07.02.2021

Burgenland will Tourismus-Testregion werden

Das Burgenland bietet sich mit seinen Thermenhotels als Testregion für ganz Österreich für die mögliche Öffnung am 1. März an. Als Vorbild sieht man Israel, wo zwei Testregionen geöffnet haben.

Die Forderung nach einer baldigen Öffnung der Beherbergungsbetriebe wurde vom Burgenland schon vor dieser Idee bei der letzten Bund-Länder-Konferenz vorgebracht, jedoch von den anderen Partnern abgelehnt. „Das bestätigt meiner Meinung nach die große Verunsicherung, wenn es um das Öffnen von Tourismusbetrieben geht. Umso wichtiger ist, dass wir diese Stagnation durch neue Denkansätze aufbrechen“, so Didi Tunkel, Geschäftsführer des Burgenland Tourismus.

So soll es funktionieren

Die Tourismusbetriebe haben in den vergangenen Monaten bereits viel Arbeit in praxistaugliche Sicherheitskonzepte gesteckt. Neben weiteren umfassenden und engmaschigen Test der Mitarbeiter sei es wichtig, dass das Testen für die Gäste kostenlos und unkompliziert sein soll. „Schon vorab würden wir die Gäste mit einer breiten Infokampagne thematisch abholen“, so Tunkel, „Teststraßen sind in Gehdistanz zu den Thermenhotels oder auf den Parkplätzen vorgesehen, sowohl Stationen als auch Drive-In-Tests. Das Ergebnis kommt per SMS, danach folgt der Check-In im Hotel oder der Thermeneintritt.“ Die Gültigkeit für den Test gibt Tunkel mit der Dauer des Aufenthaltes an. Für die Mitarbeiter sind zwei bis drei PCR-Tests wöchentlich und ein täglicher Antigen-Test vorgesehen.

Das Burgenland Tourismus würde noch zusätzliche Services anbieten. Einige Tage nach dem Aufenthalt würde man jeden einzelnen Gast kontaktieren – nach vorheriger Zustimmung der Gäste – und Feedback einholen. Tunkel: „Wir fragen zum Beispiel nach der Gesundheit und nach dem Eindruck zu den Corona-Maßnahmen. Wir könnten aber auch nach den Auswirkungen des Kurzurlaubs auf die Psyche fragen.“ Die Informationen und Daten würde man der Bundesregierung für die Diskussion über die weitere Vorgehensweise weitergeben.

Top-Hotels übernehmen „Laborfunktion“

Für das Burgenland als Testmarkt spreche laut Tunkel vor allem die gut mögliche Abgrenzbarkeit der Betriebe. Er schlägt auch nicht pauschal eine Öffnung aller Betriebe vor, sondern zunächst sollen gewerbliche Hotels in den Thermenorten Stegersbach, Bad Tatzmannsdorf, Lutzmannsburg und Frauenkirchen geöffnet werden, die auch schon umfassende Corona-Sicherheitskonzepte erarbeitet haben. „Hier geht es um eine übersichtliche Zahl von Hotels“, erläutert Tunkel.

Tunkel hat die Idee mit den Hoteliers auch schon besprochen und weiß sich mit allen auf einer Linie. „Wir sind gegen eine Ho-Ruck-Aktion, sondern wollen nach dem Motto ‚Aufsperren und Aufpassen!‘ eine bedachte Vorgehensweise. Es macht keinen Sinn, unüberlegt zu schnell zu öffnen und sehenden Auges in den nächsten Lockdown zu laufen. Aber es macht auch keinen Sinn, tatenlos zu warten. Die Lösung ist, es zu versuchen und ganz genau hinzusehen – wir Burgenländer übernehmen für Österreich die Laborfunktion. Streng begleitet von den Gesundheitsbehörden.“ Für die Öffnung brauche es eine Vorlaufzeit von einer Woche bis zehn Tage. 

Breite Unterstützung vom Land

Mit seinem Vorschlag, im Burgenland einen Testbetrieb hochzufahren, ist Tunkel bei Landeshauptmann Hans Peter Doskozil auf offene Ohren gestoßen. „Wir sind für eine Öffnung mit Augenmaß. Daher sind wir auch gerne bereit, den Vorschlag von Burgenland Tourismus, in unserem Bundesland die hervorragenden Sicherheitskonzepte im laufenden Betrieb zu testen, voll und ganz zu unterstützen“, so Doskozil.

Diese Unterstützung besteht beispielsweise darin, die Kosten der Corona-Tests in den Tourismusgemeinden in der Testphase zu übernehmen. „Den Betrieben sollen hier so wenige Hürden wie möglich entstehen“, so der Landeshauptmann. Nach einer erfolgreichen Testphase und der Implementierung der Konzepte in einen „Vollbetrieb“ sieht Doskozil den Bund gefordert, bezüglich Testkosten aktiv zu werden.

Die ideale Testregion

Burgenland-Tourismus-Geschäftsführer Didi Tunkel bringt weitere Argumente für das Burgenland in die Diskussion: „Ins Burgenland kommen hauptsächlich Gäste aus Österreich, eine Öffnung wäre sowohl für sie, aber auch für die Kolleginnen und die Kollegen aus dem Tourismus ein Hoffnungsschimmer in dieser belastenden Zeit. Außerdem geht unseren Betrieben das Geld aus, auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wandern ab. Ob es wirtschaftlich ist, weiß niemand. Aber unsere Kolleginnen und Kollegen wollen arbeiten!“

Johann Haberl vom Hotel Larimar in Stegersbach bringt die Forderung der Hoteliers auf den Punkt: „Wir möchten am 1. März unter dem Motto ‚Aufsperren und Aufpassen‘ wieder eröffnen.“

Beispielregionen in Israel

In Israel hat die Regierung für die zwei Tourismusgebiete beschlossen: En Bokek am Toten Meer und Eilat am Roten Meer. Dort genießen Gäste und Mitarbeiter ein Stück Urlaubs-Normalität. „Zwar unter hohen Sicherheitsvorkehrungen, aber immerhin“, so Tunkel, der auf eine Lösung auch für Österreich hofft. Alles, was man nun austesten könne und jede gemachte Erfahrung hilft der gesamten Branche dann für den Sommertourismus. „Ich finde es fahrlässig und ungerecht, wenn die gesamte Hotellerie in einen Topf geworfen wird. Hier appelliere ich auch an die Tourismusministerin, der die großen Unterschiede bewusst sein müssen“, appelliert der Tourismuschef des Burgenlands, bestimmten Betrieben ein abgesichertes Öffnungsszenario bieten zu können. 

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