16.10.2020

Der heiligen Helga sei Dank

Salzburger Millionenspiele: Die Festspielhäuser der Mozartstadt werden um den stolzen Betrag von 262 Millionen Euro saniert. Ein Kommentar von Axel Schimmel.

Alleine die Tatsache, dass es heuer Festspiele gab, dürfte reichen, um ihre Präsidentin Helga Rabl-Stadler in eine Art Heiligenstatus zu befördern. Zumindest wird garantiert mal eine Straße oder ein Platz nach ihr benannt. Mit dem Herz einer Löwin kämpfte sie um ihr Festival, das – wenn auch auf rund Drittel der Dimensionen zu normalen Festspielen zusammengeschrumpft – vor den verdutzten Augen der internationalen Kulturschickeria dennoch über die Bühne ging. Die „New York Times“ lobten das Engagement ausdrücklich, der britische „Guardian“ war voll Häme, ob das in Seuchenzeiten wirklich sein müsse.

Tausende Tests, eine Infektion

Von den letztlich aufgelegten 80.000 Karten wurden fast alle verkauft, die Musikkritiker waren weitgehend zufrieden. Nur manch altvorderer Fan wünschte sich vollzählige Orchester auf der Bühne und ein dieser Besetzung entsprechendes Programm. Die Festival-Organisation führte mehrere tausend Testungen durch, lediglich eine Mitarbeiterin im Kartenbüro musste aufgrund eines positiven Ergebnisses in Quarantäne. Und sogar Superstar Anna Netrebko infizierte sich erst nach ihrem Salzburg-Auftritt bei einem Konzert in Russland.

Striktes Sicherheitskonzept

In der Abwicklung von Konzert, Oper und Schauspiel ließ die Festspielleitung nichts dem Zufall über. Massiv ausgeweitete und mehrfache Zutrittskontrollen, mittels QR-Code personifizierte Tickets und den erforderlichen hinterlegten Personendaten sowie aufmerksamen Saaldienern, die jegliches Wacheln mit dem Programm oder gar Fächern schon im Ansatz unterbanden, ging dieses Großkunstfestival erstaunlich ruhig und vor allem sicher über die Bühne.

Klotzen, nicht kleckern

Die Verantwortlichen, allen voran Helga Rabl-Stadler, könnten sich bequem zurücklehnen und das Jahr 2021 planen. Die resolute Präsidentin jedoch trieb die lange anstehende Sanierung des großen Hauses sowie des „Hauses für Mozart“ voran. Mit dem Landeshauptmann präsentierte die Präsidentin ein Vorhaben, das satte 262 Millionen Euro kosten soll und über mehrere Jahre bei laufendem Betrieb durchgeführt werden soll. Dagegen nehmen sich die 55 Millionen für die Sanierung der Bregenzer Seebühne eher bescheiden aus. Der fast schon monströsen Summe liegt aber auch ein Raumgewinn zugrunde, der durch weiteres Aushöhlen des Mönchsberges geschehen soll, in den die Festspielhäuser samt Felsenreitschule bekanntlich jetzt schon tief hineinragen. Vorsorglich haben die Budgetrechner eine Übersiedelung der Werkstätten an die Stadtperipherie als eine Art Plan B kalkuliert. Mit dem Ergebnis, dass das auch nicht billiger wäre. Immerhin wollen der Bund, das Land und die Stadt den Betrag im Verhältnis 40:30:30 schultern.

Zehn Seilbahnen

Nun sind Investitionen in eine „Randsportart“ wie die Kultur immer umstritten, zumal in dieser Höhe. Wenn so manch hartgesottener Wintertouristiker nun versucht ist die Nase zu rümpfen, dann sollte dieser die Rechnung anders anlegen: 262 Millionen Euro, das sind ungefähr zehn neue Seilbahnen oder Sessellifte. Da schaut dann die Summe gar nicht mehr so arg aus – bloß, wo sollte man die noch bauen? Was Lifte für die Gaue im Innergebirg bedeuten, bedeuten die Festspielhäuser für die Stadt Salzburg. Laut Wirtschaftskammer Salzburg sorgen die Festspiele für eine Gesamtwertschöpfung von 215 Millionen Euro, 77 Millionen Euro alleine direkt durch Abgaben und Steuern. Außerdem schafft der Kulturbetrieb nicht weniger als 3400 Vollzeitarbeitsplätze.

Wenn die Renovierung des Parlaments am Wiener Ring über 500 Millionen Euro verschlingt, dann ist die Hälfte der Summe für das weltweit wichtigste Kulturfestival wohl nur recht und billig – der heiligen Helga sei Dank.

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