09.12.2021

Der Öffnungs-Fleckerlteppich

Branchenvertreter aus Hotellerie, Gastronomie und Tourismus kritisieren das uneinheitliche Wiederaufsperren und fordern die Fortführung von Wirtschaftshilfen.

Die am Mittwoch vorgestellten Maßnahmen zum Ende des Lockdowns bergen wenige Überraschungen, haben aber manche Hoffnung auf ein koordinierteres Vorgehen als in der Vergangenheit zerstört. „Dabei wäre das Einhalten von Zusagen die Basis für ein anhaltendes Vertrauen in den Tourismusstandort Österreich“, zeigen sich Susanne Kraus-Winkler und Mario Pulker, Obleute der WKÖ-Fachverbände Hotellerie und Gastronomie, enttäuscht.

Nach der abermaligen Zwangspause können Gastronomie und Hotellerie in einigen Bundesländern zwar nun mit 12. Dezember endlich in eine verspätete und – angesichts der Buchungslage – schwierige Wintersaison starten, in anderen Bundesländern hält das zugesagte Öffnungsdatum allerdings nicht. Besonders irritiert zeigt sich Mario Pulker über die Vorgangsweise Wiens, das eine Öffnung von Gastro und Beherberungsbetrieben erst für den 20.12. vorsieht: „Das für die Betriebe essentielle Weihnachtsgeschäft lässt sich keinesfalls in drei Tagen aufholen und ist unwiederbringlich verloren.“ Es sei völlig unverständlich, warum gerade jene Branchen, die die 2G-Regel kontrollieren, die über Präventions- und Sicherheitskonzepte etc. verfügen, wieder als einzige Wirtschaftszweige geschlossen bleiben müssen. 

Robert Seeber, Obmann der Bundessparte Tourismus, kritisiert: „Niemand aus der Branche versteht, dass immer wieder die Tourismusbetriebe, die für enorme Wertschöpfung und Beschäftigung im Land sorgen, die Ersten sind, die zusperren müssen, und die Letzten, die öffnen dürfen. Eine sachliche Rechtfertigung dafür gibt es nicht. Immerhin geht auch die AGES davon aus, dass nur 1-2 Prozent der Ansteckungen in Tourismus- und Freizeitbetrieben stattfinden“, so Seeber und unterstreicht: „Unser Ziel war immer eine breite, einheitliche Öffnung quer durch alle Branchen in ganz Österreich. Darauf haben wir vertraut, darauf haben sich die Betriebe und ihre MitarbeiterInnen verlassen. Um das angeschlagene Vertrauen nicht endgültig zu verlieren, muss das jetzt rasch gelingen, denn beim Weihnachtsgeschäft kommt es auf jeden Tag an.“

Praxisgerechte Regeln für junge Gäste gefordert

Die österreichischen Hotellerie- und Gastronomie-Betriebe können durch ihre Sicherheitsvorkehrungen, ausgefeilten und eingespielten Präventionskonzepte, 2G-Regelung und Gästeregistrierung einen großen Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie leisten, zeigt sich Susanne Kraus-Winkler überzeugt und appelliert an den Gesundheitsminister, rasch die noch fehlenden Rahmenbedingungen herzustellen: „Wir brauchen praxistaugliche Regelungen vor allem auch für Familienurlaube: für unsere jüngsten Gäste aus dem In- und Ausland, die noch nicht genesen oder geimpft sind, denen wir aber auch einen sicheren und erholsamen Urlaub in Österreich ermöglichen wollen.“

ÖHV: Hotellerie vorsichtig optimistisch

Dass die Hotels wieder öffnen können sei wichtig, „Freude“ darüber zu empfinden ginge aber zu weit, so ÖHV-Präsidentin Michaela Reitterer: „Aus mehreren Gründen: Dafür wurde uns in den vergangenen Jahren, Monaten und Wochen zu viel genommen, zumindest der letzte Lockdown hätte verhindert werden können und müssen. Was noch viel schwerer wiegt: Zu viele Hotels in zu vielen Regionen sind noch im Lockdown.“ 

Es braucht Unterstützung

Einig ist man sich bei allen Branchenvertretern, dass weiterhin kein Weg an Wirtschaftshilfen vorbeiführt. Etwa die Verlängerung der 5%igen USt. WKÖ-Obmann Robert Seeber: „Klar ist: Zu einem weiteren Lockdown darf es auf keinen Fall mehr kommen. Unsere Betriebe würden das selbst mit staatlichen Unterstützungen nicht mehr überstehen.“

Susanne Kraus-Winkler bereitet vor allem die aktuelle Unsicherheit für Betriebe und ihre Mitarbeiter Sorge: „Unsere Mitarbeiter, die jetzt ihren Job anfangen sollten, wollen arbeiten und bezahlt werden, sonst wandern sie endgültig in andere Branchen ab“, betont die oberste Branchensprecherin. Dementsprechend müssten dringend neue Hilfen, die von der Bundesregierung bereits in Aussicht gestellt wurden, zur Bewältigung und Abfederung der schwierigen Situationauf den Weg gebracht werden. Nachdem die EU- Kommission die Regelungen für staatliche Beihilfen auch weiterhin bis 30.6.2022 gelockert lassen will, braucht es bald klare Regeln über die Unterstützung. Etwa eine einfache, unbürokratische und 100%ige Kurzarbeitsbeihilfe ab dem ersten Tag, eine Verlängerung der direkten Zuschussmodelle, eine Verlängerung der Laufzeiten der Überbrückungskredite sowie Maßnahmen zur langfristige Bereinigung der Neuverschuldung.

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