10.02.2022

Blindes Heimatleuchten

Den Homeschooling-Turnus des Sommeliervereins Oberösterreich beschloss eine scharfe Blindverkostung, von der nichts – außer weiß und rot – zuvor bekannt war.

Das Beste kommt zum Schluss, so ließe sich die abschließende Blindverkostung des Sommeliervereins Oberösterreich im digitalen Homeschooling-Format auf einen Nenner bringen. Sechs Personen wählten jeweils einen Wein aus, die anlässlich der Jahreshauptversammlung per Blind-Taste an Verkostungsteilnehmer verschickt wurden. Das Paneel bestand aus drei Weißen und drei Roten, alle mit einer Gemeinsamkeit: Herkunft Österreich. Das war’s. Mehr wurde nicht verraten. Den Teilnehmern stand es frei, die Proben vorab zu kosten und die Degustations-Tipps einzusenden. Nach der Jahreshauptversammlung wurden die Weine unter fachkundiger Führung noch einmal verkostet und die Karten schlussendlich aufgedeckt.

Wein 1: im Duft kommen frische Obstnoten mit leicht würzigen Ausläufern zum Vorschein; saftiger, etwas ungestümer Auftritt auf der Zunge wird von klarer, zum Teil knochenharter Mineralik abgelöst. Der Tipp des Autors auf Welsch- oder Rheinriesling erfüllt sich nicht: Es ist ein Chardonnay 2019 aus – man höre und staune – Hörsching bei Linz, wo Florian Eschlböck 13 Hektar bewirtschaftet und erstaunliche Qualitäten keltert.

Wein 2: feines, dezentes Duftspiel, blumig, etwas exotisch bis zu Zitrus und elegant. Am Gaumen kraftvoll, würzig, mit fortgesetzter Zitrone geht die Vermutung in Richtung Rieslinge oder Veltliner. Für den Riesling von Michael Sax aus dem Kamptal gibt es zumindest einen halben Punkt für den Verkoster. Insgesamt ein wunderschöner Riesling, der fast an Rheinhessen-Gewächse erinnert. O-Ton von Profi-Sommelier Andreas Jechsmair: „Klarer kann ein Riesling nicht sein.“

Wein 3: unverkennbar steirische Stilistik: duftig, grasig, klare grüne Stachelbeere, ziemlich sicher ein Sauvignon blanc, allerdings einer von der eleganten und nicht von dieser schreienden Seite im Bukett. Richtig erkannt: der Sauvignon 2020 stammt vom Weingut Wohlmut und präsentiert sich als vortrefflicher Terroir-Wein.

Wein 4: tiefes Dunkelrot mit blauen Reflexen; im Duft würzig, rauchig, erdig, ledrig, Kräuter; am Gaumen Zwetschke und feine Tanninstruktur, Holz gut eingebettet, Tipp des Autors geht zu Pinot noir. Nachdem die Degustationsleiter ebenfalls auf diese Rebsorte tippen, bleibt ein halber Punkt. Schließlich gewesen ist es ein Merlot von Alexander Artner aus Deutschkreutz im Mittelburgenland, Jahrgang 2018.

Wein 5: fein gearbeiteter Duft nach Brombeeren und roten Früchten, leichter Pfeffer und angenehme Würze; im Geschmack frisch und trotzdem elegant mit delikaten salzigen Ausläufern. Hier liegt der Autor mit Zweigelt völlig daneben. Es war ein klassischer Blaufränkisch vom Leithberg, und zwar der Solitär von Kurt Feiler.

Wein 6: opulente Nase nach Zwetschke, Kirsche, etwas Zimt, ledrig, würzig, Röstaromen, Kaffee, Rumtopf – geht klar in Richtung Blaufränkisch. Auch am Gaumen ein austrainierter Kraftprotz, der noch so müde Zungen weckt, um mit ihm zu arbeiten und gleichzeitig zu genießen. Es handelt sich schlussendlich um eine Blaufränkisch Reserve (mit Cabernet Sauvignon und Merlot) von Albert Gesellmann, der allerdings von Landhotel Forsthof-Patron Reinhold Baumschlager exklusiv für seinen Betrieb cuvetiert wurde. Ein Erlebnis.

Mit drei Punkten gibt sich der Autor zufrieden, als Hobby-Verkoster hätte es schlechter laufen können. Den Sieg in der Blindverkostung holte sich – Ehre, wem Ehre gebührt – Sommelier-Profi Andreas Jechsmair.

  • 2019 Chardonnay, Florian Eschlböck, Oberösterreich, ausgewählt von Mike Hanisch
  • 2020 Riesling Ried Loiserberg Kamptal, Weingut Sax, ausgewählt von Florian Meier
  • 2020 Sauvignon blanc Ried Sausaler Schlössl, Südsteiermark, Weingut Wohlmut, ausgewählt von Doris Mihatsch
  • 2018 Merlot, Mittelburgenland, Weingut Artner, ausgewählt von Dagmar Gross
  • 2018 Blaufränkisch Solitair, Leithaberg, Weingut Feiler-Artinger, ausgewählt von Thomas Breitwieser
  • 2015 Cuvée Forsthub (BF, M, CS), Mittelburgenland, Weingut Gesellmann, ausgewählt von Reinhold Baumschlager

 

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