12.10.2021

Die Krise der Lehre anpacken

Der Arbeitskräftemangel wird die Branche verändern, die Probleme beginnen schon in der Ausbildung. Mehrere Initiativen versuchen nun entgegenzusteuern.

Die Nachricht diesen Sommer war ein Schock. Aufgrund von zu wenigen Anmeldungen gibt es heuer erstmals keine Klasse im Tourismus-Kolleg der Kärntner Tourismus Schule (KTS) in Villach. Österreichweit haben Tourismusschulen mit ähnlichen Problemen zu kämpfen, die Perspektive auf eine Karriere im Tourismus hat in Zeiten von Corona eine tiefe Delle erhalten. In der Lehre ist diese schon länger deutlich sichtbar, mittlerweile rostet es darunter. Das beweist nicht nur der Blick in die Praxis in den Betrieben, sondern auch die Statistik.

Ende 2020 gab es in der Tourismus- und Freizeitwirtschaft 7.876 Lehrlinge, das sind krisenbedingt um über 1.000 weniger als im Jahr davor. Anfang des Jahrtausends waren es hingegen noch knapp 13.000 Lehrlinge in der Branche – ein Rückgang um fast 40 Prozent. Das ist zum Teil auch ein hausgemachtes Problem, denn im gleichen Zeitraum sank die Anzahle der Lehrbetriebe von 4.369 auf 2.925 oder um 33 Prozent. Noch immer unter den zehn beliebtesten Lehrberufen branchenübergreifend zählen bei den Mädchen Köchin (1.116), Restaurantfachfrau (907) und Hotel- und Gastgewerbeassistentin (904), bei den Burschen Koch (2.190). Allesamt verzeichnen im Vergleich zu 2002 zum Teil deutliche Rückgänge.    

Der Trend hält an, denn im August 2021 lag die Anzahl der Lehrlinge im Tourismusbereich abermals um 14,4 Prozent niedriger als im Vergleichsmonat des Vorjahres. „Manche Lehrberufe sind viel stärker vom Rückgang betroffen als andere“, erläutert Susanne Kraus-Winkler, Obfrau der Sparte Hotellerie in der WKÖ, die Ergebnisse. Hotelkaufmann/frau (- 13,3 Prozent), Gastronomiefachmann/frau (- 10,8 Prozent), Koch/Köchin (- 10,7 Prozent), Hotel- und GastgewerbeassistentIn (- 8,8 Prozent) oder Systemgastronomiefachkraft (- 7,4 Prozent) verloren deutlich. Einen überdurchschnittlichen Rückgang verzeichnete man beim Lehrberuf Restaurantfachmann/frau (- 22,7 Prozent) und geradezu einen Absturz gibt es bei ReisebüroassistentIn (- 47,5 Prozent bzw. 64 Lehrlinge zu 122 Lehrlingen vor Jahresfrist). Freude herrscht bei der Branchenvertreterin hingegen über den deutlichen Zuwachs „beim neu von uns geschaffenen Hotel- und Restaurantfachmann/frau mit einem Anstieg von sieben auf 39 Lehrlinge“, so Kraus Winkler. Das ist ein sattes Plus von 557 Prozent.

Kärnten startet Informationsoffensive

Betriebe und Branchenvertreter wissen, so kann es nicht weitergehen. Dienstleistung ist personalintensiv, fehlen die Fachkräfte langfristig, schließt der Hausschlüssel endgültig. Über die letzten Jahre wurde immer mehr in Ausstattungsqualität und Modernität investiert. Austria Trend Hotels etwa gründeten eine Lehrlingsakademie (mehr dazu hier), und die Österreichische Hoteliervereinigung rief Ende Julie eine Akademie für Lehrlingsausbildner ins Leben, um mit qualifizierten Führungskräften die Abbruchquote effektiv senken und Lehrlinge aktiv entwickeln (mehr dazu hier). 

Kürzlich startete Kärntens Tourismus ein Pilotprojekt für die Lehre. Auf der Lehrstellenplattform www.tourismusdrin.at können sich Betriebe kostenlos eintragen und von interessierten Jugendlichen gefunden werden. Geboten wird ein schneller Überblick nach Regionen sowie Filtermöglichkeiten nach Lehrberuf und Postleitzahl. Die Idee dahinter: Bisher gab es zwar viele Informationen über die Tourismusberufe selbst, doch konnte man sich kaum über Lehrbetriebe in der Region oder im Bundesland informieren. Und wenn, dann gingen diese Informationen nicht über allgemeine Kontaktdaten hinaus. Auf der Plattform erhalten die Unternehmer die Gelegenheit, sich persönlich vorzustellen und zu zeigen, wer hinter dem Betrieb steht und welche Werte hier gelebt werden. Jugendliche und Eltern bekommen Hintergrundinfos zum Betrieb und den Vorteilen einer Karriere im Tourismus. 

Schon zum Start der Plattform waren 250 Kärntner Tourismusbetriebe vertreten, mehr als ein Viertel davon sind sogenannte Top-Betriebe mit umfassendem Profil. Im Bestfall steht am Ende ein lückenloser Überblick über die lehrlingsausbildenden Betriebe im Bundesland. Auch das Engagement in den Schulen wird ausgebaut, um Jugendliche früh für eine Ausbildung im Tourismus zu begeistern, zum Beispiel mit der Aktion „Get a Job“, bei der schon tausende Schülern praktische Einblicke in das Berufsfeld des Tourismus erhalten haben. Am 21. Oktober findet zudem erstmalig seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie wieder die Winterjobbörse statt.

Lehre mit Social-Media-Upgrade

In Oberösterreich verpassen die Eurothermen – größter Lehrlingsausbilder im Tourismus im Bundesland – ihren klassischen Lehrberufen einen digitalen Turboboost. Aufbauend auf der Lehrausbildung in den EurothermenResorts in Bad Schallerbach, Bad Ischl und Bad Hall, absolvieren Lehrlinge zusätzlich neun Module zum Thema Kommunikation und Social Media.

Unter der Anleitung von Marketingexperten werden die Auszubildenden in der Gestaltung und Betreuung von Social-Media-Auftritten geschult und für die Digitalisierung der Arbeitswelt noch fitter gemacht. Dazu kommt eine regelmäßige Weiterbildung in den Bereichen der Fotografie- und Videobearbeitung sowie Texten und Erstellen von Redaktionsplänen. In weiterer Folge soll von den Lehrlingen standortübergreifend ein eigener Social-Media-Kanal aufgebaut und betreut werden. 

„Wir haben schon vor Jahren erkannt, dass man Jugendlichen ein ansprechendes Angebot machen muss. Daher investieren wir in unsere Lehrlinge – etwa mit der Lehre mit Social Media Upgrade oder begleitenden mehrtägigen Workshops. Mit dieser sehr guten Ausbildung wollen wir Jugendliche und auch ihre Eltern ansprechen, von unserem Angebot überzeugen und für einen Lehrberuf in Oberösterreichs größtem Tourismusunternehmen begeistern“, so Eurothermen-Chef Patrick Hochhauser über die Anstrengungen um gute Lehrlinge. Die EurothermenResorts bieten auch eine weitere innovative Ausbildungsschiene in Kooperation mit der Wirtschaftskammer Oberösterreich an: Die Duale Akademie ist ein Ausbildungsangebot für den Bereich der Hotel- und Gastgewerbeassistenz, das sich vor allem an AHS-MaturantInnen richtet. 

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