03.12.2021

Die Bananenschachtel wird digital

In knapp einem Jahr hat Burgenland Tourismus gemeinsam mit der feratel media technolgies AG ein digitales Meldewesen auf den Weg gebracht, das ab 1. Jänner 2022 im Rahmen des neuen Tourismusgesetzes für alle burgenländischen Betriebe und Gemeinden verpflichtend ist. Eng daran geknüpft ist mit der Burgenland Card Österreichs erste ganzjährige Umlagenkarte. 

Kleines Bundesland, großer Vorreiter: Das Burgenland zeigt mit dem, was der Geschäftsführer von Burgenland Tourismus, Didi Tunkel, bereits im September als „grenzgeniales Projekt“, das in Coronazeiten entstanden ist, bezeichnete, im Reigen aller neun Landestourismusorganisationen gerade groß auf. Ist man doch mit dem per 1. Jänner 2022 gesetzlichen Cut-over des digitalen Meldewesens österreichweit Pionier, freut sich Tunkel, und wird von den anderen Landestourismusorganisationen ob der gesetzlichen Verankerungen „auch ein wenig beneidet.“ Weil eben diese behördliche Verpflichtung – eingebunden im neuen Landestourismusgesetz – den Grundstein für eine erfolgreiche Transformation des althergebrachten händischen Meldesystems legte.

Der Mensch mag halt keine Veränderungen, sagt Tunkel und verweist mit Verständnis auf die diesem Projekt anfangs von vielen Betrieben entgegengebrachte Kritik und der über viele Jahre gelebten Methodik von zig „Bananenschachteln“, die man vollgestopft mit händisch ausgefüllten Meldezetteln zwischen Betrieb und Gemeindeamt hin- und hergeschleppt hat. Mit dieser nicht mehr zeitgemäßen Vorgangsweise ist nun Schluss, die passt nicht mehr in unsere digitale Zeit, weiß der Chef des Burgenland Tourismus. Und so hat dessen Team mit Landeshauptmann Hans Peter Doskozil als Treiber im Rücken ordentlich auf die Tube gedrückt und gemeinsam mit feratel in sieben Monaten das möglich gemacht, was Experten grundsätzlich mit eineinhalb Jahren Zeit- und Arbeitsaufwand veranschlagen: Ein digitales Meldewesen für das Burgenland zu entwickeln, das den 1.400 Betrieben nun vom Burgenland Tourismus kostenlos zur Verfügung gestellt wird und mit der Burgenland Card einen doppelten Mehrwert für Betriebe wie Gäste bietet.

„Mittlerweile sind alle 136 Berichtsgemeinden und 90 Prozent der Betriebe umgestellt, die Mehrheit meldete auch bereits digital und man erkennt, weil das System ein sehr einfaches ist, die große Erleichterung im Prozess der Gästeanmeldung“, sagt Tunkel und erklärt die Zielsetzung, die dem Entwicklungs- und Implementierungsprozesses voranging: „Es sollten möglichst viele Schritte im Gästemanagement unter einem Dach digitalisierbar sein. Von der Angebotspräsentation über die Gästemeldung bis zur Burgenland Card sollte alles aus einem System bedient werden können. Also eine All-In-One Lösung, eben diese konnte die fertatel media technolgies AG anbieten und in kürzester Zeit umsetzen.“ 

Window to the world

Mit der feratel media technologies AG hat man sich auch ein Kaliber im Bereich touristischer Gesamtlösungen ins Boot geholt, die vom kleinen Hotelbetrieb bis zu ganzen Tourismusregionen und Skigebieten im D-A-CH-Raum, in vielen weiteren europäischen Ländern und den USA ganzheitliche Technologielösungen in den Bereichen Telekommunikation, Informations- und Reservierungssysteme und Medien erfolgreich umsetzt.

Im Burgenland, besser gesagt am Neusiedler See, ist man bereits seit 20 Jahren „zu Hause“ und kommt nun mit der Implementierung des feratel WebClients burgenlandweit zum Einsatz, mit dem jetzt alle 1.400 Betriebe über Schnittstellen Zugang zur feratel Deskline haben und somit die digitale Gästemeldung direkt aus dem Hotelprogramm managen können. Nichts muss also mehr händisch auf einem Blatt Papier erfasst und später digital erfasst werden. 

„Mit dem einheitlichen Informations- und Buchungssystem Deskline sowie der flächendeckenden Einführung der elektronischen Gästemeldung mit Online Check-in und der Gästekarte nimmt das Burgenland zweifelsohne eine Vorreiterrolle ein. Gäste, Leistungspartner und Tourismusverantwortliche im Burgenland profitieren auf ganzer Linie. feratel freut sich sehr, diesen Innovationsschritt digital begleiten zu dürfen und Teil dieses touristischen Leuchtturmprojektes zu sein“, bekundet Bernhard Taurer, Leiter Servicecenter bei feratel media technologies AG.

Wenn man noch weiß, dass ca. 80 Prozent des österreichischen Nächtigungsvolumens in den feratel-Systemen erfasst sind, wäre eine breite Basis für ein österreichweites digitales Meldewesen bereits gelegt. Weil es aber eine gesetzliche Grundlage braucht – wie sie eben im Burgenland im neuen Tourismusgesetz verankert ist – werden die Kollegen in manchen Bundesländern wohl noch länger ein Auge aufs Burgenland werfen. Obwohl, und das betont Taurer, es keine Sonderlösung für das Burgenland ist, und man allen Kunden ein gleichwertiges System bietet. „Alle Benchmarks, die wir im Burgenland für die Betriebe ‚eingebaut‘ haben, können am ganzen Markt ausgerollt werden und würde allen LTOs zur Verfügung stehen.“ Tirol, so Taurer, gehe bereits in eine ähnliche Richtung und forciert stark die Digitalisierung, jedoch – weil eben nicht per Gesetz verpflichtet – nicht nach „burgenländischem Muster“. 

Baba Zettelwirtschaft 

Und das sieht, wie Thomas Wagner, Leiter Digitalisierung & IT Services bei Burgenland Tourismus erklärt, wie folgt aus: Jeder Betrieb kann die für sich und seine Gäste passende Form der Gästemeldung wählen. Der WebClient von feratel bietet verschiedene Möglichkeiten – je nach Altersgruppe des Gastes, Technikaffinität der Gastgeber sowie deren technischen Ausstattung.

Betriebe sehen vor allem den Vorteil der rascheren Abwicklung der Gästemeldung. Sie haben die Wahl zwischen gänzlich digitaler Abwicklung ohne Meldezettel aus Papier oder einem aus dem System ausdruckten Meldeschein. Einen großen Vorteil bringt die Funktion des Self Check-in. Übersichtliche Darstellungen und Statistiken der eigenen Gästemeldungen sind über den WebClient, über den die Betriebe melden, möglich. Ermöglicht wird auch eine praktische Adressverwaltung und die Verwendung von bereits gespeicherten Gästedaten bei neuen Meldescheinen. Das ist bei Stammgästen enorm zeitsparend, weil die Gästedaten einfach übernommen werden können und diese nicht mehr neu eingegeben werden müssen.

Die ersten Rückmeldungen von Gemeinden sind sehr positiv, da beispielsweise die Abrechnung der Ortstaxe und die Statistikmeldung viel weniger Zeit in Anspruch nehmen als zuvor. Mit rund 150.000 Euro für die technische Anbindung, Lizenzkosten, Kosten fürs Marketing, technische Hilfestellungen und natürlich für die Burgenland Card greift der Burgenland Tourismus wohl für dieses Prestigeprojekt gerne tief ins Säckel. Weil man dafür quasi auf Knopfdruck tagesaktuell relevanten Daten in Echtzeit abrufen kann. Wie viele Touristen, ob männlich oder weiblich, aus welchen Ländern gerade im Burgenland sind usw. – ein kluges Statistik- und Steuerungselement, das Prognoserechnungen ebenso wie den Betrieben den Blick über deren Benchmarks und Referenzwerte hinaus ermöglicht. „Völlig anonym,“ betont Tunkel mit Nachdruck.

Türöffner Burgenland Card 

Ebenfalls in Rekordzeit wurde im heurigen Juli die neue Burgenland Card gelauncht, die das Urlaubserlebnis mit einem tollen Angebot ins Zentrum stellt. Der Gast erhält die Burgenland Card ab der ersten Nächtigung in einem Partner-Beherbergungsbetrieb für die Dauer seines Aufenthaltes kostenlos, verbunden mit einer Vielzahl an Angeboten und Attraktionen aus Kultur, Bewegung, Familie, Wellness, Wein & Kulinarik sowie Teilen des öffentlichen Verkehrs wie zum Beispiel die VOR rund um den Neusiedler See und der neue Südburgenland Bus.

Bis dato wurden 560 Verträge mit Vermietern geschlossen, dazu mehr als 180 Verträge mit Gratis-Leistungs- und Bonuspartnern, bei denen die Leistungen kostenlos oder vergünstigt genutzt werden können. Durch die Anbindung des Card-Systems an das feratel-Meldewesen ist eine einfache Ausstellung und Ausgabe der Gästekarte direkt beim Gastgeber möglich. 

„Die Burgenland Card ist die erste österreichische Umlagekarte für ein ganzes Bundesland, die ganzjährig angeboten wird. Das flächendeckende Erlebnisangebot soll die Nachfrage sowohl in der Hauptsaison als auch in den
Saisonrandzeiten bzw. in der Nebensaison stützen und somit auch die Wertschöpfung in der Region nachhaltig steigern. Im Hintergrund wird die Karte technisch auf neue Beine gestellt, um einerseits eine effiziente Abwicklung sicher zu stellen und andererseits für kommende Technologiesprünge gerüstet zu sein. Somit setzt der Burgenland Tourismus auch mit der neuen Burgenland Card im Bereich der österreichischen Gästekarten neue Maßstäbe und schafft für Gäste sowie Gastgeber ein tolles Angebot“, fasst Gerfried Fleckl, Spezialist für Abrechnung und Analyse touristischer Gästekartensysteme, die Vorteile zusammen.

Bis 30. April 2022 kommen Burgenland Card-Besitzer zudem in den Genuss des Burgenland Card Bonustickets. Bei ein em Aufenthalt von mindestens dreiaufeinanderfolgenden Nächten in einer Burgenland Card-Partnerunterkunft erhalten Gäste einmalig bis zu 75 Euro pro Person rückerstattet. 50 Prozent Ermäßigung auf das neue offizielle Burgenland-Raddress sowie viele weitere Preisreduktionen bei einem Einkauf im neuen Burgenland Tourismus Online-Shop sind besondere Goodies der Burgenland Card. 

Digitaler Urlaubsassistent kommt

Doch das ist noch lange nicht das Ende des Weges. Auf der Agende des Burgenland Tourismus steht etwa ein digitaler Urlaubsassistent, der dem Gast alle Infos rund um seinen Aufenthalt im Bundesland – natürlich gekoppelt mit dem digitalen Meldewesen – einfach in die „Hosentasche“ liefern soll. Und was die Burgenland Card betrifft, so ist die aktuelle Umlagenkarte der erste Schritt eines Dreistufenplans, der im zweiten Schritt aus der Gästekarte eine Zielgruppenkarte machen und damit die vielen im Burgenland existierenden Kartensysteme bündeln soll. Im dritten Schritt soll es eine Kaufkarte geben, die dann auch für Tagesgäste gelten soll. 

Die Zielrichtung fürs Burgenland ist klar: Noch digitaler und noch moderner werden, mit dem digitalen Meldewesen und der neuen Burgenland Card ist dafür die solide Basis gelegt. „Langweilig wird uns sicher nicht und dann hoffen wir natürlich alle, dass 2022 endlich wieder ein Jahr wird, das zwölf Monate Tourismus in all seinen bunten und lebendigen Facetten durchgängig ermöglicht“, sagt Tunkel und darf sich schon jetzt über gute Nächtigungszahlen freuen. Im Sommerhalbjahr verzeichnete das Burgenland ein Nächtigungsplus von +15,9 Prozent, im Oktober lag dieses sogar bei 26,6 Prozent.

(Von Brigitte Charwat)

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