19.11.2021

Danke, die Herrn Landeshauptmänner!

Mit beängstigender Konsequenz führen uns die Landeschefs Haslauer und Stelzer in die nächste wirtschaftliche Katastrophe. Ein Kommentar von Axel Schimmel.

Es ist also eingetreten, was ohnehin schon jeder wusste: Es kommt der nächste Lockdown. Nur die verantwortlichen Landeshauptleute selbst sträubten sich so lange es ging gegen das letzte Mittel der Verschärfung und begründeten das mit der besonderen Schutzwürdigkeit bestimmter Wirtschaftszweige, allen voran der Tourismus. Es ist doppelt grotesk, dass genau aus jenen Branchen, die die Politik zu schützen vorgibt, wie dem Tourismus, die lautesten Rufe nach einem sofortigen Lockdown kommen, um zumindest noch eine Rest-Wintersaison zu retten. Man fragt sich in der Tat, was diese Herren antreibt bzw. wie sie zu ihren Entscheidungen kommen? Wochenlang gibt sich ein Chefarzt um den anderen das Mikrophon in die Hand, um auf die unhaltbaren Zustände auf den Stationen hinzuweisen und was passiert? Nichts. Thomas Stelzer: „Wir haben viele Intensivbetten, die Gott sei Dank gut betreut werden.“

Soldaten im Krankenhaus

In himmelschreiendem Dilettantismus blieben die Zügel locker, bis Oberösterreich und Salzburg mit Vollgas in die vierte Welle ritten. Gurgeltests: an einen Supermarktkonzern ausgelagert; Kontaktverfolgung: mangels Arbeitskräften eingestellt; Testauswertung: wegen eines Hackerangriffs auf das größte Labor Salzburgs unmöglich. Es stünden auch noch genügend Betten zur Verfügung, aber das Personal diese auch zu betreuen fehlt. Tschechiens Noch-Premier Andrej Babis schickte Soldaten in die Krankenhäuser. Warum nicht? Wenn auch nur ein Leben damit gerettet wird, ist es herzlich wurscht, wenn ein Rekrut im Drillich das ermöglicht.

Seit Tagen stehen in den Hotels der Wintersportorte die Telefone nicht mehr still. Es hagelt Absagen und Stornos. Die ÖHV spricht von 51 Prozent der Buchungen. Dabei stehen wir erst am Beginn. Der Obertaurer Hotelier und Sprecher Walter Veit bringt es auf den Punkt: „Gesundheit geht vor, da gibt es gar keine Zweifel. Das heißt aber nicht, dass man die desaströsen wirtschaftlichen Folgen eines Lockdowns einfach ausblenden kann. Wir haben schon vor Wochen einen Schutzschirm gefordert. Und jetzt stehen wir genauso unvorbereitet da wie im Vorjahr“, kritisiert ÖHV-Vizepräsident Veit.

Mit Anlauf ins Desaster

Und das alles passiert ohne wirkliche Not. Sehenden Auges manövrierte man sich ins Desaster. Nein, falsch. Es scheint, als hätten sie noch Anlauf genommen. Im Grunde hätten die heuer erstmals auf dem Plan stehenden Herbstferien ausfallen müssen, was natürlich realpolitisch undenkbar ist. Eine massive Aufklärungswelle zum Impfen und 2G ab September hätten vermutlich das Schlimmste verhindert. Bereits jetzt stehen wir vor den Scherben einer Saison, die noch nicht einmal stattgefunden hat. Niemand kann jetzt seriös sagen, ob es zu Weihnachten möglich sein kann, Gäste zu bewirten oder skizufahren. Was mich persönlich wundert, ist, dass nicht viel mehr Unternehmern der Kragen platzt und sie ihrer Wut freien Lauf lassen. Aber wahrscheinlich sind sie von der schleichenden Wirkung der Droge „Umsatzersatz“ schon so sediert, dass jeder Widerstand zwecklos erscheint.

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