07.03.2022

Brathering ohne Ramen

In Willys Gastro-Wochenrückblick dreht sich diesmal alles um kulinarische, köstliche Irrtümer in der Gastronomie.

Wenn Ihre Gäste in der Fastenzeit ein Gebrüll bestellen, dann kommen diese wohl aus dem großbritannischen Raum und haben ihren auf der Speisekarte stehenden Brathering nur anders ausgesprochen als sie gedacht haben wie Brathering auszusprechen wäre. Also Bresering anstatt Brathering, was einige Translater eben als Gebrüll übersetzen würden. Es gilt also die diversen Bathering-Bestellungen stets zu hinterfragen. Denn unter Umständen muss man einfach nur in die Küche laufen und dort ein bisserl herumbrüllen anstatt ein feines Fischlein zu kredenzen. Also Alltag einmal anders.

Alltag einmal anders kehrt ein, wenn Ihre Gäste Souvlaki bestellen, aber nur ein kleines Stamperl Schnaps meinen, also ein Suff-Lacki. Mein persönlicher Tipp: Servieren Sie beides – einen feinen griechischen Fleischspieß samt einem Stamperl kretischen Raki. Ihr werdet beide Freude haben, vor allem nach einigen Wiederholungen dieses unwiderstehlichen Duos.

Haben Sie asiatische Spezialitäten im kulinarischen Programm, müssen Sie damit rechnen, dass die Wan Tan Teigtaschen ein bisserl für Verwirrung sorgen könnten. Zum Beispiel auf die Frage, ob der Gast jetzt sofort die Teigtascherl haben will. Ja, wann dann? Chicken Wings sind übrigens keine angeschlagenen Lungenflügel eines Rauchers, sondern einfache Hühnerflügerl und Ramen keine h-losen Bildeingrenzungen, sondern urgute japanische Nudelnsupperln.

Aber auch Desserts können ziemlich missverständlich daherkommen. Einmal abgesehen davon, dass es Gäste gibt, die beim Begriff Desserts eher an eine Doppel-essige Wüstenaufzählungen handelt, haben viele süße Kreationen insgeheim so ihren Heidenspaß mit den unterschiedlichsten Mißverständnismöglichkeiten der diversen Naschkatzen. So sorgt nicht nur der legendäre Mohr im Hemd für beinahe panische political uncorrectness, sondern auch für die oftmals automatisch aufgeworfene Frage, welcher Körperteil vom dunkelhäutigem Menschen da in unschuldiges Weiß gekleidet daherkommen würde. Bei den Schusterbuben hingegen handelt es sich keineswegs um den schlimmen männlichen Fortpflanz des ortsansässigen Schuhmachermeisters, sondern um ein krapfenartiges Hefegebäck, das jedoch nicht in heißem Fett herausgebacken wird, sondern in einem feinen Gemisch aus Milch, Eier, Butter und Zucker. Mit Vanillesauce serviert sind sie definitiv die etwas besseren Krapfen. Und für viele Köche eine echte Herausforderung.

Aber eine, die sich auszahlt. Genau so wie sich auf die Mißverständnismöglichkeiten durch Ihre Gäste voll und ganz einzulassen. Auf gute Gespräche! Denn wie heißts so schön? Durchs Reden kumman d‘Leit zamm. Was ja noch nie geschadet hat.

redaktion(at)hotelundtouristik.at

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