03.11.2020

Das Unbegreifliche

Journalisten sollen die richtigen Worte finden, das gelingt wahrlich nicht immer, doch manchmal muss man als Mensch Worte einfach niederschreiben. Ein Kommentar von Thomas Schweighofer zu den Terroranschlägen in Wien.

Unter den Opfern des feigen Terroranschlags in Wien befindet sich nach derzeitigem Wissensstands auch eine Kellnerin, die im Dienst erschossen wurde. Ihrer und allen anderen Familien der weiteren Verstorbenen gilt unser zutiefst empfundenes Beileid für den sinnlosen Tod eines geliebten Menschen. Den Verletzten wünschen wir eine vollständige Genesung. Für alle, die diese schreckliche Tat miterleben mussten, hoffen wir auf professionelle psychologische Unterstützung und auch Kraft von ihren Lieben, um das Gesehene und Gehörte zu überwinden.

Der Angriff des Täters oder der Täter richtete sich gezielt auf die Gäste und Mitarbeiter der beliebten Lokale im Ausgehviertel Bermudadreieck. Menschen suchten Zuflucht in Restaurants, legten sich auf die Böden, harrten stundenlang in Unsicherheit aus. Dort, wo ich selbst als Student einige fröhliche Nächte verbrachte, noch immer oft vorbeispaziere, verbreitete der Attentäter Tot und Hass. Auch ich war an diesem Abend mit einem Freund in der Stadt unterwegs, zum Glück nicht in unmittelbarer Nähe, aber doch nah genug um zu bemerken, da stimmt heute etwas nicht.

Der Wiener Gemeinderabbiner Schlomo Hofmeister sagte heute in einem ORF-Interview auf die Frage, ob er von einer antisemitischen Tat ausgehe: „Was auch immer die Motivation war - es war eine antimenschliche Motivation.“ Der von der Polizei neutralisierte Täter wurde in dieser Stadt geboren, die so sehr wie keine andere in diesem Land für Offenheit, Internationalität und Freiheit steht. Die Tat war also auch eine gegen diese wunderbare Stadt, deren Menschen in diesen schweren Stunden zusammenrücken, um darüber zu reden, wie man das Unbegreifliche begreifbar machen kann. Wir alle werden daran scheitern, weil es für diesen Hass keine logische Erklärung gibt oder geben kann. 

Wir dürfen uns nicht verleiten lassen, diesen Hass zu reflektieren, uns von der Angst überwältigen lassen. Wir müssen vorleben, was wir sind: Menschen, denen andere Menschen wichtig sind und nicht egal. Hilfreich, offen, nicht voreingenommen und mutig, unsere diese Werte zu verteidigen. Die Barbaren dürfen nicht gewinnen. Das werden sie nicht, wir sind zu viele.

t.schweighofer(at)manstein.at

 

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