30.03.2021

Bio-Wirte für Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie

Die Vereinigung von Biowirten, -bauern und -kaufleuten hat einen "Verordnungsentwurf" zur Lebensmittekennzeichnung in der Gastro vorbereitet.

Gastronomie-Standesvertreter haben sich stets gegen eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung von Lebensmittel in ihrer Branche ausgesprochen. Nur freiwillig solle dies geschehen. Der Bauernbund fordert eine Pflichtkennzeichnung dort erst gar nicht, so stark dürfte der Gastro-Widerstand sein. Doch nun gibt es in einem Teilbereich Bewegung.

Konkret hat die sich selbst als unabhängig bezeichnende Interessenvertretung der österreichischen Biogastronomen, "Die BiowirtInnen", und die "Ramsauer Bioniere", ein Zusammenschluss der Ramsau am Dachstein, ihre Wünsche zur Lebensmittelkennzeichnung an den zuständigen Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) übermittelt. Gemeinsam versorgen die beiden Organisationen nach eigenen Angaben über 500.000 Konsumenten pro Jahr.

Des längeren wird schon an einer Verordnung zur Herkunftskennzeichnung von Lebensmitteln gearbeitet. Die Nahrungsmittelindustrie wehrt sich immens gegen Regeln, die über EU-Vorgaben hinausgehen. Involviert in die Verhandlungen ist auch das Tourismus- und Agrarministerium von Elisabeth Köstinger (ÖVP). Laut Regierungsprogramm sollen in der laufenden Legislaturperiode neue, strengere Regeln kommen – die vor allem auf Gemeinschaftsverpflegungen abzielen. Für die Gastronomie soll es bei Freiwilligkeit bleiben.

Alle sollen an Bord

Aus Sicht der Ramsauer-Biovertreter müsse die Gastronomie als Bestandteil der Gemeinschaftsverpflegung inkludiert werden. Das sei in einer entsprechenden EU-Definition vorgesehen. Zudem sei es in der zukünftigen Verordnung entscheidend, dass nicht nur die regionale Herkunft, sondern auch die Produktionsweise mit einbezogen werde. So soll auf einen Blick erkennbar sein, woher die Lebensmittel stammen und wie die Rahmenbedingungen der Erzeugung sind.

Eine Herkunftsauslobung von Lebensmitteln müsse demnach mit einer verständlichen und transparenten Kennzeichnung vergleichbar mit der erfolgreichen Deklaration von Hühnereiern (gegliedert in Stufen 0-3) ergänzt werden. Diese Stufen stellten dann den Grad der Tier- und Umweltgerechtigkeit der Produktion nachvollziehbar dar.

"Die geographische Herkunft der Lebensmittel alleine erzählt noch lange nicht, ob diese auch umwelt- und tiergerecht erzeugt wurden", wurde BiowirtInnen-Obmann Gerold Hubmer in einer Aussendung zitiert. "Bei einer Kennzeichnung, die nur auf Regionalität Rücksicht nimmt, weiß der Konsument nicht, ob das Schwein für sein Schnitzel am Vollspaltenboden oder im Strohbett lebte beziehungsweise ob männliche Küken am ersten Lebenstag vergast wurden oder als Bruderhähne gemästet wurden." Eine reine Herkunftsauslobung von Lebensmitteln ohne Verbindung mit solchen Qualitätskriterien, stelle "keine vertrauensfördernde Kommunikation mit den Kunden" dar.

Unterstützung für den Entwurf der Bio-Vertreter kam auch vom europäischen Dachverband der Bio-Landbaubewegung IFOAM Organics Europa. Von der Initiative Oekoreich hieß es, der Vorschlag umfasse alle Forderungen des Tierschutzvolksbegehrens.

Woher das Schweinefleisch kommt

Ein zum Osterfest passendes Beispiel zur Fleischproduktion in Österreich: 97,2 Prozent der heimischen Schweine werden laut Umweltschützer in konventioneller Haltung und damit unter ökologisch problematischen Bedingungen großgezogen. Nur 2,8 Prozent der Schweinefleischproduktion findet unter Bio-Standard statt – unter anderem mit mehr Auslauf für die Tiere und gentechnikfreier Fütterung.

Darauf machte die Umweltorganisation WWF am Dienstag aufmerksam. Die Organisation fordert auch eine "umfassende und transparente Kennzeichnung nach Herkunft und Tierwohl bei Frischfleisch und verarbeiteten Fleischprodukten sowohl im Einzelhandel als auch in der Außer-Haus-Verpflegung".

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