15.02.2021

Coronavirus hemmt Bierdurst

Weltweit kam es im Jahr 2020 zu merklichen Rückgängen beim Bierabsatz. Verhalten fällt auch der Ausblick fürs erste Halbjahr 2021 aus.

Mit Heineken und Carlsberg haben nun in den letzten Tag zwei globale Bierriesen ihre Bilanzen für 2020 vorgelegt. Weltmarktführer AB InBev folgt am 25. Februar. Eines zeigt sich bereits jetzt: Im Vorjahr wurde deutlich weniger Bier getrunken als 2019. So verlor etwa Heineken auf dem gesamten Erdball annähernd gleich verteilt an Volumen (organisch). Europa: minus 8,2 Prozent, Asia Pacific: minus 7,9 Prozent, Americas: minus 7,5 Prozent, Africa Middle East & Eastern Europe: minus 9,2 Prozent. Macht in Summe für Heineken einen Rückgang beim Absatzvolumen von 8,1 Prozent auf 221,6 Millionen Hektoliter.

Bei Carlsberg ging 2020 das Volumen mit minus 3,8 Prozent (organisch) auf 130,1 Millionen Hektoliter zwar etwas weniger zurück als bei Heineken. In den umsatz- und gewinnstarken Märkten Western Europe (minus 7,3 Prozent) und Asia (minus 5,9 Prozent) büßte man jedoch auch klar an Menge ein. Einzig Eastern Europe konnte dank eines guten Russland-Geschäfts die Absatzmenge um 6,2 Prozent steigern.

Deutsche Brauer mit 5,5 Prozent im Minus

Zahlen gibt es auch bereits für den deutschen Gesamtmarkt. Laut Statistischem Bundesamt in Wiesbaden haben die in Deutschland ansässigen Brauereien und Bierlager im Jahr 2020 mit 87 Millionen Hektoliter um 5,5 Prozent weniger Bier (exkl. alkoholfreies Bier) abgesetzt als 2019. "Geschlossene Bars und Restaurants, abgesagte Feste und sonstige Großveranstaltungen sorgten besonders in den Monaten April (minus 17,3 Prozent) und Mai (minus 13,0 Prozent) für einen starken Rückgang beim Bierabsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum. In den Sommermonaten kam es aufgrund der gelockerten Beschränkungen zu einer leichten Erholung beim Bierabsatz. Die wieder verschärften Corona-Auflagen ab Herbst 2020 ließen den Bierabsatz im November jedoch erneut drastisch sinken. Im Vergleich zum Vorjahresmonat wurde 14,1 Prozent weniger Bier abgesetzt", heißt es seitens des Statistischen Bundesamts.

Sigi Menz: "Biersteuer aussetzen!"

Für Österreich gibt es noch keine konkreten Zahlen. Diese will der Verband der Brauereien Ende März präsentieren. Doch dass die Lage für die heimischen Bierproduzenten äußerst schwierig ist, daran besteht kein Zweifel. So forderte Verbandsobmann Sigi Menz Anfang bereits mehrmals steuerliche Entlastungen: "Wir brauchen ein Aussetzen der Biersteuer für das erste Halbjahr 2021, wenn wir nicht in Kauf nehmen wollen, dass in den nächsten Monaten viele Brauereien in Österreich von der Bildfläche verschwinden."

Zusätzlich spricht er sich angesichts der mit 8. Februar aufgehobenen Geschäftsschließungen für eine ehest mögliche Öffnung der Gastronomie aus. "Der Gastro-Lockdown trifft die Zulieferer und damit viele Brauereien empfindlich. Rund ein Drittel des in Österreich gebrauten Bieres fließt in normalen Jahren in die Gastronomie. Dieser für die Bierbranche wesentliche Wirtschaftsfaktor ist seit dem Start der Wintersaison geschlossen. Eine zeitnahe Öffnung wäre eine wichtige Unterstützung – auch für die mehr als 315.000 Beschäftigten in der heimischen Gastronomie und Hotellerie", so Menz.

Heineken streicht 8.000 Stellen

In der Branche herrscht also große Unsicherheit über den weiteren Geschäftsverlauf - das trifft sowohl für österreichische Kleinbrauer als auch die internationalen Bierriesen zu. Carlsberg beispielsweise plant aufgrund des nicht vorhersehbaren weiteren Verlaufs der Coronaviruspandemie bei seinem Aktienrückkaufprogramm nur mehr quartalsweise. Das nächste diesbezügliche Statement ist bei der Vorlage der Zahlen für das erste Quartal 2021 am 28. April vorgesehen. Heineken hat am 10. Februar angekündigt, weltweit 8.000 Stellen zu streichen. Das entspricht rund neun Prozent der 86.000 Mitarbeiter umfassenden Belegschaft. Der Brauer mit Hauptsitz in Amsterdam erzielte 2020 nach Rechnungslegungsstandard IFRS einen Netto-Verlust von 204 Millionen Euro.

(Autor: Stefan Pirker)

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