03.03.2020

Coronavirus: Last-Minute-Buchungen werden wieder an Bedeutung gewinnen

Es wird nicht mit einem dauerhaften Dämpfer für die Reiselust wegen der Coronavirus-Epidemie gerechnet, behaupten zumindest Tourismusforscher in Österreichs wichtigsten Herkunftsmarkt Deutschland. Das Buchungsverhalten kann sich aber ändern.

"Reisen ist mittlerweile ein Grundbedürfnis", sagte der Professor für Tourismuswirtschaft, Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility an der Ludwig-Maximilians-Universität München, Jürgen Schmude, in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. "Bis komplett darauf verzichtet wird, muss schon noch viel passieren. Die Leute werden weiter reisen."

Das Last-Minute-Buchen werde aber wieder deutlich an Gewicht gewinnen. "Viele warten ab, wie sich das Virus weiter verbreitet und entscheiden sich erst spät", sagte der Experte. Ob der Urlaub in Deutschland selbst oder Nahmärkten von der raschen Ausbreitung des Virus in gefragten Reiseländern wie Italien profitiere, sei keineswegs ausgemacht. "Nach den Terroranschlägen in Ägypten und in der Türkei wurden eben andere Warmwassergebiete wie Spanien, Italien und Griechenland angesteuert", sagte Schmude. "Der Tourist ist da relativ flexibel."

Asiaten meiden Europa

Aus asiatischer Sicht gelte gegenwärtig ganz Italien als unsicher, wenn nicht sogar ganz Europa. "Das kennen wir aus anderen Krisen: Viele Europäer sind nach der Reaktor-Katastrophe im japanischen Fukushima nicht mehr nach Korea geflogen, obwohl das sehr weit entfernt vom Unglücksort liegt", sagte der Experte. "Beim Ebola-Ausbruch in Zentralafrika sind viele Deutsche nicht mehr nach Südafrika geflogen." Touristisches Verhalten sei nämlich oftmals nicht rational. "Wenn man es positiv sehen will: Touristen haben ein recht kurzes Gedächtnis", betonte der Professor.

Sollte sich der Coronavirus-Ausbruch beruhigen und nicht mehr so oft in den Schlagzeilen stehen, würden beliebte Ziele recht schnell wieder interessant nachgefragt - zumal Anbieter mit Sonderangeboten und Preisnachlässen locken dürften. "Beim Preis gibt es eine rote Linie, ab der viele Touristen bereit sind, ein vermeintliches Risiko zurückzustellen."

ITB-Absage ein Fehler?

"Sollte sich die Lage aber in den nächsten Wochen beruhigen, sollte sich das Ostergeschäft nahezu normal entwickeln", prophezeit Prof. Jürgen Schmude. Die Absage der Tourismusmesse ITB in Berlin sieht er als Negativwerbung an. "Das hat eine schlechte Signalwirkung für die Reisebranche", betonte Schmude. "Wenn sich selbst die Touristiker selber nicht trauen zusammenzukommen, dann ist das keine vertrauenschaffende Maßnahme für ihre Produkte."

(APA/Red)

 

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