02.08.2019

Das Lebensmittel Bier

Der Verein „Land schafft Leben“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, Bewusstsein für in Österreich produzierte Lebensmittel zu schaffen. Nach Lebensmittel wie Apfel, Huhn, Milch und Zwiebel widmete der Verein nun dem Bier eine Recherche, gibt ganzheitlichen Einblick in die heimische Bierproduktion.

© Land schafft Leben 2019
Bier aus Österreich – Bildergalerie zum Durchklicken!
 

Österreich legt Wert auf eine große Biervielfalt. Aber wer denkt schon beim Genuss eines Seiterl daran, dass Bier vom Acker kommt? „Für uns ist Bier ein Lebensmittel, weil es wirklich aus agrarischen Rohstoffen hergestellt wird und einen sauberen Brauprozess erfährt“, so Hannes Royer, Gründer und Obmann des Vereins „Land schafft Leben“.

Österreich hat im internationalen Vergleich sehr strenge Produktionsvorgaben, so dürfen Zusatzstoffe nicht verwendet werden. Nur Hopfen, Gerste, Hefe und Wasser sind, laut dem österreichischen Lebensmittelbuch, erlaubt. Eine Ausnahme bildet dabei Kreativbier und glutenfreies Bier, bei dessen Herstellung technische Enzyme eingesetzt werden dürfen. Wenn sie eingesetzt werden, müssen sie am Etikett deklariert werden.

Probleme durch Klimawandel

Heimische Brauereien bevorzugen Rohstoffe, die aus Österreich stammen. Vor allem bei der Sommerbraugerste, die für das Malz verwendet wird, wird dies jedoch, bedingt durch den Klimawandel, zunehmend schwieriger. Denn das heiße, trockene Wetter setzt der Gerste zu und beeinträchtigen die Qualität sodass sie nicht mehr für den Brauvorgang geeignet ist. Der aktuelle Selbstversorgungsgrad liegt derzeit, laut „Land schafft Leben“- Recherche nur noch bei 40 bis 45 Prozent. Importe aus Frankreich, Osteuropa und den skandinavischen Ländern waren notwendig.

„Die Landwirtschaft sucht nun gemeinsam mit Züchtern und Brauern nach Strategien, um dem entgegenzuwirken“, erklärt Royer. Man setzt nun vermehrt auf Winterbraugerste, die früher als Tierfutter verwendet wurde. Ein weiterer Versuch zur Steigerung der Selbstversorgung mit heimischem Braugetreide ist, Sommerbraugerstensorten, die weniger frostempfindlich sind, schon im Herbst anzubauen.

Was steckt alles in meinem Bier?

Der Klimawandel und der damit einhergehende Ausfall heimscher Gerste führt zu einem weiteren kritischen Thema: Vor nicht allzu langer Zeit wurde das Herbizid Glyphosat in heimischem Bier nachgewiesen. Bedingt durch den Import von Gerste aus Ländern, in denen kein Glyphosat-Verbot besteht und die Pflanzen damit besprüht werden, gelangt es auch in unser Bier.

„Marke und Ort der Herstellung sind uns alles andere als egal, aber nach der Herkunft und den Produktionsbedingungen von Gerste und Hopfen fragt kaum jemand. Woher diese kommen, muss auch am Etikett nicht angegeben werden“, so Royer. 

(Helene Tuma)

 

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