09.07.2021

Comebackplan für den Tourismus

Im April wurde vom Tourismusministerium der Prozess „Auf geht´s – zum Comeback des heimischen Tourismus“ gestartet. Jetzt wurden die Ergebnisse mit großem Trara, aber nur wenig Neuem präsentiert.

In den vergangenen Wochen wurde gemeinsam mit Experten und Branchenvertretern vier Comeback-Talks durchgeführt und darüber diskutiert, wie der heimische Tourismus langfristig gestärkt werden kann. Die Ergebnisse sind in einen Comeback-Plan geflossen, den Bundeskanzler Sebastian Kurz und Tourismusministerin Elisabeth Köstinger gemeinsam mit und vor Branchenvertretern Donnerstagabend in Wien vorstellten.

Die drei Säulen des Plans sind die Modernisierung des touristischen Arbeitsmarktes, die Stärkung von Eigenkapital und neue Finanzierungsperspektiven sowie das Reiseverhalten der Zukunft und die Kooperation zwischen Tourismus und Regionen.

Modernisierung des touristischen Arbeitsmarkts

Trotz Verlängerung der Kurzarbeitsmöglichkeit und des Neustartbonus müssen die Branchen weiterhin hart um Fachkräfte kämpfen. Es gibt einen Rekordwert von über 109.000 offenen Stellen, davon 16.000 im Tourismus. Daher hat das Arbeitsministerium kürzlich dem AMS neue Zielvorgaben gestellt: Darunter fallen zumutbare Beschäftigungsmöglichkeiten, die nicht so leicht abgelehnt werden können. Und insbesondere im Tourismus gilt der Grundsatz „Vermittlung vor Qualifizierung“. Ausnahmen davon müssen gut begründet sein.

Köstinger setzt sich angesichts des Fachkräftemangels zudem „für eine entschlossene Reform des touristischen Arbeitsmarktes“ ein. Arbeitsminister Martin Kocher hat Unterstützung zur Reform im Rahmen des Comeback-Prozesses angekündigt. 

Robert Seeber, Obmann der Bundessparte Tourismus, ergänzte: „Der bereits vor der Krise bestehende Fachkräftemangel hat sich weiter verschärft. Wir stehen im Wettbewerb mit anderen Branchen und müssen an unserer Attraktivität und den Rahmenbedingungen arbeiten.“ Die Branche hätte einige Assets wie Kost, Logis und gutes Trinkgeld – diese Dinge werde man neben dem guten Betriebsklima und der Wertschätzung zukünftig in den Fokus stellen. Daneben betonte Seeber noch die „interessanten Weiterbildungs- und Bildungsangebote - besonders auch für Neu- und Berufsumsteiger“.

Stärkung Eigenkapital und neue Finanzierungsperspektiven 

ECO Austria schätzt die Auszahlungen von Hilfen an Tourismusbetriebe im Verlauf der Krise auf mindestens 1,9 % des BIP; in Deutschland etwa 1,13 %, in Kroatien 1,33 % und in der Schweiz 0,36 %. Ohne diese Unterstützung, gäbe es heute viele Betriebe wohl nicht mehr. „Das Thema der Eigenkapitalausstattung war bereits vor der Krise evident und hat sich jetzt noch verstärkt“, so Tourismusministerin Köstinger. Nun brauche es langfristige Perspektiven. Über ein Drittel der Betriebe der Branche sei hoch verschuldet. Nicht zuletzt deshalb gibt es den Wunsch aus der Praxis, den reduzierten Mehrwertsteuersatz von 5 Prozent auch 2022 beizubehalten. 

Neben der Weiterführung treffsicherer Unterstützungen für besonders betroffene Bereiche, wie beispielsweise den Städtetourismus und der Veranstalter- sowie Reisebranche, geht es auch darum, für zukünftige Krisen besser aufgestellt zu sein. Für die erfolgreiche Zukunft werden gerade neue Förderungsrichtlinien für die gewerbliche Tourismusförderung des Bundes erarbeitet. Vor allem die Themen Resilienz und Nachhaltigkeit werden im Mittelpunkt der Maßnahmen stehen und den Bedürfnissen der familien- und inhabergeführten KMU entsprechen. Es werde auch ein Fokus auf das Zusammenspiel mit den Regionen gesetzt.

Reiseverhalten und Regionen

Die Pandemie hat – zumindest mittelfristig – das Reiseverhalten unserer Gäste verändert. Sicher ist, dass die Sensibilität gegenüber Gesundheits- und Sicherheitsfragen gestiegen ist, es aber auch ein geändertes Bewusstsein für Qualitätstourismus und den Umgang mit der Natur gibt. Zugleich gibt es bedingt durch Reisebeschränkungen einen Fokus auf Nahmärkte, aber Fernreisen werden sicher wieder zurückkommen. Für Österreichs Tourismus bedeutet das, rechtzeitig weltweit wieder Lust auf Urlaub in Österreich zu machen.

Die Österreich Werbung erhält dafür ein zusätzliches Budget von 40 Mio. Euro. „für die größte Kampagne, die die ÖW jemals gemacht hat“, wie ÖW-Chefin Lisa Weddig betont. Aktuell mit Konzentration auf die wichtigsten Nahmärkte, werden im Herbst Aktivitäten in Amerika folgen. Im Frühjahr 2022 rechnet Weddig wieder mit Nachfrage aus Asien und den arabischen Ländern. 

Das Comeback läuft

Laut einer Studie vom Mai, von der das Tourismusministerium zitiert, gibt es die Prognose einer positiven Entwicklung für Beherbergung und Gastronomie und einer Rückkehr zum Vorkrisenniveau bis zum Ende des Sommers. Vergleicht man die Prognosedaten mit den realisierten Daten, läuft der Aufholprozess schnell. Statt einer BIP-Lücke von knapp 2 % (Beitrag zum Gesamt-BIP) Ende Juni im Tourismusbereich steht man aktuell bei unter 1 % BIP-Lücke. „Die Wirtschaft entwickelt sich besser als von vielen Experten erwartet und auch im Beherbergungs- und Gastronomiebereich wird die Lücke zum Vorkrisenniveau von Woche zu Woche geringer“, sagte Finanzminister Gernot Blümel und schränkte aber ein, dass Bereiche wie der Städtetourismus noch weit von Normalität entfernt sind. 

Vorsichtiger ist man bei den Tourismusbetrieben selbst: Eine Mehrheit von 35 Prozent stellt sich darauf ein, das Vorkrisenniveau in ein bis drei Jahren zu erreichen. Weitere 27 Prozent erwarten eine Erholung im nächsten Jahr. Als größte Herausforderung sehen 67 Prozent der befragten Tourismusbetriebe die Bereiche Kapital und Finanzierung. Ebenso der Fachkräftemangel: 15 Prozent der Arbeitskräfte sind in andere Branchen abgewandert. 

(Red)

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