26.02.2021

Bitte aufwachen!

Professionell umgesetztes Digital Marketing ist für Tourismusbetriebe erfolgsentscheidend. Wir haben bei Lehrenden der FH Wien der WKW nachgefragt, auf was es ankommt.

Welche Rolle spielt Digital Marketing mittlerweile für den betrieblichen Erfolg im Tourismusbereich? 
Georg Feldmann (Head of Stadt Wien Kompetenzteam für die Digitalisierung der Kommunikationsberufe): Es gibt kaum ein Produkt, das so intensiv und fokussiert vorausgeplant wird wie eine Reise (Anm.: siehe dazu die Post/Google Studie 2017). 30 Tage dauert die Customer Journey bis eine Entscheidung getroffen wird, insbesondere bei größeren Pauschalreisen. Wichtigste Info- und auch letztlich Kaufquelle ist das Internet. Der Trend, besonders bei Reisen, hin zu mehr und mehr „Digital“ ist unaufhaltsam.

Beschleunigt die Pandemie diesen Trend?
Feldmann: Je mehr man zuhause eingeschlossen ist, desto eher wird man also die Reisebüros, selbst wenn diese wieder geöffnet sind, meiden, und verstärkt selbst zur Planung schreiten. Die Consumer, und deren Freunde und Bekannte, sind somit heute ihre eigenen Berater. Essenziell sind dabei insbesondere mehr und mehr Onlinekataloge, Websites von Reiseanbietern, Bewertungsplattformen, Display Ads, Social Media-Auftritte und digitale Online-PR der Destinationen und Fluglinien.  

Was oft unterschätzt wird: Viele schauen mal schnell auf einige Seiten von beliebten Hotels. Die Destination ist anfangs noch gar nicht so klar. Nun muss der Anbieter durch konsequentes Remarketing Erst-Visitors erneut ansprechen. Unverzichtbar bei all dem ist Google. Genauer: SEO und SEA. Denn die meisten Reisen starten nun mal auf Google. Und das zum Hauptteil per Smartphone-Suche. Ist man dort allerdings nicht oder nur ungenügend vertreten, dann ist man genau genommen überhaupt nicht vorhanden.

Auch die Datenqualität muss passen …
Feldmann: Man liest in diversen Tourismus-Reports weltweit, dass die Datenanalyse eines vorhandenen Kundenstocks mehr und mehr perfektioniert werden muss. Was wollen Neu- und Bestandskunden also wirklich? Welchen Content soll und muss man anbieten? Wer kann eventuell als Influencer all das supporten? 
Man sieht also: Das Thema Digitalmarketing, man hat es nun schon oft gelesen, ist und bleibt DAS Marketingthema schlechthin auch für die kommenden Jahre. In Märkten wie den USA oder UK sind heute schon mehr als 50 Prozent aller Media-Spendings im Bereich „Digital“ angesiedelt. Tendenz steigend. Höchste Zeit also für all jene, die sich die alten Zeiten zurückwünschen, aufzuwachen. Jedenfalls werden in dieser Branche die Zeiten nicht sobald rosiger, sondern eher steiniger. Für findige Spezialistinnen und Spezialisten wird es aber immer einen Weg geben.   

Herr Lendl, Sie sind Spezialist für Visual Marketing. Welche Rolle spielt dieser Bereich zukünftig?
Christian Lendl (Lektor an der FH Wien der WKW sowie der Technischen Universität Wien; Experte zu Themen wie Fotografie, Videoproduktion und Design Thinking): Auch Visual Marketing als Teilbereich des Digitalmarketings gewinnt durch die immer häufiger verwendeten visuellen Medien wie Bilder und Videos stetig an Bedeutung. Insofern war es uns bei der Neugestaltung dieser Lehrveranstaltung wichtig, diesen Aspekt auch entsprechend abzubilden. Dabei lag der Fokus darauf, den Studierenden das nötige Rüstzeug mitzugeben, um mit Dienstleistern, Agenturen und Partnerfirmen im Bereich Visual Marketing bei der Projektabwicklung jederzeit auf Augenhöhe kommunizieren zu können. Denn nur, wer schon einmal selbst mit visuellen Medien gearbeitet hat, weiß, worauf es ankommt und wie sie im Digitalmarketing gewinnbringend eingesetzt werden können. 

Wie weit ist Österreich bei der Umsetzung von Digital Marketing im Tourismus? 
Dennis Pregesbauer (Lektor an der FH Wien der WKW, Next Level Tourism Austria powered by ÖW): Das war bei uns in der Österreich Werbung definitiv das Kerngeschäft in den letzten zehn Jahren. Ein immer größerer Fokus liegt auf digitale und soziale Medien bzw. Marketing. In der Tourismuskommunikation versucht man immer stärker auf den Plattformen präsent zu sein, wo sich unsere Gäste, aber auch neue Zielgruppen befinden, um sie für den nächsten Urlaub in Österreich zu motivieren – nach dem Motto „fish where the fish are“.
Lendl: Die Österreich Werbung ist im Bereich Digital Marketing schon seit dem Aufstreben der ersten Sozialen Netzwerke in den Nullerjahren als Pionier im Tourismus tätig. Bereits 2008 wurde der erste „Travel 2.0“ Social-Media-Guide für die Tourismusbranche herausgegeben und der Austausch zwischen Touristikern auf Tourismus-Barcamps gefördert. Dieser Rolle als Innovationsführer ist die Österreich Werbung seitdem treu geblieben und forscht laufend aktiv nach neuen und innovativen Services im Bereich Digital Marketing.

Braucht es noch mehr Mut für neue Geschäftsmodelle?
Pregesbauer: Obwohl die Kommunikation und Marketing immer ein Kerngeschäft sein wird, ist es wichtig, sich über andere Themen und Fragestellungen im Tourismus zu beschäftigen. Covid-19 hat uns gezeigt, wie schnell eine ganze Industrie oder die Welt stillstehen kann. Punkte wie neue Geschäftsmodelle im Tourismus, Innovation im Lebensraum für Einheimische und Touristen oder auch andere globale Trends wie „work from anywhere/home office“ sind meines Erachtens am Radar zu behalten.

Danke für das Gespräch.  

Den ersten Teil des Interviews über ein spannendes Projekt von Studierenden des Competence Center for Marketing der FH Wien über das Hotel Sacher Wien lesen Sie hier.

Angebot für Lernfreudige
Ab dem Wintersemester 2021 wird es an der FHWien der WKW einen neuen englischsprachigen Masterstudiengang Urban Tourism & Visitor Economy Management (vorbehaltlich Akkreditierung der AQ Austria). Bei diesem Programm liegt der Fokus darauf, den Tourismus auf internationaler Ebene neu zu denken. Infos unter:
www.fh-wien.ac.at/tourismmaster

 

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