frage der Machbarkeit verweist Gusenbauer auf die dänische Metropole Kopenhagen, wo seit etwa drei Jahren in den kommunalen Küchen 90 Prozent Bioprodukte verwendet werden.

Eine Umstellung des Bioanteils auf 60 Prozent „sei relativ einfach in ein bis drei Jahren machbar“, so Claus Holler von Bio Austria bei der Studienpräsentation. In vielen Bereichen sei bereits „zu erkennen, dass es funktionieren kann, wenn der Wille da ist“, so Holler. Österreich sei Spitzenreiter in der EU, viele Bioprodukte gingen in den Export.

„Unser Wunsch wäre, dass mehr Produkte in die heimische Verpflegung gehen“, meint der Branchenvertreter. Vier Maßnahmen sind laut Bio Austria für eine Steigerung des Bioanteils auf 60 Prozent zu beachten: weniger Lebensmittelabfälle, weniger Fleischkonsum, Schulung und Sensibilisierung des Küchenpersonals und Saisonalität.

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