19.01.2021

Corona erhöht Arbeitslosigkeit im Tourismus drastisch

Die triste Wirtschaftslage wirkt sich auch auf den Jobmarkt aus: In der Branche sind aktuell rund 72.000 Menschen auf Arbeitssuche - das sind um rund 50 Prozent mehr als vor einem Jahr.

"Der touristische Arbeitsmarkt ist zur Zeit extrem schwierig", betonte Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) in einer Pressekonferenz. Das gilt für den Beherbergungsbereich ebenso wie für die Gastronomie und das Veranstaltungswesen. "Die Verzweiflung im Tourismus ist riesig - wir sind in einer dramatischen Situation", so Köstinger mit Blick auf die monatelangen behördlich verfügten Schließungen der Betriebe infolge der Coronapandemie.

"Rund ein Drittel der krisenbedingt Arbeitssuchenden ist auf den Tourismus zurückzuführen", strich Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) hervor. Die über 70.000 Arbeitslosen im Tourismus entsprächen einem Anteil von etwa 16 Prozent an der gesamten Arbeitslosigkeit in Österreich. "Wir haben im Tourismus eine große Herausforderung", sagte Kocher.

Doch auch da werde die Kurzarbeit stark genutzt. Derzeit würden in der Branche damit rund 130.000 Arbeitsplätze gesichert. Etwa 70 Prozent der unselbstständig Beschäftigten im Tourismus seien derzeit in Kurzarbeit. Das ist den Angaben zufolge rund ein Viertel aller Kurzarbeitenden in Österreich.

Maßnahmen, um Arbeitsplätze zu retten

"Der Zugang 'Kurzarbeit statt Kündigungen' hat sich bewährt", meinte Köstinger. Allein im Bereich Beherbergung und Gastronomie habe das Instrument der Kurzarbeit 129.000 Arbeitsplätze "gerettet", hieß es aus dem Arbeitsministerium. Die Möglichkeit, die Arbeitszeit auf null Prozent zu reduzieren gilt vorerst bis Ende März. "Das bietet den Betrieben die Sicherheit, die Mitarbeiter halten zu können", so die Tourismusministerin.

Eine Verlängerung steht bereits im Raum: "Heute (Anm.: Dienstag) finden auch Gespräche mit Sozialpartnern statt, um über Nachfolgemodelle zu verhandeln", berichtete Köstinger. "Wenn es erste Öffnungsschritte gibt, haben wir den 'Neustartbonus'", so Kocher. Dabei handle es sich um eine Art Kombilohn, mit dem der Bund den Betrieben einen Anreiz geben will, Arbeitsplätze zu schaffen bzw. zu erhalten.

Deutlich weniger Lehrlinge

Doch es geht nicht nur um das Erhalten von Arbeitsplätzen, sondern auch um das Zurückgewinnen von Arbeitnehmern für die Zeit nach der Krise - Stichwort Fachkräftemangel zum Beispiel bei Servicekräften, Köchinnen und Köchen. "Sehr viele haben die Branche in den vergangenen Monaten verlassen", räumte Köstinger ein.

Eine momentane Abkehr von der Branche spiegelt sich auch in den aktuellen Lehrlingszahlen: Es wurden um rund 21 Prozent weniger Auszubildende eingestellt. "Das sind natürlich Facharbeiter der Zukunft, die uns fehlen werden", so die Ministerin. Sie verwies auch auf die Schwierigkeiten in der Ausbildung während des Lockdowns. Der schulische Theorieteil könne absolviert werden. "Was fehlt, ist der Praxisbereich - in der Küche und im Service."

(APA/red)

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