11.03.2020

Corona: Essen im Reißverschluss-System

Seit heute ist alles anders: Auch in Kantinen und Betriebsrestaurants gilt die mit Heute in Kraft getretene 100-Personen-Grenze im Inneren von Räumen. Die GV läuft im Krisenmodus.

Mit der gestern von der Regierung angeordneten Höchstgrenze von 100 Menschen, die sich gemeinsam in einem Raum aufhalten dürfen, ist natürlich auch die österreichische Gemeinschaftsgastronomie in höchstem Maße betroffen. Welche Auswirkungen das auf das Tagesgeschäft in den Kantinen und Betriebsrestaurants hat, darüber hat HGV PRAXIS die aktuellsten Infos eingeholt.

Ein Paradebeispiel, das vorbildhaft für österreichische Betriebsverpflegung steht, ist das Betriebsrestaurant im Landesdienstleistungszentrum in Linz, direkt am Hauptbahnhof gelegen. Küchenleiter Christian Hügelsberger erklärt gegenüber HGV PRAXIS: „Gestern lief alles wie gewohnt und heute ist alles anders. Es gab mehrere Krisenstäbe im Haus und ich habe in enger Absprache mit unserem obersten Sicherheitsbeauftragten sofort erste Maßnahmen umgesetzt.“ Die da wären:

  • Die einschneidendste Änderung: Es dürfen maximal 80 Personen gleichzeitig ins Betriebsrestaurant, weil die 20 Mitarbeiter in der Küche, die sich auch an der Ausgabe bewegen, mitgezählt werden.
  • Es gibt ein Zeitbudget von zwanzig Minuten für das Mittagsmahl. Wenn drei Gäste das Restaurant verlassen, dürfen drei neue wieder rein – ein klassisches Reißverschluss-System.
  • Sämtliche Buffetangebote wurden eingestellt. Das heißt, alles wird in der Küche portioniert.
  • Das Besteck wird gewickelt, sämtliche Besteckladen und –schütten für die freie Entnahme wurden weggeräumt.
  • Es gibt ausschließlich bargeldlose Bezahlung mittels Chipkarte.
  • Es wird verstärkt auf Hygienerichtlinien verwiesen wie eine konsequente Händehygiene bzw. das Unterlassen von unnötigen Berührungen, Handgriffen und Kontaktaufnahmen etc.

„Es mag schon sein, dass wir hier ein wenig übervorsichtig sind, aber es geht um die Sicherheit unserer Gäste und um einen geregelten Ablauf im Haus“, erklärt Hügelsberger gegenüber HGV PRAXIS. Im LDZ sitzt ein Großteil der oberösterreichischen Landesregierung, quasi vom Landeshauptmann abwärts Hundertschaften von Verwaltungsbediensteten, da geht man nicht nur gutem Beispiel voran, sondern rückt die Sicherheit in den Mittelpunkt.

Für Hügelsberger bedeutet das aber auch empfindliche Einbußen an Essensteilnehmern, wie er im HGV PRAXIS-Gespräch betont: „Ich habe gut 400 Sitzplätze und eine Zeitspanne beim Mittagessen von 150 Minuten. Bei einer Höchstbesetzung von 80 Personen erziele ich im Idealfall 650 Essen. Die Einbußen liegen bei 40 bis 50 Prozent.“

„Aber“, so Hügelsberger im Nachsatz, „vielleicht ist ja morgen schon wieder alles ganz anders und die 100-Personen-Grenze zumindest für unser Geschäft wieder aufgehoben. Wir haben schnell und durchdacht reagiert und das werden wir bei einer neuen Lage und neuen Voraussetzung wieder tun.“

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