27.09.2021

Bitte, bitte!

Diesmal in Willys Gastro-WochenrückblicK: Ob Sie es jetzt gerne lesen oder nicht, aber die Zeiten haben sich geändert und mit ihnen das Verhältnis zwischen Chef und Mitarbeiter.

Früher, ja früher war alles besser, meinen viele. Vor allem die Wirte, Küchenchefs, Restaurantleiter, Patrons und alle anderen Arbeitgeber auch. Denn früher hatten sie Jobs zu vergeben, um die sich die Menschen prügelten, schlecht bezahlt zwar und mit unchristlichen Arbeitszeiten bestückt, aber immerhin ein Job in der Gastronomie, das konnte was, rein imagemäßig.

Die Tatsache, dass vor allem Lehrlinge unterkunftsmäßig oftmals in Mini-Slums hausen mussten, nur die Drecksarbeit verrichten durften und vom Chef oder der Chefin angebrüllt, denunziert und beschimpft wurden, nahm man wohl oder übel in Kauf.

Seit der Pandemie jedoch hat sich das Blatt gewendet. Viele Gastronomiebetriebe mussten zusperren, viele Kellner und Köche – jedweden Geschlechts – wechselten die Branche oder bevorzugten die Arbeitslose, wenige die Kurzarbeit. Jetzt, wo alle wieder offen haben dürfen, stehen die meisten Gastronomen ohne respektive mit zu wenig Personal da. Das große Umdenken hat um sich gegriffen und selbstverständlich auch die früheren Gastronomie-Angestellten erfasst. Denn so einfach lassen sich diese mit wenig Geld, unchristlichen Arbeitszeiten, Abstellkammerl als Unterkünfte, Anbrüllereien, Denunzierungen und Beschimpfungen nicht mehr abfertigen.

Und jetzt kommts: Jedem Gastronom muss heutzutage klar sein, dass er um seine Mitarbeiter regelrecht buhlen muss, ihnen Bedingungen zur Verfügung stellen muss, bei denen sich alle wohlfühlen. Bedingungen, die weit über ein adäquates Gehalt hinausgehen. Und: Sie werden nicht umhin können, die Mitarbeiter auf Augenhöhe zu sehen und nicht – wie bisher – von oben herab. Höflichkeit, Respekt und Zuneigung haben nicht nur Ihre Gäste verdient, sondern ebenfalls und wahrscheinlich noch viel mehr auch Ihre Mitarbeiter. Auch wenn sich jetzt viele denken, das muss doch eine Ehre sein bei mir zu arbeiten, von einem hohen Ross kann man auch nach jahrzehntelangem, perfektem Ritt hinunterfallen. Und zwar schneller als man „Bitte, bitte!“ sagen kann.

redaktion(at)hotelundtouristik.at

Branchen-News, die Sie wirklich brauchen!

Mediadaten