18.04.2022

Der Suppenkaspar

Willy Zwerger schwärmt in seinem österlichen Willys Gastro-Wochenrückblick diesmal über die Vielfalt der Suppenkultur und trauert, weil diese vielfach verloren gegangen ist.

Ihnen kann ich es ja verraten, ich liebe Suppe. Und zwar egal welche, von der klaren mit nur vereinzelt sichtbaren Andeutungen von Einlagen über eindeutig strukturierte namensgebende bis hin zu kräftigen Cremesuppen egal welchen Couleurs. Und natürlich auch die kalten Suppen, also die Gazpachos und Okroschkas dieser Welt. Vor geraumer Zeit habe ich Ramen entdeckt, Bowls und Phos - unvergleichliche Köstlichkeiten aus dem asiatischen Raum. Und so vü xund.

An dieser Stelle ein kleiner Rückblick. Als Kind konfrontierte man auch mich immer wieder mit dem pädagogisch ziemlich fragwürdigen Buch „Der Struwwelpeter“ mit seinen kranken Protagonisten wie dem Daumenlutscher, dem Zappel-Philipp, dem Hans-Guck-In-Die-Luft, dem Fliegenden Robert, dem Schwarzen Buben, dem Bösen Friedrich und eben dem Suppenkaspar. Autor Heinrich Hoffmann führte uns auf ziemlich drastische Art und Weise vor, wie wichtig Suppe sei, weil man ohne sie spätestens am fünften Tage dem Tod geweiht scheint.

So habe ich also gelernt, dass eine Mahlzeit ohne Suppe keine richtige Mahlzeit sei, eine Suppe allein jedoch sehr wohl. Somit ist es nur zu verständlich, dass ich bei einem Lokalbesuch immerzu zuerst das Suppenangebot studiere und die eine oder andere auch bestelle. Ebenfalls stets mit einer Suppe bedacht sind meine selbsgekochten Feiertags-, Geburtstags- oder ganz normale Menüs, was sowohl meine Familie als auch meine Freunde sehr zu schätzen wissen. By the way: Für mich nach wie vor, und das bereits seit vielen Jahrzehnten, die beste Suppe ever ist eine kräftige Rinderbouillon mit vorher gerösteten Knochen, Zwiebeln mit Schale, etwas Wurzelgemüse im Ganzen und einem Weißen Scherzl als Fleischeinlage.

Zurück in die Restaurants und Wirtshäuser. Wenn ich mir dort also in der Meinung ein feines, selbsgemachtes Supperl zu bekommen, ein solches bestelle und in freudiger Erwartung dem ersten Löffel entgegenfiebere und dann eine Packelsuppe serviert bekomme, kann es durchaus sein, dass ich augenblicklich zum Suppenkaspar mutiere und auch den Rest verweigere. Was im übrigen in der Vorwoche ein Lokal mit einigen Hauberln ziemlich eindrucksvoll zu spüren bekam.

redaktion(at)hotelundtouristik.at

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