14.12.2018

Das Leben ist Entwicklung

Die neue Miele-Geschäftsführerin Sandra Kolleth im Gespräch mit stammgast.online über ihre Ideen der Mitarbeiterführung.

Frau Kolleth, wie wollen Sie in Ihrer Führungsfunktion wirken und leiten? Sind Sie eher der kooperative oder der autoritäre Typ?
Sandra Kolleth: Ich habe das für mich überlegt und reflektiert und bin auf die schönen Begriffe Yin und Yang gestoßen. Schwarz und weiß, rund und eckig, hell und dunkel – das Ausgleichende. Ich habe einen kooperativen Führungsstil, aber ich weiß auch, wann eine Entscheidung zu treffen ist. Das gilt auch für meine Strategie bei der Unternehmensentwicklung: Was will ich bewahren, was will ich verändern?

Wie wollen Sie Ihre Mitarbeiter fördern und fordern?
Bei Miele gibt es viele Trainingsangebote, der Bedarf wird im Rahmen des jährlichen Mitarbeitergesprächs ermittelt. Das Angebot beginnt standardmäßig mit dem Know-how, das ich für den Job brauche, zusätzlich gibt es solche für die Persönlichkeitsentwicklung. Ganz wichtig ist mir: 80 Prozent des Wissens lernt der Mensch indem er macht, also bei der Arbeit, oder mit experimentellen Lernmodellen. Daher versuchen wir ganz bewusst die Mitarbeiter zu exponieren. Das heißt zum Beispiel, die Präsentation vor der Geschäftsleitung macht nicht der Bereichsleiter, sondern der zuständige Mitarbeiter. Das sind Kleinigkeiten, womit wir ganz bewusst Talente identifizieren.

Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?
Ich hatte einen wirklichen Mentor in meinem Berufsleben, das war mein erster übergeordneter Chef bei Xerox. Ich musste einmal für eine Mitarbeiterin von mir – ich war im Vertrieb ganz frisch in einer Führungsrolle – ein Einführungsprogramm erstellen. Nach meiner Präsentation hat er mir gesagt, wir haben auf Englisch kommuniziert, „very good programm, just one thing is missing: Put her into some deep water, just like we did with you.“ Ich habe mir gedacht, was habt ihr mit mir nur gemacht? (lacht) Bemerkt habe ich es nicht. Es gehört manchmal dazu, alleine schwimmen zu müssen.

Wie vermeiden Sie Ja-Sager? Haben Sie jemanden, der Ihnen ehrlich Feedback gibt?
Feedback ist in allen Richtungen extrem wichtig und nützlich für die persönliche Weiterentwicklung. Bei Mitarbeitergesprächen gebe ich meinen Mitarbeitern Feedback. Meine letzte Frage ist dann immer, jetzt will ich von dir Feedback haben. Das ist am Anfang ein ganz schwieriger Prozess. Wenn der Mitarbeiter mir dann sagt, ich mache eh alles super, ist meine Standardantwort: jetzt hast du mich soeben für tot erklärt. Das Leben ist Entwicklung in jede Richtung. Was mache ich, wenn ich nichts mehr besser machen oder mich entwickeln kann. Feedback ist immer für beide Seiten wichtig.

 

Sandra Kolleth, zuvor General Manager von Xerox Austria, übernahm im November die Leitung von Miele Österreich, Slowenien und Kroatien. Die studierte Betriebswirtin (WU Wien) war 23 Jahre bei Xerox tätig und weist eine umfangreiche Expertise im Bereich Marketing, Vertrieb, Service und als Führungskraft auf. Mehr über Sandra Kolleth und ihre Pläne bei Miele lesen Sie in der aktuellen Ausgabe 12/2018 von Hotel & Touristik oder im ePaper – einfach hier klicken!

 

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