23.04.2021

Die attraktive Nähe

Das Comeback des Tourismus steht bevor und Kärnten hat sich im Vorjahr die Poleposition erarbeitet. Christian Kresse, Geschäftsführer der Kärnten Werbung, im Gespräch über Sehnsuchtserfüllung und Haltungsfragen.

In normalen Jahren würden wir über Zwischen- und Nebensaisonen sprechen, das fällt ins Wasser. Mit welcher Kraft geht die Kärnten Werbung in die Bewerbung der Sommersaison?
Christian Kresse: Die Zeichen einer Öffnung weisen (schon länger) auf Mitte Mai. In diese Richtung arbeiten wir intensiv und bereiten uns darauf vor. Mit gewissen Kommunikationssträngen haben wir bereits begonnen, und dann muss es von der Inspirationsphase in die Aktivierungsphase gehen. Wir werden klare Antworten und Perspektiven geben für einen spontanen Urlaub in Kärnten.

Welche Themen werden das sein?
Kärnten hat in den vergangenen Jahren sehr viele Themen erfolgreich aufgebaut, die jetzt zu den wichtigsten Sehnsüchten unserer Gäste zählen. Darauf setzen wir. Die wichtigsten Schwerpunkte sind Natur aktiv per se mit Wandern und Radfahren, der Urlaub am See und ganz zentral die regionale Küche. Der nächstgelegene Süden wird viele Menschen inspirieren zu verreisen – und dann hoffentlich nach Kärnten. 

Kärnten hat sich im letzten Sommer erfolgreich als Sehnsuchtsziel präsentiert. Was sind die Lernprozesse daraus? 
Wie Sie richtig sagen, haben wir letztes Jahr sehr viel richtiggemacht. Es gab und gibt zahlreiche Punkte, die für Kärnten sprechen. Unser klares Ziel lautet, an das letzte Jahr anzuknüpfen. Zwei große Achsen sind sichtbar geworden: Erstens der Wunsch und die Sehnsucht nach Bewegung in der Natur, sich selbst wieder spüren und erleben. Zweitens der Dialog mit Menschen, der persönliche Austausch, sowie der Respekt vor Leistung in vielerlei Hinsicht. Da schließt sich die Brücke zum Thema Kulinarik und der Wertigkeit zu regionalen, echten Lebensmitteln. 

Heuer wird es wieder einen Wettbewerb um den heimischen Gast geben. Wie wird ein gegenseitiges sich Aufreiben unter Österreichs Regionen vermieden?
Wir werden jedenfalls nicht in irgendwie geartete Marketingwettbewerbe eintreten. Gerade in der Pandemie zeigt sich beim Thema Reisen einmal mehr, dass es im Marketing oder in der Kommunikation kein Gegeneinander, sondern ein Miteinander verlangt. Tourismus ist nicht Geschäftemacherei, er hat vielmehr mit Achtsamkeit, Respekt, Wertschätzung zu tun. Unsere Priorität liegt darin, den Gästen Sicherheit zu geben: dass wir uns sehr sorgfältig vorbereiten, dass uns die Gesundheit der Gäste, Mitarbeiter und Einheimischen wichtig ist. In Kärnten ist nun vielen deutlich bewusstgeworden, wie bedeutend die Tourismusbranchen für das Land sind, für dessen Belebung und den Dialog zwischen den Kulturen. Unser Claim „It's my life!“ bildet nicht zuletzt eine Haltungsfrage ab, nämlich unser Leben und unsere Zeit noch viel achtsamer zu nutzen.

Im Sommer 2020 besuchten viele Gäste erstmals Kärnten oder haben die Destination wiederentdeckt. Wie kann man diese Gäste reaktivieren, wenn wieder offene Grenzen, Strand und Meer locken?
Kärnten hatte im Vergleich die geringsten Nächtigungsrückgänge, wobei das letzte und auch dieses Jahr absolute Ausnahmejahre sind. Gleichzeitig bietet die Situation gewisse Chancen. So ist die Wiederbesuchsabsicht gestiegen und viele Menschen entdeckten, dass das Urlaubsangebot um die Ecke mindestens genauso erholsam und attraktiv ist wie die Ferne. Die Mundpropaganda über den Urlaub vom letzten Jahr in Kärnten lässt uns sehr optimistisch in die kommende Sommersaison blicken; vorausgesetzt, die Umstände lassen das zu.

Die Kampagnen für die internationalen Märkte liegen wahrscheinlich schon in der Schublade?
Genau. Im Vorjahr war eine schnelle Reaktion gefragt, diesmal sind die Aktionen wesentlich früher ausgearbeitet. In Österreich beginnen wir bereits mit unseren Kommunikationsaktivitäten, für die internationalen Märkte sind sie vorbereitet. Mit der Bekanntgabe von Grenzöffnungen starten wir los, denn dann werden Entscheidungen für den Urlaub getroffen; die Buchungsentscheidung passiert noch kurzfristiger.

Ein kurzer Blick zurück in die Wintersaison, die im Grunde ein Totalausfall war. Haben die Betriebe noch Luft zum Durchhalten?
Das ist eine breite Frage, die sich nicht einfach so beantworten lässt. Ich glaube, dass die Erfahrung aus dem Vorjahr, nach einer ähnlich frustrierenden Phase eine überraschend gute Sommersaison gehabt zu haben, die Hoffnung nährt. Optimismus schlägt Resignation. Wenn die Grenzen offen sind, können wir unseren Gästen wieder ein sehr attraktives Angebot bieten. Die Nachfrage wird nicht unsere größte Sorge sein.

Wie bewerten Sie den Abschied von Petra Stolba als Geschäftsführerin der Österreich Werbung und die Neubesetzung durch Lisa Weddig? 
Kärnten ist traditionell einer der stärksten Partner der Österreich Werbung. Mit Petra Stolba hatten wir eine ausgezeichnete Zusammenarbeit, ebenso mit dem gesamten Team der Österreich Werbung. Die neue Geschäftsführung, Frau Lisa Weddig, kenne ich noch nicht persönlich. Wir heißen sie herzlich willkommen und hoffen auf eine mindestens genauso gute Zusammenarbeit wie mit Petra Stolba. 

Wie müssen die neun LTOs gemeinsam mit der ÖW zukünftig strategisch agieren?
Wir haben vernommen, dass es eine Neuausrichtung der ÖW geben wird. Wir sind in dieser Frage abwartend, was uns dazu präsentiert wird. Eine starke Österreich Werbung ist für das ganze Land wichtig, deshalb gehen wir davon aus, dass die richtigen Entscheidungen getroffen werden. 

Danke für das Gespräch.
 

Tipp! Mehr über die Sommersaison in Kärnten, die Stärken im Radtourismus und die erfolgreiche Kooperation in der Region Alpe Adria lesen Sie in der ersten Ausgabe von hotel & touristik essen, die am 14. Mai erscheint.

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