10.01.2022

Der Feuerzangen-Pole

Im neuen Willys Gastro-Wochenrückblick dreht sich alles um die vielfach bereits vergessene Feuerzangenbowle, gute Freunde und gute Nachbarn.

Es ist bei uns in Reichenau eine liebgewonnene Tradition geworden, am Dreikönigstag eine wunderbare kalte Platte zum kühlen Bierchen zu reichen und das Jahr bei einer zünftigen Feuerzangenbowle zu begrüßen. Frei nach dem Roman von Heinrich Spoeri und der legendären Verfilmung desselben mit Heinz Rühmann traf ich auch heuer wieder ähnlichaltrige Kameraden, um eben nicht nur oben bereits erwähnte kalte Platte und den Biervorrat zu vernichten, sondern auch um danach – quasi um das neue Jahr nach Silvester noch einmal willkommen zu heißen – dem in den großen Topf mit einem herrlichen Gemisch aus Rotwein und Orangensaft hineintropfenden, rumgetränkten und in sanftem Goldblau brennenden Zuckerhut beim langsamen Dahinschmelzen zuzuschauen.

Und – wie im Roman und im Film – um alte Geschichten aus unserer gemeinsamen Schulzeit aufzuwärmen, uns die Streiche, die wir den Lehrern, aber auch Mitschülern spielten, wieder in Erinnerung zu rufen, dabei köstliche Schnurren auspackten, heute nicht mehr mögliche Anekdoten an der Grenze zur Illegalität und uns auch die allerersten Schwärmereien für die Mädels wieder zu vergegenwärtigten.

Doch heuer war alles irgendwie anders. Ich benötigte unendlich viel Zeit und geschäftsmäßige Anläufe um einen Zuckerhut aufzutreiben und dann fand ich die Feuerzange nicht. Als mich mein Nachbar, ein angeheirateter Einwanderer aus einem kleinen Dorf in der Nähe von Krakau, bei der verzweifelten Suche in der Garage, im Geräteschuppen und im Keller sah, kam er zum unsere Grundstücke trennenden Gartenzaun und hinterfragte meine Hektik. Ich schilderte ihm mein Problem, er meinte nur trocken „Ich machen!“ und verschwand in seiner Hobbywerkstatt.

Kurze Zeit später kam er mit einem selbstgebastelten Stahltrumm wieder, das man durchaus mit einer Feuerzange vergleichen konnte. Selbstverständlich lud ich ihn ein, bei unserer illustren Runde dabei zu sein. Es wurde ein herrlicher, unvergesslicher Abend und unser Feuerzangen-Pole erzählte mindestens genau so viele Gschichtln von seiner polnischen Schulzeit wie wir. Und so ganz nebenbei: Die Polen nehmen Wodka statt Rum zum Tränken des Zuckerhuts, was wir im kommenden Jahr ziemlich sicher einmal ausprobieren werden.

Ach ja, meine Feuerzange ist dann am nächsten Tag doch aufgetaucht. In der Hütte unseres Hundes. Gemeinsam mit einem Schraubenschlüssel und einem Sägeblatt.

redaktion(at)hotelundtouristik.at

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