16.05.2022

Da woame Hansl

Nein, es geht nicht um den schwulen Oberkellner Johann, sondern um einen schönen Begriff aus alten Zeiten. Willy Zwerger erklärt in seinem Gastro-Wochenrückblick, um was genau es geht.

Heutzutage ist ja das Aussaufen der so genannten woamen Hansln, also der Alkoholreste, die die Gäste leichtsinnigerweise in ihren Gläsern zurücklassen, nur mehr in Sandlerkreisen und vereinzelt eventuell auch noch bei völlig entarteten Kindern salonfähig. Aber früher, damals, als Werbung noch Reklame hieß, war das weitaus öfter gang und gäbe als man sich heute vorstellen kann. Da konnte man definitiv den einen Ober oder die andere Kellnerin beobachten, die beim Abservieren mit blitzschnellen Schüttbewegungen in sich hinein für stets leere Gläser sorgten, was selbstverständlich in der Küche bei den Abwäschern unterschiedlich gut ankam. Die einen freuten sich, weil ihnen dadurch die eher lästige Tätigkeit des Wegschüttens erspart blieb und die anderen neigten eher zum Angefressensein, weil ihnen der Servierschlitten vorher bereits alles weggesoffen hatte.

Doch nicht nur Ober und Kellnerinnen sowie Abwäscherinnen delektierten sich an bereits Zimmertemperatur angenommenen Biernoagerln und mit Lippenstift und Speichel zu bemerkenswerten Cuveerückständen mutierten Reminiszenz an die durchaus vielfältige Weinkarte. Nein, auch so mancher Gast selbst hoffte inständig, dass die an sich trinkfeste Maurerpartie am Nachbarstisch das dreizehnte Achterl dann doch nicht mehr zur Gänze schaffen würde und spekulierte somit auf einen kostengünstigen Nachschlag für die eigene Kehle. Ein kurzer Gang Richtung Toilette und – schwupps – die Gläser waren wieder leer wie anfänglich. Sehr zur Verblüffung der ohnehin schon leicht bedienten Handwerker.

Was mich betrifft, so war ich da schon wesentlich wählerischer und eleganter, sowohl im Auftritt als auch im Abgang. Denn ich pflegte alleinsitzende und Alkohol konsumierende Damen zu beglücken, in der zumeist richtigen Annahme, sie ertränken gerade irgendeinen Kummer im Valpolicello oder im hellen Hopfenstangerl. Und ja, es gab Tage, da ernährte ich mich überhaupt nur von woamen Hansln, schwirrte dabei von Tisch zu Tisch wie die Bienen von Blüte zu Blüte, und kam sogar des öfteren genau so betrunken heim. Was für ein Leben damals in freier Wildbahn.

redaktion(at)hotelundtouristik.at

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