14.12.2020

Burgenland: Nur mehr drei Tourismusverbände

Die Novelle des Tourismusgesetzes wird positiv aufgenommen, Kritik zu einzelnen Punkten kommt hingegen von der Wirtschaftskammer und der ÖVP Burgenland.

In der Vorwoche wurde im burgenländischen Landtag mit den Stimmen von SPÖ und FPÖ die Novelle zum burgenländischen Tourismusgesetz beschlossen. Kern dieser Novelle ist eine Reduktion der derzeit 15 Tourismusverbände (bzw. 17 inklusive Kurorte) auf drei für Nordburgenland, Mittelburgenland und Südburgenland. „Wir bündeln die Kräfte, um das Burgenland international noch besser vermarkten zu können. Das ist ein wichtiger Modernisierungsschritt, mit dem wir das ‚Comeback‘ des Tourismus nach der Covid-19-Krise zusätzlich beschleunigen werden“, betont der für Tourismus zuständige Landeshauptmann Hans Peter Doskozil. 

Die Burgenland Tourismus GmbH wird in der neuen Struktur weiter für die Umsetzung des landesweiten Marketings zuständig sein und die strategische Gesamtsteuerung übernehmen. Die drei Verbände sollen sich auf die Entwicklung lokaler und regionaler Tourismusprodukte konzentrieren und dabei gezielt auf die Erfordernisse der jeweiligen Region eingehen. Als Standorte der drei regionalen Tourismusverbände sind Neusiedl, Neutal und Güssing vorgesehen

Besitzverhältnisse regeln

Naturgemäß Kritik an der Novelle kommt von der oppositionellen Landes-ÖVP. Neusiedls ÖVP-Fraktion befürchtete etwa, das Vermögen des städtischen Tourismusverbandes an das Land Burgenland zu verlieren. Von Seiten der SPÖ-FPÖ-Koalition betont man aber, dass für das Tourismusgesetz eine Übergangsfrist bis 30. Juni 2021 vorgesehen ist, in der Gemeinden die Anteile kommunaler Tourismusbetriebs-GmbHs von den Tourismusverbänden übernehmen können. Bis dahin ist also Zeit, die Besitzverhältnisse zu regeln.

In der Wirtschaftskammer Grundsätzlich begrüße man die nun schlankere Struktur der Tourismusverbände. Auch die aufgeschlüsselte Aufgabenverteilung zwischen den Tourismusverbänden und der Burgenland Tourismus GmbH sorg künftig für mehr Klarheit. Allerdings könne nun jede Gemeinde für diverse touristische Attraktionen und Projekte um Förderungen ansuchen. „Wir haben jetzt in Wahrheit 172 ‚Tourismusverbände‘ – 171 Gemeinden und die Tourismus GmbH. Und die drei neu geschaffenen regionalen Tourismusverbände, mit ihrem Vorstand und ihren Geschäftsführern, sind bereits vor dem Arbeitsbeginn entmachtet“, meint WKB-Spartenobmann Helmut Tury.

Zudem sei in den Strukturen – von der Burgenland Tourismus GmbH, dem neu geschaffenen Beirat und in der Vollversammlung, die den Vorstand wählt – kein Unternehmer vertreten. „Dies könnte für ein politisches Ungleichgewicht sorgen“, fürchtet Tury. Problematisch sieht er auch die Ortstaxen: „Warum soll der Tourismusgast, abhängig vom Nächtigungstarif, unterschiedlich hohe Ortstaxen bezahlen? Das Angebot der Tourismusgemeinde kommt schließlich jedem gleichviel zugute. Das ist ein sozialistischer Ansatz, der die Gäste höherpreisiger Hotels kräftig zahlen lässt.“ 

Burgenlands Potenzial ausschöpfen

Als sinnvollen Schritt beurteilt Klaus Hofmann, Vizepräsident der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) und Geschäftsführer der St. Martins Therme & Lodge, das neue Tourismusgesetz. „Richtig gemanagt hat das Burgenland die Riesenchance, nicht nur sein Potential voll auszuschöpfen, sondern auch darüber hinauszuwachsen“, so Hofmann. 

Aber auch er betont die Notwendigkeit, dass Praktiker maßgeblich in die zukünftige Gestaltung eingebunden werden müssen. „Der burgenländische Tourismus war von extrem kleinteiligen und unübersichtlichen Strukturen geprägt, mit allen Doppelgleisigkeiten und ineffizienter Mittelnutzung, die lassen wir mit der neuen Aufstellung hinter uns. Das kann zum Erfolgsrezept werden, wenn das Pendel nicht zu stark in die andere Richtung ausschlägt“, so der St. Martins-Chef. 
 

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