28.01.2021

"Der Winter ist gelaufen, für den Sommer bin ich positiv"

Den Sporthandel trifft der fehlende Wintertourismus hart. Holger Schwarting, Vorstand von Sport 2000, im Interview über die aktuelle Situation, Online-Strategien, Trends und Pläne.

Trotz dramatischer Umsatzverluste von 90 Prozent und mehr gebe es keine Berücksichtigung des touristischen Sportartikelhandels beim neuen Hilfspaket der indirekt betroffenen Branchen durch die Regierung, beklagen die Sportartikelhändler. Skiverleih und Skiservice sind vom Ausbleiben der Gäste im gleichen Ausmaß betroffen wie die Hotellerie, aber für die Fachhändler ist kein Umsatzersatz vorgesehen, beklagte sich die Branche Anfang des Jahres.

Rund 50 Prozent der „Sport 2000“-Händler leben vom Umsatz der Skitouristen in den Wintermonaten. Umsatzverluste aus dem Skiverleih und dem Skiservice können nicht nachgeholt werden. Hilfe ist dringend notwendig, fordert Unternehmenschef Holger Schwarting.

Herr Schwarting, die erste Jahreshälfte 2020 war trotz Lockdown für den Sporthandel im Allgemeinen, aber auch für Sport 2000 im Speziellen eigentlich sehr gut. Wie sieht die Bilanz für die zweite Jahreshälfte und insbesondere für die Wintermonate aus?
Holger Schwarting: Wir können das vergangene Jahr in mehrere Segmente unterteilen. Bis Mitte März verzeichneten wir in Summe einen guten Winter und konnten in den Skigebieten eine wirklich gute Bilanz vorweisen. Die Saison fand aber mit dem Lockdown ein abruptes Ende. Das traf vor allem die Tourismushändler im Westen Österreichs, die das Ganze mit dem aktuellen Lockdown gleich zweifach trifft. Das heißt, ihnen wurde nicht nur die Saison 19/20 abgeschnitten, die Saison 20/21 ist außerdem extrem schlecht angelaufen. Das hat Folgen für die ganze Branche. Der Alpinski zum Beispiel verkauft sich zurzeit gar nicht. Das heißt, dass die Händler nächsten Winter kaum etwas einkaufen werden, was wiederum die Zulieferer massiv treffen wird.

Die Stadt-Land-Händler hatten es besser und wurden direkt überrascht, wie stark sich die Österreicher direkt nach dem Lockdown für Sport interessiert haben. Dadurch konnten wir die Umsätze, die wir im Lockdown verloren haben, bis zum September wieder aufholen und waren sogar leicht über dem Vorjahr. Der zweite Lockdown hat dann wieder wehgetan, da er unter anderem das Weihnachtsgeschäft gebremst hat. Alles in allem gehen wir davon aus, dass Sport 2000 im Jahr 2020 bestenfalls Plusminus Null im Vergleich zum Vorjahr aussteigen wird – eher leicht rückläufig. Dabei täuschen aber auch unsere neu aufgenommenen Mitglieder und Händler ein wenig über den Umsatzverlust bei bestehenden Händlern hinweg.

Der Jahreswechsel hat für den Sportdrang der Österreicher immer eine besondere Bedeutung, denn „Mehr Sport“ findet sich jedes Jahr ganz oben bei den Neujahrsvorsätzen. Welchen Einfluss haben die auf das Sportgeschäft?
Wir haben das immer gespürt. Vor allem die Themen Laufen und Fitness für zu Hause stehen zu dieser Zeit hoch im Kurs. Dieses Jahr ist das aber anders. Das Thema Gesundheit hat durch Covid-19 einen enormen Push erfahren, da gehört auch Fitness dazu. Durch das Home-Office hat der Bewegungsdrang zugenommen. Vor allem Individualsportarten sind beliebt – im Sommer Laufen, Wandern und Fahrradfahren; im Winter Touren gehen, Langlaufen und Fitness zu Hause. Diese Trends lassen sich seit Beginn der Pandemie beobachten und wurden durch das Neujahr nur bedingt getriggert. Wir befinden uns auf einem konstant hohen Level.

Die Trends von 2020 sind ja auch die für 2021. Kamen die überraschend?
Gerade was das Tourengehen und Schneeschuhwandern angeht schon. Wir beobachten hier zwar schon in den letzten Jahren ein stetiges Wachstum, aber einen so starken Anstieg haben wir nicht erwartet. Das führt momentan leider auch zu Angebotsengpässen, weil die Händler und wir diese Nachfrage einfach nicht einkalkuliert haben.

Der Wintertourismus fällt in dieser Saison großteils aus. Schauen Sie trotzdem positiv in die Zukunft?
Ich bin absolut zuversichtlich. Zwar haben wir im Wintertourismus eine harte Zeit vor uns – da müssen wir einfach akzeptieren, dass die Saison gelaufen ist – für Frühling und Sommer bin ich aber durchaus positiv. Die Händler haben gut eingekauft und wir rechnen mit einem Wachstum in den Trendbereichen. Ich denke aber, dass erst 2022 wieder ein Jahr sein wird, wo wir "normal" verkaufen können.

Was sind Ihre Ziele für 2021?
Seit ich in der Sportbranche bin, war es noch nie so schwer, ein Jahr zu prognostizieren. Aber ich denke, dass wir das Kalenderjahr mehr oder weniger auf Vorjahresniveau abschließen können. Durch die bevorstehenden Impfungen, sollte auch die nächste Wintersaison wieder stark sein, das zeigen Studien und auch ich bin überzeugt. Die Touristen wollen Ski fahren und werden wieder gerne nach Österreich kommen.

Bleibt nur zu hoffen, dass die Österreicher ihre Sportbegeisterung bis dahin halten können…
Zum einen das. Zum anderen aber auch, das Bewusstsein für Regionalität. Die Österreicher haben sich in den letzten Monaten auch dahingehend sensibilisiert, dass regionale Händler wichtig sind und regionale Händler-Strukturen nur dann erhalten werden können, wenn man aktiv dort einkauft. Wenn diese Trends anhalten, dann tut uns das im Sporthandel gut.

Vielen Dank für das Gespräch.
 

Über Sport 2000

Sport 2000 ist Österreichs größte Fachhändlergemeinschaft mit Sitz im oberösterreichischen Ohlsdorf und einem Marktanteil (inkl. Gigasport) von 29 Prozent. 240 Händler mit 403 Geschäften in ganz Österreich erzielten 2019 einen Umsatz von 579 Mio. Euro. Sport 2000 Österreich (inkl. Tschechien und Slowakei) erwirtschaftete mit insgesamt 306 Sportfachhändlern und 518 Geschäften im Jahr 2019 einen Umsatz von 634 Mio. Euro.

(Autorin: Christina Grießer)

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