22.04.2021

Bio Connects: Vernetzung mit Vorwärtsdrang

Die Online-Veranstaltung von Bio Austria Kärnten verdeutlichte wie sehr gesunde Ernährung und nachhaltige Agrarsysteme voneinander abhängig sind.

Aufgrund der herrschenden Umstände war der Veranstalter, die Bio Austria Kärnten, dazu gezwungen, seine Präsenzveranstaltung des traditionellen Großküchentags erstmals hybrid abzuhalten und siehe da, auch als Online-Seminar lockten die Themen 80 Teilnehmer aus nahezu allen Bundesländern an.

Prof. Johann Zaller von der BOKU Wien machte auf den Boden als Grundlage aller Lebensmittel aufmerksam. Diese ist seit Jahrzehnten einem starken Ressourcendruck wie Austrocknung, Versiegelung, Verdichtung sowie Belastung durch intensive Agrarkultur ausgesetzt. Es gilt den Boden zu schützen, denn er ist nicht nur Lebensmittelbereitsteller, sondern auch Erbringer wertvoller Ökosystemleistungen, für die er keine Rechnung schickt, so Zaller. Der BOKU-Professor ging vor allem auf die besorgniserregende Entwicklung im agrarischen Bereich ein: So werden zum Beispiel im Gemüsebau heute 17x mehr Pestizide eingesetzt als vor 40 Jahren. Als eine der Folgen werde die Regenwurmaktivität deutlich eingeschränkt. Systemerhaltende und regulierende Leistungen wie die Schaffung von Bodenstruktur, Wasseraufnahmefähigkeit, geringerer Krankheits- und Schädlingsdruck und Bodenfruchtbarkeit blieben zunehmend aus, auf das nur mit steigenden chemischen Hilfsmitteln reagiert werde, anstatt den Kreislauf auf natürliche Weise zu unterstützen.

Ernährung ist der Schlüssel

„Fruchtzwerg zum Frühstück, Wurstsemmel zur Jause, Tiefkühlpizza zu Mittag und Tiefkühllasagne am Abend“ – so stelle sich der Menüplan eines großen Anteils von Kindern und Jugendlichen laut einem österreichischen Ernährungsbericht dar, bekundet DI Anna Strobach, Agrarökologin und Schulbuffetbetreiberin von echt.im.biss im Ingeborg-Bachmann-Gymnasium in Klagenfurt, in ihrem Vortrag „Gut Essen macht Schule“.

Im Unterricht lernen junge Menschen über Gesundheit, Klimawandel und Nachhaltigkeit und im Schulalltag brauchen sie dann die Möglichkeit, das Gelernte in die Tat umzusetzen, ruft Strobach auf.  In einem der reichsten Länder der Welt sollte jedes Kind zumindest eine frisch zubereitete, hochwertige, warme Mahlzeit bekommen. Dadurch, dass neben dem Lesen, Schreiben und Rechnen auch „Essen“ in Theorie und Praxis gelernt werde, wären die größten gesundheitlichen Bedrohungen abseits von Corona in Zukunft zu lösen: nämlich Übergewicht, Klimawandel und Hunger.

Best-practice-Beispiele bestätigen die Machbarkeit

Mit bereits langer Erfahrung in Sachen Bio präsentierte sich die Stadt Villach. So konnte in den letzten 20 Jahren ein stabiler Bio-Anteil von 61% in allen Kindergärten und Horten aufgebaut werden. Kommunikation und Motivation von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Köchinnen, Leiterinnen und Kindergartenpädagoginnen und -pädagogen über Arbeitskreise, Exkursionen und Kochkurse zählten ebenso zum Erfolgsgarant wie die laufende Information der Eltern und Einbindung der Kinder. Über die Zertifizierung zur Gesunden Küche durch das Land Kärnten werde die Ausgewogenheit im Speiseplan in allen 12 Küchen gewährleistet, erläutert Sigrid Müller, pädagogische Leiterin der Stadt Villach. Zugleich sei die wirtschaftliche Machbarkeit gut gegeben. Heimische, saisonale Frischküche mit reduziertem Fleischeinsatz ermöglichte den Einkauf von mehr Bio ohne Mehrkosten, erklärte Gerald Frühstück, Leiter der Abteilung Bildung. Weiters stellten sich die Landwirtschaftliche Fachschule Grottenhof bei Graz mit Elfriede Stangl von der Küche mit einem Bio-Anteil von 75% und das Sozialzentrum Jenbach mit einem Bio-Anteil von 87% vor, Letzteres mit Mehrkosten von 26%, was aber „Verhandlungssache“ mit - in diesem Fall - der Gemeinde Jenbach und dem Träger Humanocare sei, meinte der Küchenleiter Mathias Gorfer dazu. Der qualitative Mehrwert sei schließlich deutlich gegeben.

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