01.10.2020

„Der Hut brennt und er wird noch länger brennen“

Steigende Corona-Infektionszahlen und Reisebeschränkungen trüben die Aussichten für die ohnehin schwer angeschlagene Stadthotellerie. "Die Situation ist ernster als viele glauben", so Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer.

Innerhalb der WKÖ wurde die Taskforce Stadthotellerie gegründet (Stammgast. Online hat berichtet), die an Maßnahmen arbeitet, die der Branche effektiv helfen können. Dabei geht es zum einen um Verlängerungen von bestehenden Maßnahmen und ganz eigene Instrumente. Kommende Woche soll es dazu Gespräche mit Finanzminister Gernot Blümel und Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (beide ÖVP) geben. Auch mit den Sozialpartnern und Arbeitsministerin Christine Aschbacher (ÖVP) wolle man sich zusammensetzen.

Gefordert wird unter anderem eine Verlängerung der Kurzarbeit, wobei Mahrer davon ausgeht, dass eine weitere Verlängerung im Frühling nur noch wenigen Branchen gewährt werde. Zudem soll es einfacher werden, bei der Kurzarbeit auf eine Mindestarbeitszeit von 10 Prozent hinunterzufahren und auch wieder aufzustocken, um flexibel auf die Buchungslage reagieren zu können.

Die Maßnahmenvorschläge

Die Verlängerung des Fixkostenzuschusses sei besonders wichtig, meinte die Obfrau des Fachverbandes Hotellerie der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Susanne Kraus-Winkler. Phase 2 des Fixkostenzuschusses müsse schnellstmöglich umgesetzt werden, "damit meine ich sofort", so Mahrer, denn sonst müssten viele Betriebe zusperren. Die EU habe da Spielraum, dieser müsse auch maximal genutzt werden. "Ich habe absolut kein Verständnis für Diskussionen auf dem Rücken der österreichischen Betriebe", so der Wirtschaftskammer-Präsident.

Auch Fristen für Rückzahlungen müssten verschoben werden, so Kraus-Winkler. In finaler Abstimmung sei ein Kreditmoratorium, um Tilgungen vorübergehend auszusetzen. Zudem solle die Investitionsprämie rückwirkend bis 15. März 2020 gelten. In Endphase sei auch ein Eigenkapitalfonds in der Höhe von 500 Mio. Euro, der je zur Hälfte von ÖHT (Österreichische Hotel- und Tourismusbank, Anm.) und Kreditwirtschaft gestellt werden soll, sagte Kraus-Winkler. Damit sollen die Bilanzen abgesichert werden. Auch über eine Lohnnebenkostensenkung würde sie gerne sprechen, "zumindest vorübergehend".

Zusperren oder nicht

Im August beklagte man in Wien einen Nächtigungsrückgang von 71,5 Prozent - da gab es allerdings noch keine Reisewarnung für die Bundeshauptstadt. Die kommenden Monate werden für die Hoteliers jedenfalls sehr herausfordernd. "Für uns ist das allerwichtigste, dass die Reisewarnungen fallen", sagte Ines Pietsch, Geschäftsführerin des Austria Classic Hotel Wien und Teil der Taskforce. Für Oktober liege die Auslastung des 80-Zimmer-Hotels aktuell bei unter 10 Prozent, "normalerweise einer der besten Monate". Im November und Dezember lande man vielleicht bei fünf Prozent, "da ist es dann schwierig Mitarbeiter in Kurzarbeit zu halten." Im kommenden Frühling müsse die Auslastung auf 50 bis 60 Prozent ansteigen, um den Betrieb aufrecht zu erhalten.

"Wenn alles gut läuft, müssen wir auf eine mehrjährige Erholungsphase blicken", sagte Sacher-Chef Matthias Winkler - auch wenn es eine Impfung oder ein Medikament gebe. Die Sacher Hotels mussten im September 140 Mitarbeiter kündigen, „eine Schließung der Hotels ist für uns aber keine Variante“, so Winkler. „Zusperren und dann wieder aufsperren wäre zu teuer.“ Generell versuchen die Betriebe jedenfalls, so viele Fachkräfte wie möglich zu halten - dafür müsse die Kurzarbeit aber verlängert werden. "Wenn es wieder losgeht, langsam und schrittweise, werden wir viele Arbeitskräfte wieder brauchen."

(APA/Red)

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